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28.08.2012

09:52 Uhr

Euro-Krise

Der portugiesische Goldstandard

In Portugal nimmt die Euro-Krise groteske Formen an. Eheleute verkaufen ihre Eheringe, Rentner ihr Silberbesteck. Den Edelmetall-Händlern geht es trotzdem dreckig. Und dafür gibt es Gründe.

Eheringe aus Gold. In Portugal fast so etwas wie ein Zahlungsmittel. dpa

Eheringe aus Gold. In Portugal fast so etwas wie ein Zahlungsmittel.

LissabonPaulo Oliveira und seine Frau haben ihre Eheringe verkauft. Im Juli verlor der Bauarbeiter seinen Job. Nun brauchen die Eheleute Geld, um ihre Miete zu bezahlen. “Jetzt haben wir kein Gold mehr, das uns davor bewahren könnte, diesen Monat rausgeschmissen zu werden”, sagt der 46- Jährige im Zentrum Lissabons, wo sich die meisten Goldkäufer befinden. Die Eheringe waren die letzten Schmuckstücke, die sie besaßen.

Oliveira ist in seiner Not nicht allein. Immer mehr Haushalte in den krisengeschüttelten Euro-Staaten plündern ihre Schmuckschatullen. “Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten meiner Kunden ihre Ringe schon verkauft haben”, sagt Goldhändler Luis Almeida, dessen Familie seit mehr als 40 Jahren ein Geschäft in der Nähe des Lissabonner Rossio Platzes führt.

Weltweite Nachfrage nach Gold in Tonnen

2002

Schmuck: 2.662

Barren und Münzen: 352

Technologie: 358

Öffentlicher Sektor: -547

Gesamt: 2.827

2003

Schmuck: 2484

Barren und Münzen: 302

ETFs: 39

Technologie: 386

Öffentlicher Sektor: -620

Gesamt: 2.592

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 347

ETFs: 133

Technologie: 419

Öffentlicher Sektor: -479

Gesamt: 3.036

2005

Schmuck: 2,719

Barren und Münzen: 394

ETFs: 208

Technologie: 438

Öffentlicher Sektor: -633

Gesamt: 3.095

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Technologie: 468

Öffentlicher Sektor: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 434

ETFs: 253

Technologie: 476

Öffentlicher Sektor: -484

Gesamt: 3.103

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 868

ETFs: 321

Technologie: 461

Öffentlicher Sektor: -235

Gesamt: 3.719

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 779

ETFs: 623

Technologie: 410

Öffentlicher Sektor: -34

Gesamt: 3.591

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.201

ETFs: 382

Technologie: 466

Öffentlicher Sektor: 77

Gesamt: 4.143

2011

Schmuck: 1.974

Barren und Münzen: 1.505

ETFs: 185

Technologie: 453

Öffentlicher Sektor: 458

Gesamt: 4.574

Die Krise hat das Geschäft mit dem Gold in Portugal zunächst beflügelt: Die Anzahl der Schmuckläden mit angeschlossenen Cash-für-Gold-Tresen ist im vergangenen Jahr um 29 Prozent gestiegen, so das Ergebnis einer vom Parlament im Auftrag gegebenen Studie. Im ersten Quartal wurden durchschnittlich zwei neue Geschäfte pro Tag eröffnet. Doch das Goldfieber ist vorerst abgeflaut. Nach dem Rekordhoch von 1921,15 Dollar pro Unze im September ist der Preis für das Edelmetall um 17 Prozent gefallen. Zuletzt kostete eine Feinunze Gold etwa 1640 Dollar. Unter den portugiesischen Goldhändlern macht sich Ernüchterung breit. Einige Geschäfte müssen nun schließen.

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Für die vergleichsweise niedrigen Preise sorgt der weltweite Rückgang der Nachfrage nach Gold. Nach einem Rekordhoch im vergangenen Jahr liegen sowohl die Nachfrage nach Münzen und Barren als auch die nach Schmuck und die der Industrie dem Weltgoldrat zufolge im zweiten Quartal 2012 im Minus. Insgesamt wurden im zweiten Quartal 23 Prozent weniger Tonnen Gold nachgefragt als im Jahr zuvor. Einzig die Nachfrage der Notenbanken federt den weiteren Preisabschwung ab.

Kommentare (18)

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Goldjunge

28.08.2012, 10:05 Uhr

"Einzig die Nachfrage der Notenbanken federt den weiteren Preisabschwung ab."

Was für eine unverschämte Verzerrung und Lüge. Weltweite Nachfrage liegt bei über 6000Tonnen im Jahr und gefördertes Angebot bei 4000Tonnen. Die Differenz von über 2000Tonnen wird durch "geleastes" Gold der Notenbanken bereitgestellt. Das Gold wird offiziel ja nicht verkauft, sondern nur geleast, aber in Wirklichkeit sehen die das nie wieder. Der Preis des Goldes wird also seit Jahren in Wahrheit nur gedrückt. Am Ende können die es nicht aufhalten, denn bei über 2000Tonnen im Jahr ist das Gold bald aufgebraucht - unter anderem unser deutsches Gold das die Amis bestimmt bereits als erstes verschleudert haben. Wenn wir Glück haben, dann kriegen wir Wolframbarren.

Widerstand

28.08.2012, 10:10 Uhr

Eine geradezu symbolische, anschauliche Geschichte zum Irrsinn des Euro. Aufgrund der fehlenden Abwertungsmöglichkeiten sind Länder wie Portugal nicht mehr wettbewerbsfähig. Die hohe Arbeitslosigkeit dort mindert den Wohlstand. Gleichzeitig verarmen die nordeuropäischen Länder aufgrund der Transferzahlungen. Insgesamt aber sinkt in Europa der Wohlstand, weil der Ausfall an Produktionspotenzial aufgrund der Arbeitslosigkeit im Süden natürlich auch durch die Mehrarbeit in Deutschland nicht kompensiert werden kann.
Der Euro ist ein Wahnsinn. Er zerstört Europa, indem er im Süden die Arbeitslosigkeit hoch hält und gleichzeitig den Norden durch Transfers ruiniert.
Was für ein Wahnsinn und was für ein Verbrechen an der künftigen Generation!
Macht endlich Schluss mit dem Euro, der uns alle zerstört!

Schlaumeier

28.08.2012, 10:16 Uhr

Dieser Artikel ist die "Dummheit hoch drei". Ist der Schreiber Hilfsschüler oder Baumschüler? In Portugal wird Gold in Euro gehandelt. Gold steht in Euro fast auf "alle Zeit hoch". Die ganze Argumentation passt nicht. Ein Artikel aus der Rubrik "Volksverdummung". Peinlich.

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