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18.06.2012

17:02 Uhr

Euro-Krise

Die Zeit für Griechenland läuft ab

VonJörg Hackhausen, Jessica Schwarzer, Christian Panster

Die Griechen haben sich bei der Wahl für den Euro entschieden. Ob sie ihn tatsächlich behalten werden, wird allerdings immer ungewisser. Experten geben den Südeuropäern nur noch wenige Monate Zeit.

Griechische Euromünze in der Klemme. Ohne eigene Währung droht den Südeuropäern das Armenhaus. dpa

Griechische Euromünze in der Klemme. Ohne eigene Währung droht den Südeuropäern das Armenhaus.

DüsseldorfDie Griechen haben gewählt. Und sie haben sich für den Euro entschieden, indem sie mehrheitlich für Antonis Samaras und seine konservative Partei, die Nea Dimokratia stimmten. Die Investoren sind zunächst erleichtert. In Tokio steigen die Aktienkurse, in Frankfurt, London oder Paris auch. An der Börse in Athen legt der ASE-Index um beinahe fünf Prozent zu. Der Euro klettert im asiatischen Handel auf 1,2747 Dollar – und ist damit so teuer wie zuletzt vor einem Monat.

In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Greenback fast zwölf Prozent verloren. Auch zu anderen Währungen, dem japanischen Yen etwa oder der norwegischen Krone, wertete der Euro in dieser Zeit deutlich ab.

So geht es weiter in Griechenland

Unter Zeitdruck

Griechenland muss nach den Parlamentswahlen nun versuchen, eine handlungsfähige Regierung zu bilden. Das Land hat voraussichtlich noch bis Mitte Juli Geld, um Renten und Löhne von Staatsbediensteten zu bezahlen. Auch das Sparprogramm für 2013 und 2014 ist noch nicht mit den Geldgebern geklärt.

Auftrag zur Regierungsbildung

Das Verfahren zur Bildung einer Koalitionsregierung ist definiert im Artikel 37 der griechischen Verfassung. Demnach wird Staatspräsident Karolos Papoulias den Chef der stärksten Partei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, mit den Sondierungen beauftragen. Die konservative Nea Dimokratia bekam bei den Wahlen am 17. Juni 29,66 Prozent und 129 Abgeordnete. Das Mandat gilt für drei Tage.
Scheitern diese Verhandlungen, erhält der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, ein dreitägiges Sondierungsmandat. Er hat aber bereits erklärt, er wolle in der Opposition bleiben. Die Syriza wurde zweitstärkste Kraft - mit 26,89 Prozent und 71 Abgeordneten. Dann wären die Sozialisten als drittstärkste Partei am Zug. Sie bekamen 12,28 Prozent und 33 Abgeordnete.

Gute Chancen für Euro-Befürworter

Konservative und Sozialisten scheinen zu einer Koalition bereit zu sein. Im Gegensatz zu den Wahlen am 6. Mai haben sie diesmal zusammen mit 162 Abgeordneten die nötige Mehrheit im 300-köpfigen Parlament (am 6. Mai 149). Vertreten im Parlament sind auch die rechtsorientierten Populisten der Partei der Unabhängigen Griechen (20 Abgeordnete) sowie die kleinere Partei der Demokratischen Linken (17). An eine Kooperation mit den Rechtsradikalen (18) oder den Kommunisten (12) denkt niemand.

Erneutes Scheitern

Neuwahlen stehen bevor, wenn all diese Sondierungen ohne Ergebnis bleiben. Dann würde der Präsident alle Parteivorsitzenden zu einer letzten Sondierungsrunde zusammenbringen. Dabei würde er ein letztes Mal prüfen, ob eine Koalitionsregierung gebildet werden kann. Sollte auch dies scheitern, wird das eben erst gewählte Parlament aufgelöst, und es werden Neuwahlen binnen 30 Tagen angesetzt. Das Land würde solange von einer Übergangsregierung geführt - voraussichtlich unter Leitung des Präsidenten eines der höchsten Gerichtshöfe.

