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20.01.2010

16:16 Uhr

Euro auf Talfahrt

Griechenland-Krise alarmiert die Märkte

Die eindringlichen Warnungen europäischer Zentralbanker an die Adresse Griechenlands schüren an den Märkten neue Unsicherheit. Investoren ziehen weiter Geld aus griechischen Staatsanleihen ab und auch der Euro nimmt Schaden. Mit Kursen von 1,41 Dollar ist er so billig wie seit fünf Monaten nicht mehr.

Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou: Die Märkte bewerten die Konsolidierungspläne des hoch verschuldeten Landes skeptisch. Quelle: Reuters

Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou: Die Märkte bewerten die Konsolidierungspläne des hoch verschuldeten Landes skeptisch.

HB FRANKFURT. Die Haushaltsprobleme Griechenlands haben den Euro am Mittwoch stark belastet. Die Gemeinschaftswährung kostete am späten Nachmittag 1,41 Dollar nach 1,4291 Dollar am Vorabend in New York. Für den Euro ist es der tiefste Stand seit August. Verstärkt wurde die Abwärtsbewegung durch Spekulationen über eine Straffung der Geldpolitik in China.

Auch an den Rentemärkten sorgten die Sorgen um Griechenland für viel Bewegung. Gegen den Trend am Bondmarkt sackten die Kurse zehnjähriger griechischer Anleihen weiter ab. Die Rendite kletterte um 19 Basispunkte auf 6,09 Prozent. In der Folge weitete sich der Risikoaufschlag griechischer Anleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen, der Benchmark für den Euroraum, um acht Basispunkte auf 285 Basispunkte aus. Es ist der höchste Wert seit dem 16. März. Die Rendite der zweijährigen Papiere zog um 59 Basispunkte auf 4,26 Prozent an.

„Ein ganzes Bündel an Faktoren belastet den Euro und er könnte auch noch mehr unter Druck geraten. Die Hauptursache ist sicher Griechenland“, sagte ein Händler. Die Sorge am Markt sei nach wie vor, dass auch andere EU-Länder in die Bredouille geraten könnten.

Der Fall Griechenland hat in der Währungsunion zuletzt viel Staub aufgewirbelt und Fragen zur Tragfähigkeit der Euro-Zone aufgeworfen. Im Herbst hatte die neue sozialistische Regierung in Athen das Defizit für 2009 auf 12,7 Prozent revidiert und zudem Manipulationen der Schuldenstatistik durch die Vorgängerregierung offenbart. Die Ratingagenturen stuften daraufhin die Bonität des Landes herab, womit sich neue Kredite verteuern. Das Mittelmeerland will nun binnen drei Jahren die desolaten Staatsfinanzen wieder in Ordnung bringen. Die EU-Obergrenze für das Defizit von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) soll 2012 wieder eingehalten werden. Gelingt dies nicht, drohen weitere Rating-Herabstufungen.

Aus Furcht vor unabsehbaren Folgen für das Vertrauen in den Euro haben Spitzen-Notenbanker Griechenland zu einem strikten Sparkurs aufgefordert. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sagte am Mittwoch an der Universität Leipzig, das Land wisse, dass es seine „Hausaufgaben nachholen“ müsse. Stark bekräftigte frühere Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, dass trotz der schwierigen Haushaltslage Griechenlands niemand beabsichtige, die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes zu ändern. Oberste Priorität der Regierung in Athen müsse eine „grundsätzliche Umorientierung der Wirtschaftspolitik“ und ein umfassendes Programm zur Konsolidierung der Staatsfinanzen sein. Hier gebe es erste ermutigende Zeichen.

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