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19.05.2015

09:54 Uhr

Euro-Kurs fällt

EZB will Anleihekäufe im Mai und Juni forcieren

Die Europäische Zentralbank will im Mai und Juni ihr Kaufprogramm für Anleihen beschleunigen. Diese Aussage von EZB-Direktor Benoît Cœuré hat den Euro-Kurs am Dienstagmorgen auf Talfahrt geschickt.

Schwacher Euro, starker Dax

Vorzeitige EZB-Anleihenkäufe treiben Dax an

Schwacher Euro, starker Dax: Vorzeitige EZB-Anleihenkäufe treiben Dax an

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FrankfurtDie Aussicht auf verstärkte Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) in den kommenden Wochen hat den Euro am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Er verlor binnen Minuten mehr als ein US-Cent auf 1,1197 Dollar. Parallel dazu ging die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 0,574 Prozent zurück von 0,651 Prozent am Vortag.

Der Bund-Future stieg im Gegenzug um bis zu 126 Ticks auf 154,77 Punkte. Dax und EuroStoxx50 legten ebenfalls zu und notierten jeweils knapp zwei Prozent fester.

EZB-Ratsmitglied Benoit Cœuré hatte angekündigt, einen Teil der für Juli und August geplanten Bond-Käufe auf Mai und Juni vorzuziehen. Der Grund hierfür sei die geringe Marktliquidität während der Sommerferien-Monate. Mit den jüngsten Kursturbulenzen am Anleihemarkt habe dies nichts zu tun, kündigte Cœuré in einer am Dienstag veröffentlichten Rede in London an. Es gehe um eine moderate Erhöhung in den Monaten Mai und Juni. Im Juli und August würden dann entsprechend weniger Papiere gekauft. Dieses Vorgehen solle sicherstellen, dass die EZB ihr durchschnittliches monatliches Kaufvolumen von 60 Milliarden Euro erreichen könne. Im September werde das Volumen dann voraussichtlich wieder hochgefahren.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

„Wenn Markt-Analysten in den kommenden Wochen womöglich ein etwas höheres Ankaufvolumen beobachten, hat dies nichts mit der jüngsten Phase der Marktschwankungen zu tun“, so der Franzose wörtlich. In den vergangenen Wochen hatte ein Ausverkauf bei Anleihen eingesetzt. Dies drückte den Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, binnen weniger Tage auf 151,44 Punkte von zuvor 160,69 Zählern - der größte Kurssturz seiner Geschichte. Cœuré sagte, normalerweise seien Preiskorrekturen am Markt kein Grund zur Sorge. Doch in diesem Fall sei es das Tempo der Preisbewegung, die ihm Sorge bereite.

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Es wird eng für die EZB: Bald dürfte es weniger europäische Staatsanleihen am Markt geben, die sie aufkaufen kann. Erste Stimmen fordern eine Anpassung der Ankaufvolumina. Ein Direktoriumsmitglied hat eine klare Meinung.

Analysten reagierten verhalten auf die Ankündigung. „Das ist keine Änderung der Geldpolitik“, betonte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Es sei nur logisch, in Monaten mit dünnen Umsätzen eher weniger zu kaufen, um die Kursentwicklung nicht über Gebühr zu beeinflussen. Offenbar hätten aber einige Anleger nur „Verstärkung der Anleihekäufe“ gelesen und darauf reagiert. „Das zeigt, wie nervös der Markt ist.“

„Die EZB signalisiert ihre Entschlossenheit, das Anleihekaufprogramm aufrecht zu erhalten und den Prozess vor dem Sommer zu beschleunigen wegen Sorgen über die Liquidität“, so Nick Stamenkovic, Anleihestratege bei RIA Capital Markets in Edinburgh. „Dast stützt europäische Staatsanleihen.“

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Kommentare (1)

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Herr Josef Schmidt

19.05.2015, 12:27 Uhr

Können sie kaufen was sie wollen, funktionieren wird es trotzdem nicht, nur die Fallhöhe bei Immobilien und Börsen wird grösser sein. In den USA nach 6 Jahren und 4 Billionen sieht man dass nach dem Auslaufen des Ankaufprogramms im November die Konjunktur jetzt wieder abschmiert da der Drogensüchtige keinen Schuss mehr bekommt.

USA hat fertig, genauso wie die EU.

Wenn man entdeckt, dass man ein totes Pferd reitet, dann sollte man absteigen. Aber manche haben das anscheinend noch nicht eingesehen.

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