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24.04.2017

21:31 Uhr

Euro-Dollar-Kurs

Keine Parität in Sicht

VonJürgen Röder

Noch Anfang 2017 galt bei vielen Experten ein Umtauschkurs von 1:1 zwischen dem Euro und dem Dollar als ausgemachte Sache. Doch die Parität wurde nicht erreicht - und nun scheint sich das Blatt zu wenden.

Eine griechische Euro-Münze: Die europäische Gemeinschaftswährung steigt wieder, eine Parität zum US-Dollar ist nicht in Sicht. dpa

Euro-Münze

Eine griechische Euro-Münze: Die europäische Gemeinschaftswährung steigt wieder, eine Parität zum US-Dollar ist nicht in Sicht.

DüsseldorfNoch Anfang dieses Jahres schienen die Propheten eines schwachen Euros recht zu behalten: Die europäische Gemeinschaftswährung sackte in den ersten Januartagen 2017 zeitweise auf 1,0339 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2003. Damals verwunderte es kaum, dass – wieder einmal – Spekulationen über das Erreichen der Parität die Runde machen. Parität heißt: Für einen Euro gibt es dann einen Dollar.

„Fährt die Fed tatsächlich konsequent den Kurs der Zinswende, wird der Dollar sehr schnell die Parität zum Euro erreichen“, saget Ende 2016 etwa Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang voraus. Auch Goldman Sachs hatte noch Anfang dieses Jahres erwartet, dass der Dollar weiter aufwertet und bis zum Jahresende die Parität zum Euro erreicht haben wird. Die Stärke der US-Währung werde dabei vor allem auf der Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa sowie Japan beruhen, zeigt sich Chef-Ökonom Jan Hatzius von Goldman Sachs im Gespräch mit Bloomberg überzeugt.

Die Analysten der Deutschen Bank – dem viertgrößten Devisenhändler weltweit – gingen Mitte November vergangenen Jahres sogar noch einen Schritt weiter: Die Parität sei nur ein Zwischenstopp, der Euro werde zum Ende des Jahres 2017 sogar nur noch 95 Dollar-Cent wert sein.

Weltweite Währungsreserven

2004

Gesamt: 2,655 Billionen

US Dollar: 1,739 Billionen (65,45 %)
Britisches Pfund: 0,093 Billionen (3,50 %)
Yen: 0,114 Billionen (4,29 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,15 %)
Euro: 0,655 Billionen (24,67 %)

2005

Gesamt: 2,844 Billionen

US Dollar: 1,891 Billionen (66,49 %)
Britisches Pfund: 0,107 Billionen (3,76 %)
Yen: 0,113 Billionen (3,97 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,14 %)
Euro: 0,679 Billionen (23,87 %)

2006

Gesamt: 3,315 Billionen

US Dollar: 2,158 Billionen (65,10 %)
Britisches Pfund: 0,15 Billionen (4,52 %)
Yen: 0,115 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,18 %)
Euro: 0,827 Billionen (24,95 %)

2007

Gesamt: 4,119 Billionen

US Dollar: 2,631 Billionen (63,87 %)
Britisches Pfund: 0,199 Billionen (4,83 %)
Yen: 0,131 Billionen (3,18 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,076 Billionen (26,12 %)

2008

Gesamt: 4,21 Billionen

US Dollar: 2,685 Billionen (63,78 %)
Britisches Pfund: 0,178 Billionen (4,23 %)
Yen: 0,146 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,14 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,104 Billionen (26,22 %)

2009

Gesamt: 4,59 Billionen

US Dollar: 2,848 Billionen (62,05 %)
Britisches Pfund: 0,195 Billionen (4,25 %)
Yen: 0,133 Billionen (2,90 %)
Schweizer Franken: 0,005 Billionen (0,11 %)
Euro: 1,27 Billionen (27,67 %)

2010

Gesamt: 5,163 Billionen

US Dollar: 3,193 Billionen (61,84 %)
Britisches Pfund: 0,203 Billionen (3,93 %)
Yen: 0,189 Billionen (3,66 %)
Schweizer Franken: 0,007 Billionen (0,14 %)
Euro: 1,343 Billionen (26,01 %)

