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19.11.2015

06:23 Uhr

Euro-Wechselkurs

Der gute Riecher von Goldman Sachs

VonAndrea Cünnen

Seit mehr als einem Jahr sagt die US-Bank die Parität vom Euro zum Dollar voraus – und galt mit dieser Position lange als wagemutig. Doch Goldman könnte schon bald Recht bekommen.

Experten erwarten, dass die US-Währung weiter aufwertet. AFP

Euro-Münze und Dollar-Noten

Experten erwarten, dass die US-Währung weiter aufwertet.

FrankfurtDevisenanalysten tun sich üblicherweise schwer mit Prognosen. In der Regel sagen sie speziell für das Verhältnis von Euro zu Dollar auf Sicht von einem oder einem halben Jahr stets Kurse voraus, die sich eng am aktuellen Stand des Währungspaares orientieren. Nicht so Robin Brooks. Der Chef-Währungsstratege der US-Bank Goldman Sachs prognostizierte schon im September vergangenen Jahres, dass im Jahr 2017 der Euro zum Dollar die Parität erreichen, also genau einen Dollar kosten könnte. Damals kostete ein Euro 1,31 Dollar. Kurze Zeit später erwartete auch die Deutsche Bank die Euro-Dollar-Parität für Ende 2017.

Im Handelsblatt-Interview legte Goldman-Chefvolkswirt Jan Hatzius im April dieses Jahres nach: Schon im Jahr 2015 werde es soweit sein. Jetzt sieht es so aus als ob Brooks, Hatzius und die Deutsche Bank früher bald Recht bekommen. Der Euro ist in dieser Woche auf nur noch gut 1,06 Dollar gefallen. Im August hatte er noch bei über 1,17 Dollar gestanden, seither geht es erneut abwärts.

Und deshalb legt Goldman-Stratege Brooks jetzt noch einen drauf und konkretisiert seine Prognose so deutlich wie kein anderer Währungsanalyst: Am 3. Dezember dürfte der Euro um weitere ein bis zwei Cent sinken und anschließend um weitere zwei Cent fallen, so Brooks in einer aktuellen Analyse. Bis zum Jahresende werde der Euro dann die Parität zum Dollar erreichen. Damit würde der Euro dann so wenig kosten wie zuletzt im Dezember 2002.

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

Das genaue Datum, das Brooks für einen weiteren Euro-Rutsch nennt, ist alles andere als aus der Luft gegriffen. Am 3. Dezember steht schließlich die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Und für diese hat EZB-Chef Mario Draghi schon vor einem Monat mehr oder weniger unverhohlen weitere entscheidende Schritte im Kampf der Notenbank gegen die sinkende Inflationsdynamik angekündigt. Die EZB werde im Dezember, wenn sie neue Wachstums- und Inflationsprognosen vorlegt, überprüfen, ob die Geldpolitik nicht noch expansiver werden muss. Dabei könne kein geldpolitisches Instrument ausgeschlossen werden, betonte Draghi.

Goldman-Sachs-Chefvolkswirt: „Die Euro-Dollar-Parität wird 2015 erreicht“

Goldman-Sachs-Chefvolkswirt

„Die Euro-Dollar-Parität wird 2015 erreicht“

Der Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius, erwartet eine weitere Abwertung des Euro. Im Handelsblatt kritisiert er Europas Sparpolitik und warnt vor dem Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion.

Analysten und Investoren werten das als klaren Hinweis darauf, dass die EZB bei der Lockerung der Geldpolitik noch einmal nachlegen wird. Im Gespräch sind eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den September 2016 hinaus und beziehungsweise oder eine Erhöhung der monatlichen Kaufvolumina von aktuell 60 Milliarden Euro im Monat. Selbst eine mögliche Senkung des jetzt schon mit minus 0,2 Prozent negativen Einlagenzinssatzes, zu dem Banken bei der EZB kurzfristig Geld parken können, erwähnte Draghi explizit. Die Erwartung der Investoren auf diese noch lockerere Geldpolitik der EZB ist es, die den Euro in den vergangenen vier Wochen noch einmal deutlich um sieben Cent zum Dollar gedrückt hat.

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