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14.05.2013

19:47 Uhr

EU diskutiert Abschaffung

Kleinen Cent-Münzen droht das Ende

Viele Bürger finden sie ohnehin lästig und überflüssig – nun erwägt die EU tatsächlich die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Letztlich sind es aber die einzelnen Regierungen, die darüber entscheiden müssen.

Euro-Cent-Münzen: Viele Bürger lassen sie in Sparschweinen oder Schuhkartons liegen. dpa

Euro-Cent-Münzen: Viele Bürger lassen sie in Sparschweinen oder Schuhkartons liegen.

BrüsselZu teuer und zu unpraktisch: Ein- und Zwei-Cent Münzen könnten schon bald aus den Portemonnaies verschwinden. Die EU-Kommission stellt die kleinsten Münzeinheiten im Euro-Währungsraum auf den Prüfstand und kann sich deren Abschaffung vorstellen.

„Vier mögliche Szenarien sind denkbar, von einer Beibehaltung der derzeitigen Stückelung bis hin zur Abschaffung der Münzen“, schreibt die EU-Behörde in einem am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Bericht. Als Alternative könnte man die Produktion der Münzen verbilligen - indem etwa die materielle Zusammensetzung der Cent-Stücke geändert wird - oder die Produktion langsam ausklingen lassen.

Der Grund: Für die Staaten ist die Herstellung der Kupfermünzen wegen der steigenden Rohstoffpreise ein Verlustgeschäft. Die Produktion ist teurer als der Nennwert der Münzen. Seit der Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 belaufe sich diese Differenz auf rund 1,4 Milliarden Euro, schreibt die EU-Kommission.

Was hinter den Brüsseler Plänen zum Abschied vom Kupfergeld steckt

Warum ist die Abschaffung im Gespräch?

Weil die Preise für die Rohstoffe Kupfer und Stahl drastisch gestiegen sind. Daher sind die Kosten der Produktion von Ein- und Zwei-Cent-Münzen höher als ihr Nennwert. Die EU-Kommission beziffert die Differenz seit Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 auf rund 1,4 Milliarden Euro. Seit 2002 haben die Länder der Eurozone insgesamt fast 46 Milliarden Ein- und Zwei-Cent-Münzen ausgegeben.

Was schlägt die EU-Kommission vor?

Die EU-Experten nennen vier Optionen: Erstens weitermachen wie bisher. Zweitens könnte man die Kosten senken, indem die materielle Zusammensetzung der Cent-Stücke geändert wird. Drittens wird an einen langsamer Ausstieg gedacht, bei dem die Kleinmünzen nach und nach verschwinden. Als viertes Szenario gilt der schnelle Ausstieg: Die Ausgabe der Münzen würde eingestellt und die bereits im Umlauf befindlichen Münzen von Händlern und Banken eingezogen.

Worin liegt der Sinn der kleinen Münzen?

Sie haben vor allem psychologische Bedeutung für den Handel, weil sie sogenannte Schwellenpreise von 99 Cent oder 2,99 Euro möglich machen. Dies ist ein besserer Kaufanreiz als ein runder Preis von 1 oder 3 Euro. Allerdings sind die kleinen Münzen für Einzelhändler oft auch eine Last und erschweren wegen ihres Gewichts und Volumens Geldtransporte.

Was spricht für die Abschaffung kleiner Münzen?

An der Kasse im Supermarkt würde es schneller gehen, wenn der Kunde keine Cent-Stücke mehr zusammensuchen müsste. Verbraucher könnten die Summe ihres Einkaufs leichter berechnen - und ihr Portemonnaie würde dünner.

Wie stehen die Europäer zu den Münzen?

Ganz unterschiedlich. Deutschland gilt als Land der „Pfennigfuchser“. Laut einer Umfrage der Bundesbank stimmen 91 Prozent der Bevölkerung dem Spruch zu: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Viele Deutsche verwenden die Münzen ganz normal zum Bezahlen. Die Bundesbank lehnt die Abschaffung der kleinen Münzen ab und argumentiert, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen würden sich an der Tradition der D-Mark und des Pfennigs orientieren. Finnland verzichtet dagegen schon seit 2002 auf die Kleinmünzen im Umlauf, weil sie als unpraktisch gelten. Beträge werden dort gerundet. In den Niederlanden runden Geschäfte die Preise seit 2004 auf fünf Cent.

Wie geht es jetzt weiter?

Die EU-Kommission holt die Meinungen der EU-Regierungen ein und wird einen entsprechenden Gesetzesvorschlag machen. Eine Frist dafür gibt es nicht. Unterstützung kommt aus dem Europäischen Parlament, das bereits 2012 die Überprüfung der Cent-Münzen gefordert hatte.

Steht auch die Abschaffung von Euro-Scheinen in Frage?

Ja, und zwar die des 500-Euro-Scheins - aber aus anderen Gründen. Der violette Geldschein steht im Ruf, von Steuerhinterziehern und Kriminellen benutzt zu werden, um keine Spuren mit elektronischen Überweisungen zu hinterlassen. Die Europäische Zentralbank (EZB) kann sich daher eine Abschaffung vorstellen. „Das ist sicherlich eine Diskussion wert“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio im April im Europaparlament. Denn die größte Euro-Banknote tauche im täglichen Leben kaum auf: „Es ist etwas, wovon die Leute gewöhnlich keinen Gebrauch machen, so dass das Zahlungssystem so etwas wohl nicht so dringend braucht.“

Was ändert sich bei den Euro-Scheinen noch?

Derzeit bringen Europas Währungshüter gerade die neue 5-Euro-Note unters Volk. Die zweite Banknoten-Generation ist wegen neuer Sicherheitsmerkmale fälschungssicherer. Später sollen auch weitere neue Banknoten eingeführt werden.

Nun werde man mit den Mitgliedsstaaten und Interessenvertretern über die Münzfrage diskutieren. „Wir werden sehen, ob sich eine eindeutige Präferenz ergibt, auf der wir einen Gesetzesvorschlag begründen können“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn, ohne eine Frist zu nennen. Über eine mögliche Abschaffung müssen letztlich die EU-Regierungen entscheiden. Bislang galt ein solcher Schritt als unwahrscheinlich.

Die Frage nach dem Nutzen von Kleinmünzen ist ein Dauerbrenner und taucht seit der Einführung des Euro-Bargeldes immer wieder auf. Das Europaparlament und die Mitgliedsstaaten hatten die EU-Kommission aufgefordert, Kosten, Nutzen und öffentliche Akzeptanz der beiden kleinsten Euro-Geldstücke zu untersuchen. Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank (EZB) auch die Zukunft des 500-Euro-Scheins infrage gestellt. Der violette Geldschein steht im Ruf, vor allem von Steuerhinterziehern und Kriminellen benutzt zu werden.

Von

dpa

Kommentare (34)

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Huss

14.05.2013, 20:11 Uhr

Weg mit dem ganzen Euro und zurück zur DM mit allen Vorteilen für unser Land. Der Euro macht uns pleite, entwertet Sparrücklagen, private Rentenvorsorgen und Lebensversicherungen. Ich habe keine Lust mehr für den Irrsinn der Pleiteländer zu haften.(...)


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Account gelöscht!

14.05.2013, 20:16 Uhr

solange nicht die 500 Euro Scheine mit 100 Millionen überdrucken ist ja noch alles in Butter :-)

Wahrsager

14.05.2013, 20:22 Uhr

Kanada hatte vor ein paar Monaten den Pfennig ohne Probleme abgeschafft.
Beim Euro sollte es am besten die gesamte Waehrung sein!

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