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15.04.2011

15:30 Uhr

Euro unter Druck

Neue Spekulation um Griechenland-Pleite

Die Spekulationen um eine Umschuldung Griechenlands erhalten neue Nahrung. Grund dafür sind Aussagen eines deutschen Staatssekretärs. Der Euro gerät daraufhin unter Druck.

Das Moody's-Rating für Irland hat den Aufstieg des Euros gebremst. Quelle: dpa

Das Moody's-Rating für Irland hat den Aufstieg des Euros gebremst.

FrankfurtAussagen des deutschen Außenstaatssekretärs Werner Hoyer haben am Freitagmittag Spekulationen um eine Umschuldung Griechenlands neue Nahrung gegeben. Der Euro fiel daraufhin auf ein Tagestief von 1,4406 Dollar. Hoyer sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg, es sei offen, ob bisherige Maßnahmen Griechenlands ausreichend seien. Eine Umschuldung des Landes „wäre keine Katastrophe“. Der Renditeaufschlag für zehnjährige griechische Staatsanleihen zur Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit erreichte ein Rekordhoch von 1036,9 Basispunkten.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Nach Einschätzung von Währungsstratege Paul Robson von RBS Global Banking bleibt die Lage in den hoch verschuldeten Staaten der Eurozone ein Risiko für die Gemeinschaftswährung. "Solange sich aber die Spekulationen über eine Rekapitalisierung der spanischen Banken und eine Restrukturierung der griechischen Schulden nicht zuspitzen, sollte der Euro von den Zinsdifferenzen unterstützt werden."

Die Ratingagentur Moody's senkte am Freitag den Daumen über der Bonitätseinschätzung des bereits unter den europäischen Rettungsschirm geflohenen Irland und nahm ihre Einschätzung auf "Baa3" von bislang "Baa1" zurück. Damit setzte sich eine Reihe von Herabstufungen fort. Einige Anleger hätten das zum Anlass für Gewinnmitnahmen genommen, sagte Klaus Gölitz, Leiter des Devisen-Eigenhandels von MM Warburg. "Letztlich hält sich der Euro aber in seiner jüngsten Handelsspanne, der Zinsvorteil gegenüber dem Dollar spricht aber dafür, dass er weiter steigt." Während die Europäische Zentralbank (EZB) vergangene Woche die Zinswende einleitete, rechnen Experten für deren US-Pendant Fed in den nächsten Monaten nicht mit einem entsprechenden Schritt.

Die Erwartung steigender Zinsen in der Euro-Zone wurde laut Händlern von neuen Inflationsdaten untermauert. Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone stiegen im März um 2,7 Prozent und damit stärker als Analysten prognostiziert hatten.

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio sagte, der Inflationsdruck sei ein Grund zur Sorge. Stabile Preise sieht die EZB mittelfristig bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Am Rentenmarkt standen Irland und Griechenland im Fokus, nachdem sich die fünfjährigen Kreditausfallversicherungen (CDS) - ein Maßstab für das Misstrauen des Marktes - weiter verteuerten. Griechenland hatte angekündigt, mit Privatisierungen und weiteren Einsparungen eine Umschuldung zu vermeiden. Nach Ostern sollen die Reformen konkretisiert werden.

Die Kreditderivate zur Absicherung eines fünf Jahre laufenden Kredites an Griechenland verteuerten sich laut dem Datenanbieter Markit um 15 auf 1105 Basispunkte. Die irischen fünfjährigen CDS kletterten um zehn auf 555 Basispunkte.

Von

rtr

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