Die Erleichterung über die Wahlergebnisse währt allerdings nur kurz. Die Aktiengewinne bröckeln im Handelsverlauf, der Preis des Euro auch. Viele Investoren fürchten, dass sich durch die Wahl nichts geändert hat an der Misere am Mittelmeer. „Das Wahlergebnis zeigt ein klares Bekenntnis der Griechen zum Euro“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung. Um mittelfristig ein gutes Umfeld für die Finanzmärkte zu erzielen kommt es darauf an, dass die mögliche Koalition und die europäischen Partner in den anstehenden Verhandlungen in ihren Vorstellungen deutlich annähern.

Ob Griechenland tatsächlich in der Euro-Zone bleibt, ist weiterhin ungewiss. Zwar werde es die Gemeinschaftswährung in fünf Jahren noch geben, sagt Alfred Roelli, Chefanlagestratege bei Pictet. Ob Griechenland dabei ist, sei allerdings alles andere als sicher. Im Gegenteil: Das Risiko, dass Athen den Euro verlässt, bleibe hoch, meint Roelli.

Stimmen zur Griechenland-Wahl

Guido Westerwelle, Außenminister

„Die Reformen müssen jetzt ohne Abstriche weitergeführt werden. Die Vereinbarungen stehen nicht zu Disposition. Europa kann nicht nur an zu wenig, sondern auch an zu viel Solidarität scheitern.“

Mario Monti, italienischer Staatspräsident

„Der Sieg der konservativen Neuen Demokratie ist für die Zukunft Europas und der Eurozone gut. Jetzt müsse aber schnell eine Regierung gebildet werden.“

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

„Der Euro wird überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen. Aber vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören. Die verbliebene Währungsunion wird zu einer Transfer- und Haftungsunion mutiert sein. Wirtschaftlich schwache Länder, die sich mehrheitlich Reformen verweigern, werden auf Kosten wirtschaftlich stärkerer Länder leben.“

Jürgen Pfister, Chefsvolkswirt der BayernLB

„Griechenland muss nach den bisherigen Troika-Plänen weitere Haushaltskürzungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro beschließen. Angesichts dieser Einschnitte ist allerdings nicht gewährleistet, dass der von der Troika vorgezeichnete Weg erfolgreich fortgesetzt werden kann. Mit dem Wahlsieg der Reformbefürworter ist somit zunächst Zeit gewonnen. Eine erneute Umschuldung der Staatsschuld und/oder ein Austritt aus der Währungsunion sind wohl nur durch anhaltende, umfangreiche Transferzahlungen zu verhindern.“

Heino Ruland, Ruland Research

„Dieses Wahlergebnis ist das Worst-Case-Szenario. Denn dadurch wird ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert. Langfristig wird der Euro zu einer Schwach-Währung, weil es Transfer-Zahlungen geben wird. Für die Aktien wäre dies positiv, denn bei einer Abwertung des Euro steigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.“

Jürgen Kurz, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

„Griechenland wird im Euro bleiben. Zum einen wäre ein Ausstieg der Griechen nicht nur für Griechenland eine ökonomische Katastrophe. Zum anderen wäre ein Ausstieg deutlich teurer als der Verbleib der Griechen im Euro. Ich gehe davon aus, dass der Euro aus der aktuellen Krise gestärkt hervorgehen wird. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geburtsfehler der Währung endlich beseitigt werden. Hierzu gehört der Aufbau einer gemeinschaftlichen Wirtschafts- und vor allem Finanzpolitik.“

Michael Reuss, Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen

Griechenland hat im Euro keine Chance zu gesunden. Griechenland braucht ein Ventil um wieder wettbewerbsfähig zu werden und das kann in dem Fall, weil der „Point of no return“ bereits überschritten ist, nur noch eine abwertende Währung sein. Aus unserer Sicht wird Griechenland in den nächsten 12 Monaten aus dem Euro ausscheiden. Den Euro wird es in fünf Jahren noch geben, weil er politisch gewollt ist. Er wird aber ein anderes Gesicht haben. Der Euro wird weniger Teilnehmer haben und tendenziell etwas schwächer sein.

Anita Paluch, Gekko Global Markets

Da sich Griechenland nun einem Verbleib in der Euro-Zone verschrieben hat, atmen die Märkte durch, da das Untergangsszenario abgewendet wurde. So sehr der Wahlausgang auch die Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gedämpft hat, so zurückhaltend ist der Optimismus. Griechenland ist noch nicht über den Berg. Darüber hinaus gibt es neben Griechenland auch noch andere Faktoren, wie die steigenden Finanzierungskosten in Italien und Spanien.

