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19.09.2012

16:49 Uhr

Euro-Wetten

Hedge-Fonds haben sich am Euro die Finger verbrannt

VonElisabeth Atzler, Thomas Jahn, Michael Maisch

So einige Hedge-Fonds haben es sich nicht nehmen lassen, gegen den Euro zu spekulieren. Doch sie lagen daneben – und der Anstieg der Einheitswährung hat sie eiskalt erwischt. Sie mussten ihre Positionen schließen.

Mit Wetten gegen den Euro haben sich jüngst einige Investoren die Finger verbrannt. Reuters

Mit Wetten gegen den Euro haben sich jüngst einige Investoren die Finger verbrannt.

Frankfurt/New YorkDie jüngste Euro-Rally hat viele Investoren gezwungen, ihre Wetten gegen die Einheitswährung aufzugeben. Darunter befinden sich zahlreiche Hedge-Fonds. "Gegen den Euro haben viele Hedge-Fonds spekuliert", sagt Jacob Schmidt, Chef des Londoner Branchenberaters Schmidt Research Partners. "Einige Fonds haben sich dabei die Finger verbrannt und mussten ihre Positionen jetzt schließen."

Zwar können Hedge-Fonds den riesigen Devisenmarkt kaum beeinflussen. Hedge-Fonds verwalten rund 2,1 Billionen Dollar und erhöhen ihren Einsatz oftmals über Kredite. Gemessen am Volumen des Devisenmarkts ist das aber zu wenig, um Währungen wie den Euro vor sich her zu treiben: Dort gehen allein täglich rund 3,1 Billionen Dollar um - zudem engagiert sich nur ein Teil der Hedge-Fonds am Devisenmarkt. Dennoch sind Währungswetten an dem hochliquiden Markt beliebt.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Auch Jon Stein, Devisenchef beim Vermögensverwalter Parker Global, hat beobachtet, dass Anleger wie Hedge-Fonds rasch umsteuern mussten: "Viele Geldmanager wurden kalt erwischt", sagt er. Bereits im August fiel der Währungsindex Parker Global Currency Managers, der die Wertentwicklung von einem Dutzend Währungsfonds aufzeigt, um 0,9 Prozent. Laut Stein schwenkten alle Fonds im Index zuletzt auf einen Euro-Anstieg um. Davor hatten sie ab Mai verstärkt auf einen Verfall des Euros gesetzt.

Renditeangaben von Hedge Fund Research deuten ebenfalls darauf hin, dass viele Hedge-Fonds mit Währungswetten daneben lagen: Sogenannte Macro-Fonds kamen von Januar bis August nur auf ein Plus von einem Prozent, während die Branche im Schnitt 3,5 Prozent zulegte. Macro-Fonds versuchen, Trends auf vielen Märkten auszuspüren und zeitig entsprechend zu investieren. Werner Goricki, Vorstand beim Frankfurter Berater Prime Capital, meint, dass vor allem Trendfolgefonds betroffen seien. Deren computergesteuerte Investments haben Probleme, wenn ein Trend kurzfristig bricht.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Riesenwetten - so wie der einstige Hedge-Fonds-Star George Soros 1992 gegen das britische Pfund spekulierte - gibt es laut Branchenkennern heute nicht mehr. "Große pauschale Wetten gegen den Euro sind selten geworden", sagt ein Dachfondsmanager. Zudem nähmen viele Hedge-Fonds die Äußerung Mario Draghis, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Ende Juli ernst. Draghi hatte gesagt, dass die EZB bereit sei, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. Hedge-Fonds seien vorsichtiger geworden, sagt auch Berater Schmidt. "Kein Fonds hält längere Verlustphasen mehr durch. Die Investoren üben Druck aus: Sie wollen keine aggressiven, großen Einsätze mehr."

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

19.09.2012, 17:12 Uhr

sehr gut!

Account gelöscht!

19.09.2012, 17:26 Uhr

Wirklich ein sehr ausführlicher Kommentar...

Account gelöscht!

19.09.2012, 17:28 Uhr


Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, Wetten gegen die die Hedge Fonds verwaltenden Institutionen anzubieten? Vielleicht würde das endlich mal das "Gesindel" zur Vernunft bringen ...

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