2011

Gesamt: 5,652 Billionen

US Dollar: 3,525 Billionen (62,37 %)
Britisches Pfund: 0,217 Billionen (3,84 %)
Yen: 0,204 Billionen (3,61 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,07 %)
Euro: 1,394 Billionen (24,66 %)

2012

Gesamt: 6,085 Billionen

US Dollar: 3,715 Billionen (61,05 %)
Britisches Pfund: 0,245 Billionen (4,03 %)
Yen: 0,248 Billionen (4,08 %)
Schweizer Franken: 0,018 Billionen (0,30 %)
Euro: 1,477 Billionen (24,27 %)

2013 (Q3)

Gesamt: 6,191 Billionen

US Dollar: 3,803 Billionen (61,43 %)
Britisches Pfund: 0,242 Billionen (3,91 %)
Yen: 0,239 Billionen (3,86 %)
Schweizer Franken: 0,017 Billionen (0,27 %)
Euro: 1,496 Billionen (24,16 %)

Doch die Realität sieht anders aus: Der Euro notiert mittlerweile bei knapp 1,09 US-Dollar und lag zwischenzeitlich am Montag auf dem höchsten Stand seit der Dollar-Rally nach der US-Wahl. Und die Prognosen zur künftigen Kursentwicklung haben sich geändert. „Für den Euro scheint am Devisenmarkt der Knoten geplatzt zu sein“, schreiben die Analysten der Commerzbank nach der Wahl in Frankreich am Montag. Sie erwarten, dass die Gemeinschaftswährung in den nächsten Handelstagen wieder die Marke von 1,0950 angreift.

Die Hessische Landesbank (Helaba) beispielsweise erwartet, dass der Euro Ende des Jahres bei 1,10 Dollar notiert. Zwischenzeitlich könnte die europäische Währung im dritten Quartal auf 1,15 US-Dollar steigen.

Dabei hatten Experten im Vorfeld der französischen Wahl deutliche tiefere Euro-Notierungen erwartet – auch, weil es Anfang 2017 noch ausgesehen hatte, dass dieses Ereignis das Potenzial besitzt, die Währung zu destabilisieren. „Politische Risiken verlieren, so die unweigerliche Schlussfolgerung, zunehmend ihren Schrecken für den Euro“, meinen die Analysten der DZ Bank. Ähnliches war schon im vergangenen Jahr im Zuge des Referendums in Italien zu beobachten.

Interessant ist, dass die Paritätsbefürworter ihre Meinung mit den steigenden Zinsen in den USA begründen. Denn der prinzipielle Zusammenhang zwischen Zinsen und Währung ist: Wenn in einem Land die Zinsen steigen, wird eine Geldanlage am dortigen Kapitalmarkt tendenziell attraktiver, sowohl für inländische als auch für ausländische Anleger. Dadurch entsteht eine höhere Nachfrage nach der Währung des Landes, die diese aufwerten lässt. Umgekehrt verläuft der Prozess, wenn die Zinsen eines Landes sinken.

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Der Wahlerfolg des pro-europäischen Macron in Frankreich sorgt für Erleichterung an den Märkten. Im frühen Handel in Fernost steigt der Euro deutlich. Die Währung erreichte zeitweise den höchsten Stand seit fünf Monaten.

Haben die Experten Zweifel an weiteren Zinserhöhungen in den USA? Zumindest in Europa scheint sich ein Umdenken breit zu machen – auch wenn Zinserhöhungen noch tabu sein dürften. Aber: „Es scheint an der Zeit, dass der Devisenmarkt endlich in nennenswertem Umfang das erwartete Tapering der EZB einpreist“, schreibt die Commerzbank. Mit Tapering ist der Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm gemeint. dass die EZB Ende 2016 um neun Monate bis mindestens Dezember 2017 verlängert hatte. Solch eine motivierte Euro-Stärke halten die Experten der Commerzbank für gerechtfertigt und dauerhaft.

Sollte der Euro weiterhin über der Marke von einem Dollar bleiben: Es wäre nichts das erste Mal, dass sich deren Chefvolkswirt irrt. Man gehe davon aus, dass „die Euro-Dollar-Parität noch in diesem Jahr erreicht wird“, sagte Hatzius dem Handelsblatt im Jahr 2015. Bis 2017 könne der Euro „sogar unter das Niveau des Allzeittiefs von 82 Cent fallen“.

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