Roger Peeters, Close Brothers Seydler

„In den vergangenen Wochen ist Angela Merkel mehr und mehr zum Feindbild geworden, aber ihr Verlangen nach einer soliden Haushaltspolitik kommt der nächsten Generation in ganz Europa zugute. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass das Wirtschaftswachstum in Südeuropa in Schwung kommt. Mit dem Wahlergebnis in Griechenland ist eine konstruktive Debatte möglich. Die Märkte dürften optimistisch in die neue Woche starten.“

Manfred J.M Neumann, Ökonom und Währungsexperte

„Dass Griechenland im Euro bleibt ist unrealistisch. Ein wirtschaftlicher Aufstieg ist ohne eine Abwertung um etwa 30 Prozent nicht denkbar. Den Euro wird es auch in zwanzig Jahren noch geben. Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das eine oder andere südeuropäische Land ebenfalls den Euro verlassen wird. Das würde den Euro nicht schwächen und wäre auch nicht als Scheitern Europas zu werten. Es würde zu realistischeren und damit stabileren Währungsrelationen in Europa führen.“

Alfred Roelli, Chefanlagestratege Pictet

Das Risiko, dass Griechenland den Euro verlässt, bleibt hoch. Die Chance, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleibt, schätzen wir etwas höher ein als jene eines Austritts. Den Euro wird es auch in fünf Jahren noch geben. Dies allerdings nur, wenn stärker zentralisiert wird und die Überwachung der Mitglieder intensiviert wird. Wir sind weiterhin der Meinung, dass eine vernünftig aufgesetzte Eurobond-Struktur Teil der Lösung sein wird. Leider wird die Diskussion der Euro-Bonds dogmatisch und ideologisch geführt.

Viele Finanzexperten gehen davon aus, dass die neue griechische Regierung, egal wie sie letztlich aussehen wird, sich nicht an die strengen Sparvorgaben der Europäischen Kommission in Brüssel halten wird. „Griechenland dürfte selbst gelockerte Auflagen nicht erfüllen“, prognostiziert Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. „Will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht vollständig verlieren, wird die Staatengemeinschaft irgendwann gezwungen sein, Griechenland den Geldhahn zuzudrehen. Der griechische Staat wäre dann rasch pleite“, meint der Ökonom.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

18.06.2012, 15:09 Uhr

Ich konnte nun Tage keine online Medien nutzen...wenn man das mal wenige Tage mitmacht und dann zusieht bzw. zuhört was Medien über Radio und TV für einen Blödsinn verzapfen + dann noch MErkels Propagandaparolen, da wundert mich nichts mehr....

Es wird so getan als würde GR sich nun auf zu neuen Ufern machen und der Euro sei ein Stück gerettet...Die Märkte zeigen sich schon positiv und WOW der DAX ging um über 1% nach OBEN LOOOOL :D Die allgemeine Masse, wird hier nach Strich und Faden von MEdien und Politik verarscht und betrogen.

Die Wahrheit ist doch....NICHTS ist passiert, jetzt müssen sich wieder ein paar Chaoten in GR zu einer Regierung bilden....es heisst man hätte eine ABSOLUTE Mehrheit...also sorry!!!!

Das ganze Spektakel geht nun weiter wie bereits gehabt mit neuen PArolen, ganz nach dem Motto "Same Shit, different day"! OleOle wir sind weiter.....

Leute, das wird uns knüppeldick um die Ohren fliegen.

DankeStimmtSo

18.06.2012, 15:13 Uhr

Danke „Zecke“ du hast den Tag gerettet. Daumen hoch ich stimme voll zu

Account gelöscht!

18.06.2012, 15:14 Uhr

Nun bleibt es weiter ein korruptes Fass ohne Boden.
Und der seit Jahren anhaltende Albtraum geht in die Verlängerung. Die Hängepartie geht weiter.
Die Griechen wollen nur nehmen und es kommt nie etwas zurück.
Bösarartiges Verhalten, Parasiten sind das. Das Wort kommt übrigens auch aus dem griechischen.

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