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26.01.2005

08:16 Uhr

Euro macht gegenüber der US-Valuta kaum Boden gut, auch wenn er einige Teilerfolge erzielt

Der Dollar behauptet sich als Leitwährung der Weltwirtschaft

VonMarietta Kurm-Engels

Hoffnungen, der Euro könnte dem US-Dollar als international führende Währung den Rang ablaufen, scheinen sich nicht zu erfüllen. Nach vielversprechenden Anfangsjahren auf internationalem Parkett tritt der Euro als Emissions- und Reservewährung, als internationale Kreditwährung und an den Devisenmärkten im Wesentlichen auf der Stelle.

HB FRANKFURT/M. Das zeigt die vierte Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) zur internationalen Rolle des Euros. Lediglich als Fakturierungswährung gewann er von Mitte 2003 bis Mitte 2004 nennenswert an Boden.

Erst kürzlich hatte eine Umfrage der Fachpublikation Central Banking die These gestützt, dass der Euro zumindest, was die Währungsreserven angeht, an Gewicht gewinnt. Vor allem viele Zentralbanken in Schwellenländern hätten, so das Ergebnis, den Anteil des Euros an ihren Währungsreserven erhöht. Doch die EZB-Studie zeigt, dass sich trotz dieser Entwicklung an den Gewichtsverhältnissen der Währungen kaum etwas geändert hat. Das Problem ist, dass der Euro zwar in absoluten Werten durchaus Erfolge vorweist. Solange der Dollar aber noch kräftiger zulegt – sei es als Reserve- , Emissions oder Kreditwährung – verbessert der Euro seine relative Position nicht.

Für Manfred Neumann, Notenbank-Experte der Universität Bonn, war es immer „bloße Phantasie“, dass der Euro dem Dollar als Leitwährung den Platz streitig macht: „Dafür müsste der Euro erst einmal eine attraktivere Währung werden. Aber selbst dann würde es noch mindestens hundert Jahre dauern, da sich Zahlungs- und Finanzierungsgewohnheiten nur sehr langsam ändern.“ Auch den Währungsexperten Roland Vaubel von der Uni Mannheim überrascht die neue Entwicklung nicht: „Empirische Untersuchungen zeigen, dass sich die Währung durchsetzt, die preisstabil ist.“ Der Vormarsch des Euros seit seiner Einführung sei eine einmalige Anpassung gewesen. Seither habe sich an der relativen Stabilität der wichtigen Währungen nicht viel geändert. Optimistischer ist Jörg Krämer, designierter Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank. Er erwartet, dass die Bedeutung des Euros zunimmt. Da international tätige Firmen aus dem Ausland ihre Mittelaufnahme diversifizieren und sich deshalb mehr in Euro verschulden, gewänne der Euro an den Anleihemärkten an Gewicht. Zudem dürften, so Krämer, die Zentralbanken im Sinnes eines ausgewogenen Portefeuille den Euro-Anteil an den internationalen Währungsreserven erhöhen: „Der Anteil des Dollars ist immer noch höher als es der Größe der US-Wirtschaft entspricht.“

Bislang allerdings lässt sich dieser Effekt nicht durch Zahlen untermauern. Denn der Euro konnte seine Position als Reservewährung nicht nennenswert verbessern. Er erhöhte zwar seinen Anteil an den globalen Devisenreserven 2003 von 19,3 auf 19,7 Prozent. Die Steigerung entfiel aber überwiegend auf einen Preiseffekt infolge der Wechselkursveränderungen, also der Stärke des Euros. Dagegen baute der Dollar seinen Anteil trotz drastischer Kursverluste von 63,5 auf 63,8 Prozent aus. Der rasche Aufbau von Währungsreserven auf 3 014 Mrd. Dollar zum Jahresende 2003 habe sich in Ländern vollzogen, deren Währungen sich am Dollar orientierten, erklärt die EZB. Das habe sich zum Nachteil des Euros ausgewirkt. Der vom Institute of International Finance berichtete Anstieg der Währungsreserven in den Schwellenländern um 376 Mrd. Dollar in 2004 und die Prognose einer Zunahme um 311 Mrd. Dollar in 2005 deuten auf eine Fortsetzung dieses Trends hin – selbst wenn einige Zentralbanken zugunsten des Euros umschichten. So stieg sein Anteil an den Devisenreserven der Schwellenländer 2003 um einen Prozentpunkt auf 18,9 Prozent. In den Industriestaaten ging er der EZB zufolge aber leicht von 21,3 auf 20,9 Prozent zurück, während der Dollar hier von 69,1 auf 70,8 Prozent zulegte.

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