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01.11.2011

17:01 Uhr

Euphorie verflogen

Griechenland-Referendum belastet den Euro

Nach dem überraschenden Manöver von Papandreou fällt der Euro um gut zweieinhalb Cent auf 1,3609 Dollar. Die Angst vor einer Ansteckungsgefahr macht sich bei italienischen Staatsanleihen breit.

Die Euphorie am Devisenmarkt ist wieder verflogen. dpa

Die Euphorie am Devisenmarkt ist wieder verflogen.

Frankfurt Die geplante Volksabstimmung in Griechenland über das neue Euro-Rettungspaket hat die Gemeinschaftswährung und die Kurse von Anleihen mehrerer Krisenstaaten auf Talfahrt geschickt. Der Euro verlor am Dienstag zeitweise gut zweieinhalb US-Cent und notierte mit 1,3609 Dollar auf dem tiefsten Stand seit knapp drei Wochen. Die Risikoprämien, die Investoren beim Kauf italienischer zweijähriger Staatsanleihen im Vergleich zu den entsprechenden deutschen Papieren fordern, stieg auf den höchsten Stand seit Bestehen des Euro. 

Das Referendum sei ein neuer Schock für Europa, urteilten die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar. Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erklärte: „Auf dem Euro-Gipfel hatte es die Politik gerade geschafft, etwas Vertrauen herzustellen - nun herrscht wieder große Unsicherheit. Laut einer Umfrag lehnen 60 Prozent der Griechen die Gipfel-Beschlüsse ab - es steht also alles wieder auf der Kippe.“ 

Mit der angekündigten Volksabstimmung über das erst in der vergangenen Woche ausgehandelte Rettungspaket droht nach Einschätzung von Experten nun eine weitere wochenlange Hängepartie, die im schlimmsten Fall mit einer Staatspleite Griechenlands oder dem Austritt aus der Euro-Zone enden könnte. „Die europäischen Rettungsbemühungen scheinen in sich zusammenzufallen,“ sagte Manoj Ladwa, Händler Bei ETX Capital.

Die neuen Hilfen für das hochverschuldete Land waren am Donnerstag auf dem Euro-Gipfel beschlossen worden - im Gegenzug für harte Sparauflagen. Zudem hatten sich die Staats- und Regierungschefs geeinigt, dass private Gläubiger einen Schuldenschnitt von 50 Prozent auf ihre griechischen Staatsanleihen akzeptieren sollen. Der Euro war daraufhin auf bis zu 1,4247 Dollar gestiegen. Ein Nein der Griechen sei bei dem Referendum nicht so unwahrscheinlich - „zumindest, wenn man den Bildern der Fernsehsender und den Zeitungsartikeln zur aktuellen Stimmung im Land glauben darf“, heißt es in dem Kommentar der Metzler-Analysten. 

Für einige Anleihe-Anleger ist die Zahlungsunfähigkeit Griechenland offenbar schon eine abgemachte Sache: Die Rendite der zweijährigen Anleihen kletterte zeitweise auf ein neues Rekordhoch von 115,353 Prozent - wer das Papier jetzt am Markt kauft, könnte damit also seinen Einsatz jährlich mehr als verdoppeln, falls Griechenland das Geld am Ende der Laufzeit doch noch zurückzahlen sollte. Die zehnjährigen Papiere markierten mit bis zu 28,207 Prozent ebenfalls einen Rekordstand. 

Die Angst vor einer Ansteckungsgefahr machte sich besonders an den Renditen italienischer Staatsanleihen bemerkbar. Sie rentierten in der Spitze mit 6,366 Prozent, dem höchsten Wert seit Anfang August. Neben dem Griechen-Referendum sorgte die unsichere politische Situation in Italien für zusätzliches Unbehagen. Die italienische Opposition hat den Präsidenten des Landes um eine sofortige Auflösung der Regierung von Silvio Berlusconi gebeten. Händlern zufolge wären die Renditen für italienische Papiere noch höher ausgefallen, wenn die EZB nicht mit dem Kauf der Anleihen reagiert hätte. 

Misstrauischer wurden neben Italien aber auch Spanien oder Belgien beäugt. Die Rendite der gern als sicherer Hafen angesteuerten Bundsanleihen fiel dagegen bis auf 1,772 Prozent zurück, nachdem sie am Vortag noch bei über zwei Prozent gelegen hatte. Wenn die Unsicherheit über den Ausgang der Euro-Krise anhalte, könnten die Renditen deutscher Anleihe bald auch wieder auf ihr Rekordtief von 1,637 Prozent zurückfallen, prognostizierte Zinsstratege Eric Wand von Lloyds.

Kommentare (10)

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Arminius

01.11.2011, 07:27 Uhr

Griechenland kann nur durch einen totalen Schuldenschnitt und Austritt aus der Eurozone gerettet werden. Dabei müssten die andere Euroländer Griechenland, trotz Euroaustritt, erlauben in der EU zu bleiben.
Mit einem sehr schwachen Drachmen können Investitionen in Land attraktiv werden, nicht zu Letzt für China, die dadurch eine Öffnung zum Mittelosten hätte.

Schlaumeier

01.11.2011, 08:05 Uhr

Der Grieche ist nicht faul und dumm, sondern nur faul. Das Beste, was man aus griechischer Sicht machen kann. Merkosy werden schon zahlen, oder der Euro ist Geschichte. Eigentlich ein gutes Demokratieverständnis in Griechenland, ggü. der Diktatur hier unter Adolf Merkel. Oder wann haben wir Deutschen über den Euro abgestimmt?

Arminius

01.11.2011, 08:21 Uhr

@ Schlaumeier,
Faul ist er auch nicht! Sie arbeiten im Schnitt länger als die Deutsche. Nur die Produktivität ist geringer.
Klar wenn man um einen Liter Olivenöl zu produzieren 2 Stunden arbeiten muss und dass man dafür von großzügigen Deutschen 0,80cts bekommt kann man nicht reich werden. In 2 Stunden hat der ungebildete deutsche Kollege bei VW, BMW, Mercedes, etc. etc., EURO 40,- verdient. Das hat aber mit Faulheit nicht zu tun. Übrigens, die Zwangsarbeiter wurden von den Kapos auch oft als faul beschimpft. Mahlzeit!
Gott gab den Einen die Stärke der Menge und Masse und den Anderen die Schlauheit der kleinen und Schwachen und sagte, "jeder soll auf seine Weise glücklich werden"

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