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07.08.2013

13:26 Uhr

Euro gegen Dollar

Die Währungswette

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Euro oder Dollar – wer ist der Stärkere? Oder besser: Wer ist weniger schwach? Zuletzt konnte keine der beiden Währungen vollends überzeugen. Doch das muss nicht so bleiben. Zwei Redakteure schließen eine Wette ab.

Das Kräftemessen zwischen Euro und Dollar verlief in diesem Jahr sehr ausgeglichen: Das muss nicht so bleiben. dpa

Das Kräftemessen zwischen Euro und Dollar verlief in diesem Jahr sehr ausgeglichen: Das muss nicht so bleiben.

DüsseldorfDie beiden wichtigsten Währungen der Welt – Euro und Dollar – haben mit Problemen zu kämpfen. Sie leiden unter der lockeren Geldpolitik ihrer Notenbanken, ebenso wie unter der schwachen Konjunktur in Europa und den USA. Andererseits gibt es auch Grund für Optimismus. Die Gefahr eines Zusammenbruchs des Euros scheint gebannt und in den USA gibt es erste Signale, dass die Wirtschaft wächst.

Das alles beeinflusst den Wechselkurs. In diesem Jahr ging es erst für den Euro aufwärts, dann legte der Dollar zu, zuletzt wieder der Euro. Unter dem Strich stehen beide Währungen genau dort, wo sie Anfang des Jahres waren. Es herrscht ein Gleichgewicht. Aber das muss nicht so bleiben. Die Frage, welche Währung langfristig besser dasteht, wird in unserer Redaktion kontrovers diskutiert. Die beiden Handelsblatt-Redakteure Jan Mallien und Jörg Hackhausen schließen eine Wette ab.

Hackhausen: Der Dollar wird den Euro klar abhängen. Und wir wissen beide warum: Entscheidend sind die Notenbanken. Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA wird Kapital in den Dollar fließen lassen. Meine Prognose: In einem Jahr steht der Euro nur noch bei 1,20 Dollar!

Mallien: Niemals! So schnell werden sich die Amis nicht von ihrer lockeren Geldpolitik verabschieden. Denen geht’s um Wachstum. Deshalb werden sie ihre Notenpresse ganz bestimmt nicht abschalten – Inflation hin oder her.

Mallien Jan

Jan Mallien, geldpolitischer Korrespondent.

Hackhausen: Die Fed wird die Zinsen zwar nicht so bald erhöhen, also nicht in diesem und auch nicht im nächsten Jahr, aber sie wird sich eher bewegen als die Europäische Zentralbank (EZB). Die muss dafür sorgen, dass der Euro überhaupt überlebt – und sich deshalb auf Jahre hinaus auf Niedrigzinsen festlegen.

Mallien: Die Fed hat eine andere Tradition als die vorsichtigere EZB. Deshalb hat der Dollar langfristig auch immer abgewertet. Im Bretton-Woods-System fester Wechselkurse hat der Dollar noch 4,20 D-Mark gekostet – heute liegt er umgerechnet nur noch bei 1,50 D-Mark. Der Euro wird aufwerten und in einem Jahr 1,50 Dollar kosten!

Hackhausen: Das Argument wäre stichhaltig, wenn es die D-Mark noch gäbe. Vielleicht werden wir die eines Tages wiederbekommen, wer weiß. Aber bis dahin wird der Euro abwerten. Die EZB hat ihre Vorsicht doch inzwischen abgelegt – weil sie nicht mehr anders konnte. Die nächste Stufe der Eskalation steht schon bevor: Bald könnte es negative Einlagezinsen geben, dann müssten Banken zahlen, wenn sie Geld parken. Ganz anders die Fed. Sie hat sehr früh damit begonnen, Geld zu drucken. Aber genauso wird sie früher dran sein, sich wieder von der Politik des billigen Geldes zu verabschieden. Voraussetzung ist natürlich, dass sich die US-Wirtschaft weiter erholt.

Mallien: Die Fed wird kein Risiko eingehen und den Fuß eher zu lang als zu kurz auf dem Gaspedal lassen. Nicht nur die US-Wirtschaft erholt sich, sondern auch die Wirtschaft der Euro-Zone. Bei 1,20 Dollar lag der Euro auf dem Höhepunkt der Krise. Da dachten alle: Bald bricht er zusammen. Jetzt ist die Gefahr gebannt. Damit werden Anlagen im Euro-Raum wieder attraktiv. Verglichen mit den USA sind Vermögenswerte in der Euro-Zone sehr billig.  

Kommentare (15)

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07.08.2013, 13:38 Uhr

Oder das Gleichgewicht bleibt bestehen und wir sehen auch in 12 Monaten etwas zwischen 1,28 und 1,35. Man darf gespannt sein :) In 12 Monaten sollte das Handelsblatt den Artikel wieder ausgraben und die Prognosen mit der Realität vergleichen, das wäre interessant.

Account gelöscht!

07.08.2013, 14:03 Uhr

Die USA scheinen unfähig zu sein Ihr Leistungsbilanzdefizit auszugleichen.
Spanien hat bereits ein Leistungsbilanzüberschuss. Das ist der Unterschied.

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07.08.2013, 14:07 Uhr

In der Diskussion werden zwei entscheidende Argumente vergessen:

1. Die USA sind die einzige Supermacht und verfügen über ein gigantisches Militärpotential. Sie werden ohne Bedenken notfalls dies Militärpotential einsetzen, um den Dollar als Rohstoffwährung zu verteidigen. Sie werden also auf absehbare Zeit den Vorteil haben, dass sie mit einfach gedrucktem (Falsch)-geld strategisch entscheidende Rohstoffe bezahlen können.

2. Die EU ist durch ihre Anti-CO2-Politik dabei, ihre eigene industrielle Leistungsfähigkeit und insbesondere die Wirtschaftkraft Deutschlands substantiell zu schwächen bzw. zu zerstören. Sie wird daher wirtschaftlich gegenüber den USA das Nachsehen haben.

Beide Faktoren werden dazu führen, dass der Dollar tendeziell stärker ist als der Euro. Da die USA aber eine allzu starke Aufwertung des Dollar verhindern wollen, werden sie lediglich eine moderate Aufwertung zulassen. Die FED kann ja jederzeit mit neu gedruckten Dollar Euros aufkaufen.

Ich denke daher, dass die Marke von 1,20 Euro für einen Dollar eher wahrscheinlich ist als ein stärkerer Euro.

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