Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.09.2014

18:32 Uhr

Euro-Krise

Inflation niedriger, Euro im freien Fall

VonJörg Hackhausen

Die Inflationsrate in der Euro-Zone erreicht den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Es droht eine Deflation. Die EZB wird wohl größere Geschütze auffahren. Die letzten Hemmungen könnten fallen – genauso wie der Euro.

Dax kurzfristig mit dickem Plus

Video: Dax kurzfristig mit dickem Plus

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDiese Zahl ist der deutlichste Beleg dafür, dass wir ein ernstes Problem haben: Die Inflationsrate in der Euro-Zone ist auf 0,3 Prozent gefallen, wie die Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit fast fünf Jahren. Damit sind die Euro-Länder nicht mehr weit von einer gefährlichen Deflation entfernt – einer Phase, in der die Preise fallen, Unternehmen ihre Investitionen einstellen und die Konjunktur einbricht. „Deflation bleibt eine ernste Gefahr“, sagt Ökonomin Jennifer McKeown von Capital Economics.

Die Finanzmärkte reagierten schnell auf die Nachricht: Der Euro fiel am Dienstag erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 1,26 US-Dollar. Investoren fürchten, dass der Euro-Zone eine Dauerkrise droht wie sie Japan seit Jahren durchlebt. Im frühen Handel hatte der Euro noch über der Marke von 1,27 Dollar notiert. Zuletzt erholte er sich ein wenig und wurde am späten Nachmittag mit 1,2630 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,2583 (Montag: 1,2701) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7947 (0,7873) Euro.

Wie aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht, sind vor allem die Energiepreise erneut stark gefallen. Im Jahresvergleich sanken sie im September um 2,4 Prozent. Bis auf die Preise für Dienstleistungen, die um 1,1 Prozent stiegen, blieb nennenswerter Inflationsdruck aus. Die Preise für Nahrungsmittel und Industriegüter erhöhten sich nur geringfügig.

Damit wächst auch der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Erst im vergangenen Monat hatte die Notenbank die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Außerdem pumpte sie Milliarden an billigem Geld in die Wirtschaft. Den Verfall der Preise konnte sie dennoch nicht stoppen. Am Donnerstag dieser Woche treffen sich die Währungshüter in Neapel - sie könnten gezwungen sein, größere Geschütze aufzufahren. Die Notenbank strebt eigentlich eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

So kann die EZB den Euro drücken

Verbale Intervention

Die einfachste Möglichkeit um den Euro zu schwächen, sind Worte. Wenn Draghi spricht, hat das durchaus Gewicht. Zeigt er sich besorgt über den starken Euro, reagiert der Wechselkurs sofort. Allerdings ist die Frage, ob den Worten nicht irgendwann Taten folgen müssen, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Devisenmarktintervention

Die EZB kann auch direkt am Devisenmarkt intervenieren. Sie kann ihre Währungsreserven nutzen und zum Beispiel US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen kaufen. Früher waren Interventionen am Devisenmarkt durchaus üblich. Allerdings haben sie häufig nicht viel gebracht.

Wobei die EZB zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den Währungsmärkten eingriff. In einer gemeinsamen Aktion kauften EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Zielmarken

Die EZB könnte auch ein Wechselkursziel definieren. Ähnliches hat die  Schweizer Notenbank in der Euro-Krise gemacht. Sie legte sich fest: Für einen Euro dürfe nicht weniger als 1,20 Franken gezahlt werden. Der Vorteil eines Zielkorridors liegt darin, dass manchmal allein die Ankündigung ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Eine Intervention ist gar nicht zwingend nötig.

Zinssenkung

Das klassische Mittel der Notenbanken ist der Leitzins. Wenn die EZB ihn senkt, steigt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen. Anlagen außerhalb des Euroraumes werden dadurch attraktiver. Dadurch steigt die Nachfrage nach anderen Währungen wie etwa dem US-Dollar und deren Wechselkurs steigt.

Negativer Einlagenzins

Die EZB verlangt von Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken, eine Strafgebühr. Einerseits will sie die Banken damit zur Kreditvergabe anregen. Andererseits kann das auch dazu führen, dass ein Teil der Guthaben in andere  Währungsräume fließt.

Anleihekäufe

Durch großangelegte Anleihekäufe kann die EZB die Geldmenge im Euroraum erhöhen und die langfristigen Zinsen senken. Dadurch steigt tendenziell die Nachfrage nach anderen Währungen wie dem US-Dollar.

Kapitalverkehrskontrollen

In der Euro-Zone stehen sie nicht zur Debatte. Dennoch sind Kapitalverkehrskontrollen ein mächtiges Mittel, um den Wechselkurs zu beeinflussen. Durch Steuern auf Kapitalimporte oder Exporte und durch Beschränkungen für Kapitaltransfers lässt sich der Kapitalverkehr ins Ausland beschränken.

„Es wird wohl noch länger dauern, bis die Inflation wieder in diesen Bereich zurückkehrt“, sagt Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. „Das rechtfertigt die Aktionen der EZB.“

EZB-Chef Mario Draghi hat bereits mehr als deutlich gemacht, dass er weitere Maßnahmen ergreifen will, um die Gefahr der Deflation in den Griff zu bekommen. Nur wie könnten weitere Maßnahmen aussehen? Die Zentralbank hat schon fast alle Mittel ausgeschöpft.

Kommentare (88)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ralph Fischer

30.09.2014, 12:46 Uhr

Die EZB ist ganz verzweifelt, weil niemand ihr schönes Geld will. Die Zinsen sind historisch niedrig.

Tut denen doch den Gefallen und leiht euch das Geld - für den Strassenbau.

Wenn wir jetzt unsere Strassen und Brücken mit dem billigen Geld reparieren, dann sind die Strassen noch da, wenn der Euro nichts mehr wert ist...

Herr Josef Schmidt

30.09.2014, 12:54 Uhr

Ach was, Idioten die bei diesen Preisen Aktien und Immobilien kaufen gibt es immer wieder. Es geht nur noch aufwärts.

Herr Vittorio Queri

30.09.2014, 12:57 Uhr

>> Eine schwache Währung hilft Krisenstaaten, im internationalen Wettbewerb mitzuhalten, da sie billiger exportieren können. <<

Eine schwache Währung hilft aber Deutschland nicht.

Im Gegenteil. Eine schwache Währung wiederspiegelt nicht die starke Industrieleistung.

Sie stellt die Wirtschaftskraft Deutschlands zu Gunsten der Südländer auf den Kopf.

Wir zahlen weiterhin für die Süd-Ost-europäischen Pleitestaaten ! Mit unserem Wohlstand !

€-sei Dank !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×