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25.09.2013

14:25 Uhr

Eugen Weinberg im Interview

„Gold muss man ganz neu bewerten“

VonJörg Hackhausen

Die Krisenwährung Gold steckt in der Krise. Im Interview spricht Eugen Weinberg von der Commerzbank über die Gründe. Er erklärt, warum er Gold besitzt, obwohl er nicht will, dass der Preis steigt.

Eugen Weinberg von der Commerzbank ist in Deutschland einer der größten Kenner der Rohstoffmärkte.

Eugen Weinberg von der Commerzbank ist in Deutschland einer der größten Kenner der Rohstoffmärkte.

Der Goldmarkt ist in Aufruhr. Im Frühjahr brach der Goldpreis ein, danach schien er sich langsam wieder zu erholen. Wie geht es weiter?
So spannend wie in diesem Jahr war der Goldmarkt schon seit vielen Jahren nicht mehr. Denn seit dem Jahr 2000 ging es ja fast nur aufwärts: Vom Ende 2001 bis Ende 2012 ist der Goldpreis jedes Jahr um durchschnittlich 18 Prozent gestiegen. In diesem Jahr ist der Goldpreis bereits um über 20 Prozent gefallen. Auch die Wucht mit der die Preise in diesem Jahr schwanken ist sehr ungewöhnlich und nicht immer fundamental zu erklären. Eine Prognose, wie es mit Gold kurzfristig weitergeht, ist daher schwierig. Langfristig spricht Vieles für einen wieder steigenden Goldpreis.

Manche sagen, die Blase beim Goldpreis sei geplatzt. Was meinen Sie?

Diese Frage kann man fast immer erst im Nachhinein beantworten. Eine Blase ist dadurch gekennzeichnet, dass der Preis in der Endphase der Blasenbildung extrem stark ansteigt und unmittelbar danach einbricht. Bei Gold verlief der Preisanstieg bis zum Herbst 2011 kontinuierlich und der Einbruch erfolgte erst 19 Monate später. Alles in allem sehen wir bei Gold aktuell eher Ähnlichkeiten mit den Bewegungen Ende 2008 als im Jahr 1980, als die damalige Goldblase platzte.

Was seit der Lehman-Pleite aus 100.000 Euro wurde

US-Dollar

93.951 Euro

Sparbuch

103.100 Euro

Tagesgeld

107.600 Euro

Zehnjährige US-Staatsanleihe

125.607 Euro

Bondindex Rex

128.958 Euro

Rohöl (Brent)

130.859 Euro

Zehnjährige Bundesanleihe

131.206 Euro

Dax

142.031 Euro

Nikkei-225

147.685 Euro

Dow Jones

173.651 Euro

Gold

180.185 Euro

FTSE China

181.333 Euro

MDax

193.279 Euro

Silber

214.136 Euro

Quelle

Thomson Reuters, FMH; Startdatum: 15. September 2008; in Euro gerechnet. Enddatum: 15. September 2013

Spricht nicht die heftige Korrektur in diesem Jahr dafür?

Sagen wir es mal so: Wenn Gold ähnlich wie in den 80er und 90er Jahren wieder als ein normaler Rohstoff bewertet wird, dessen Preis vom Gebrauch und der Verfügbarkeit abhängt, dann ist Gold immer noch überbewertet. Ein fairer Preis für Gold als Rohstoff dürfte unter 1000 Dollar je Unze liegen. Ich bin allerdings der Meinung, dass man Gold in erster Linie mit einer Währung oder Versicherung vergleichen sollte. Dann ist Gold eine interessante Alternative zu den Papierwährungen, welche von den Zentralbanken beliebig vermehrt werden können. Auch die Tatsache, dass Gold keine Zinsen abwirft, ist aktuell kein großer Nachteil. Denn die Realzinsen in der westlichen Welt sind weiterhin niedrig. 

Warum ist der Goldpreis so stark eingebrochen?

Die regelrechten Preisstürze bei Gold in diesem Jahr sind auch im Nachhinein nur schwer nachzuvollziehen. So ist der Goldpreis am 15. April um neun Prozent gefallen. Rein statistisch gesehen darf eine solche Veränderung innerhalb eines Tages eigentlich gar nicht vorkommen. Und doch ist es passiert. Es handelt sich somit um einen sogenannten 'schwarzen Schwan'. Solche Ereignisse zu prognostizieren, ist unmöglich. Es hatte sich an diesem Tag eine unheimliche Eigendynamik entwickelt. Allein in New York wurden an der dortigen Terminbörse rund 80 Prozent der globalen Goldproduktion eines gesamten Jahres gehandelt.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

25.09.2013, 15:10 Uhr

"Dann ist Gold eine interessante Alternative zu den Papierwährungen, welche von den Zentralbanken beliebig vermehrt werden können. "

Nein es sind die Geschäftsbanken die 90% der Geldmenge erzeugen. Die Zentralbanken assistieren hier nur. Das systemische Problem liegt genau darin - den Geschäftsbanken muss die "Lizenz zum Gelddrucken" entzogen werden, es ist die Kernursache aller Probleme seit der "Erfindung" des Fiatgeldes;
die Geldmengenproblematik ist der Wurzelkern aller Finanz-, Schulden-, Bank- und Währungskrisen der vergangenen 500 Jahre.

Die Geldmengenausweitung darf nicht nach den Kriterien Beliebigkeit, Gier, Buchungstrickkompetenz, krimineller Neigung oder Boni-Geilheit vonstatten gehen sondern eine staatliche oder auch überstaatliche, von der Regierung unabhängige Organisation muss nach festgelegten Regeln und Parametern, z.B. einem Indexkorb, der die realwirtschaftliche Entwicklung antizpiert, die Ausweitung beschließen.

Das bedeutet nicht das Ende der Geschäftsbanken, es bedeutet deren Disziplinierung auf ihr Kerngeschäft, den Geldverleih von realwirtschaftlichem Geld - Geld, das kontrolliert in die Welt gesetzt wird und durch realwirtschaftliche Entwicklungen abbildbar ist. Die Hochhäuser der Banken werden nur noch halb so hoch sein aber das Fiatgeld hat dann etwas, was es noch nie hatte - ZUKUNFT !

Account gelöscht!

25.09.2013, 16:55 Uhr

@ Marco99

Leider haben Sie es immer noch nicht begriffen. Es sind die Politikerbürokraten die die Zentralbanken steuern und festlegen wieviel Geld eine Geschäftsbank schöpfen darf (Eigenkapital vorhalten muss).

Ein zum Überleben der Politikerbürokraten ÜBERLEBENSNOTWENDIGER Prozess. Denn in einer Welt ausschließlich aus Realgeld würde keine Kundensparguthaben verwaltende Bank oder Versicherung sich auf das Schneeballsystem aus ständig überrollenden Staatsschulden einlassen.

Und dann müssten die Politikerbeamten tatsächlich ausschließlich vom Steueraufkommen leben und immer vom Bürger etwas auf die Finger geklopft bekommen.

Solange die Bürger die unheilvolle Symbiose zwischen Politikerbürokraten und Bankstern nicht begreifen ändert sich niemals was.

ClownsHelden

25.09.2013, 17:25 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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