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26.03.2013

17:17 Uhr

Euro leicht im Plus

Markt verdaut die „Büchse der Pandora“

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte die Märkte mit seinen Äußerungen beunruhigt. Entspannung kehrte später wieder wegen Äußerungen aus dem Direktorium der EZB ein. Doch die Sorgen nach der Zypern-Rettung bleiben.

Eine zypriotische Zwei-Euro-Münze dpa

Eine zypriotische Zwei-Euro-Münze

FrankfurtDer Euro hat am Dienstag gegenüber dem Dollar nur geringe Gewinne verzeichnet, nachdem er am Vortag auf ein Vier-Monats-Tief gefallen war. Etwas stützend wirkten Äußerungen von EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré, die Europäische Zentralbank werde den Euro mit allen Mitteln verteidigen. Am Montag hatte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mit Andeutungen, dass die Sanierung des zyprischen Bankensystems als Modell für andere Länder im Euroraum dienen könne, für Verunsicherung gesorgt.

„Der Markt ist eindeutig noch wegen der Äußerungen von gestern besorgt, dass die Situation in Zypern ein Modell für andere Länder ist“, sagte Adam Cole, Devisenstratege bei Royal Bank of Canada in einem Telefoninterview. „Das bringt einige der Extremereignisrisiken zurück, die die EZB so erfolgreich zurückgedrängt hatte.“

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Der Euro notierte zuletzt bei 1,2874 Dollar, knapp 0,2 Prozent über dem Kurs des Vortags. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,2861 (Montag: 1,2935) Dollar festgesetzt.

Der Franken war zum Euro mit 1,2207 Franken je Euro 0,1 Prozent leichter, gegenüber dem Dollar war die Schweizer Währung mit 94,81 Rappen je Dollar kaum verändert. Der Yen gab gegenüber dem Euro um 0,2 Prozent auf 121,27 Yen je Euro nach. Gegenüber dem Dollar war der Yen mit 94,18 Yen je Dollar praktisch unverändert.

Unterdessen ist der Forint trotz Zinssenkung gestiegen: Die Währungshüter hatten die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf das Rekordtief von 5,0 Prozent reduziert. Vereinzelt war allerdings nicht ausgeschlossen worden, die Zentralbank könnte bei der ersten Entscheidung unter Vorsitz ihres neuen Chefs Gyorgy Matolcsy einen radikaleren Schritt von 50 Basispunkten vornehmen. So zog der Forint deutlich an. Für einen Euro mussten am Nachmittag nur noch 303,50 Forint bezahlt werden. Am Vorabend waren es noch 306 Forint.

Analysten hatten im Schnitt mit der Zinssenkung um 25 Basispunkte gerechnet. Doch immer wieder waren Stimmen laut geworden, auch eine Senkung um 50 Basispunkte wäre möglich. "Offenbar hatten viel Anleger doch insgeheim darauf gesetzt", sagte ein Händler in Frankfurt am Nachmittag. Diese hätten nun die Nachricht als Anlass genommen, um ihre Euro-Gewinne mitzunehmen.

In Erwartung auf eine aggressive Lockerungspolitik von Matolcsy – er ist ein überzeugter Anhänger des umstrittenen Ministerpräsidenten Viktor Orban – hat der Forint seit Jahresbeginn schon rund fünf Prozent verloren. Orban wird vorgeworfen, immer mehr Macht an sich zu ziehen. Kritiker sehen die Unabhängigkeit der Zentralbank bedroht. Matolcsy gilt als Befürworter einer extrem lockeren Geldpolitik, um die Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln. Viele Analysten rechnen damit, dass die Notenbank die Zinsen noch bis auf 4,5 Prozent herunterschrauben wird.


Kommentare (2)

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aktionaer

26.03.2013, 10:09 Uhr

hmm, endlich scheint es wohl damit zu klappen, dass die Bankster dafür gerade stehen müssen, was sie angerichtet haben.

Schade, das Land Brandenbur hat ja mal locker 290 Millionen dort in Zypern geparkt. Naja, wen wundert es schon. Wer den Flughafen Berlin so vermasselt, der vermasselt eben auch das Rentengeld seiner Beamten. Evlt. sollte man besser westdeutsche Politiker diese Ost-Länder regieren lassen.

Bis dahin freu ich mich darüber, dass es den Bankstern an den Kragen geht. Ich bin short bei Banken und gerade die nette Commerzbank war bisher immer sehr lieb zu mir.

Hegglin

26.03.2013, 11:33 Uhr

Wer es glaubt wird Selig. Bei der Russischen Mafia hält man den Deckel darauf und bei Italien, ist doch klar das wir bezahlen. Wenn die EZB bei diesem Kurs nicht Interveniert, bin ich der Weihnachtsmann.

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