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24.10.2014

06:51 Uhr

Euro vor dem Verfall

Der Dollar schlägt sie alle

Der Dollar hat in diesem Jahr bereits zugelegt. Doch Zentralbanken und Investoren stocken ihre Dollarbestände weiter auf und befeuern damit die schon laufende Rally. Experten sagen: Der Dollar ist noch billig.

Dollar- und Yen-Scheine liegen nebeneinander: Der Dollar profitiert von der lockeren Geldpolitik in Japan und Europa – und das ist erst der Anfang, sagen Experten. Reuters

Dollar- und Yen-Scheine liegen nebeneinander: Der Dollar profitiert von der lockeren Geldpolitik in Japan und Europa – und das ist erst der Anfang, sagen Experten.

New YorkJahrelang haben US-Fondsmanager die Strategie verfolgt, vom Dollar weg zu diversifizieren. Jetzt dreht sich der Trend. Das lässt mehr und mehr Devisenstrategen daran glauben, dass die Rally, die den Dollar bereits auf ein Vierjahreshoch geführt hat, erst an ihrem Anfang steht.

Investoren mit Sitz in den USA halten 19,3 Prozent von ihren 35,8 Billionen Dollar an Aktien in ausländischen Papieren, wie von der UBS erfasste Daten der US-Notenbank Federal Reserve bis Juni zeigen. Das ist ein Rückgang gegenüber dem Höchststand von 21,1 Prozent im Jahr 2009. Investitionen in Anleihen ohne US-Staatsanleihen lagen bei 11,4 Milliarden Dollar, wovon 20,9 Prozent in ausländischen Papieren angelegt sind. 2003 waren es noch 8,3 Prozent.

„Diese Fakten, plus die Tatsache, dass das relative Wachstum in den USA besser ist und der Umstand, dass die Landeswährung immer noch billig ist, deuten zusammengenommen auf einen weiteren Anstieg des Dollar hin“, sagte Geoffrey Yu, leitender Devisenstratege bei der UBS in London, in einem Interview.

Die amerikanische Währung wurde für den Großteil des Jahres gestützt von der Aussicht auf höhere Zinsen in den USA sowie auf eine divergierende Geldpolitik zwischen der Fed einerseits und den Notenbanken in Europa und Japan andererseits. In jüngster Zeit war der Dollar als sicherer Hafen gefragt – angesichts von Anzeichen einer Abschwächung der Weltwirtschaft, der Ausbreitung von Ebola, dem Konflikt in der Ukraine und den Straßenprotesten in Hongkong.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Der Greenback hat in diesem Jahr gegen die 16 meistgehandelten Währungen zugelegt. Seit Juni hat die Rally zusehends an Fahrt gewonnen. Angesichts der schwachen europäischen Wirtschaft ist der Dollar gegenüber dem Euro im Oktober bei 1,2501 Dollar zeitweise auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren geklettert.

„Das ist eindeutig eine Bewegung aus dem Euro in den Dollar“, sagte Ian Stannard, Leiter für Europäische Devisenstrategie bei Morgan Stanley in London in einem Interview. „Ein breiter Portfoliofluss über einen längeren Zeitraum war eine der treibenden Kräfte hinter der Aufwärtsbewegung des Euro und die Abwärtsbewegung des Dollar - und jetzt fängt der Trend an, sich umzukehren.“

Kommentare (2)

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Herr Tom Schmidt

24.10.2014, 10:55 Uhr

Wie war das mit dem Contra-Indikator Börsenerwartung?

Herr Peter Spiegel

24.10.2014, 11:07 Uhr

Auf Anweisung von oben, wird jetzt der Euro nach unten gedrückt. Mal sehen ob die Amis das auch mitmachen.

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