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25.08.2015

11:27 Uhr

Euro

Zockerwährung oder sicherer Hafen?

VonJürgen Röder

Da haben sich mal wieder alle geirrt: Der Euro-Kurs sinkt nicht, er klettert nach oben. Der plötzliche Anstieg der Gemeinschaftswährung setzt sogar die EZB unter Druck. Doch wird der Euro weiter so hart bleiben?

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DüsseldorfEs liest sich wie eine Prognose aus ferner Zeit: Noch im April dieses Jahres rechneten Experten wie der Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius, fest damit, dass die Euro-Dollar-Parität bereits 2015 erreicht wird. Auch Andrew Bosomworth, Ökonom bei der Allianz-Tochter Pimco, hielt im Juni einen Wechselkurs Euro/Dollar im Verhältnis 1:1 noch dieses Jahr für möglich.

Deren Begründung damals: Die Unterschiede in der Geldpolitik zwischen den USA und dem Euro-Raum würden den Greenback stärken. Die US-Notenbank Fed dürfte bereits im September die Zinswende einläuten. Dagegen hält die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldschleusen weiter offen. Sie pumpt über das sogenannte Quantitative Easing (QE) monatlich rund 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. Ähnlich argumentierte auch Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, der im Juli eine Euro-Dollar-Parität bis zum Jahresende prophezeite.

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Doch von einer Euro-Weichwährung ist nichts zu sehen. Im Gegenteil. Am gestrigen Montag, als die Aktienmärkte in den Crashmodus wechselten, stieg der Euro mit 1,17 US-Dollar auf ein neues Sechsmonatshoch. Gegenüber dem im März erreichten Zwölfjahrestief hat die Gemeinschaftswährung zwölf Prozent zugelegt. Eine solche Entwicklung hatten weder die EZB noch die meisten Devisenstrategen auf der Rechnung. Was vor einigen Wochen noch völlig abwegig erschien, ist wahr geworden: Die Gemeinschaftswährung bietet in turbulenten Zeiten Schutz.

Der Euro hat in den vergangenen vier Wochen gegenüber einem Korb von Industrieländer-Währungen über vier Prozent an Wert gewonnen. Eine stärkere Entwicklung hat keine andere Devise vorzuweisen. Ob Dollar, Yen, Schweizer Franken oder Pfund Sterling - keine andere Währung hat gegen so viele der wichtigsten Devisen aufgewertet.

Diese Rally erschwert aber auch die Bemühungen der EZB zur Belebung der Konjunktur. Denn ein stärkerer Wechselkurs kann die Exporte belasten und die Inflation verlangsamen. „Geld auf der Suche nach einem sicheren Hafen ist überwiegend in den Euro geflossen, was ich für frappierend halte," sagte Thu Lan Nguyen, Strategin bei der Commerzbank. „Die EZB wird nicht tatenlos zusehen und dürfte versuchen, die Währung verbal zu schwächen - denn das ist ihr wichtigstes Instrument, um für Inflation zu sorgen.“

Kommentare (9)

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Herr Jens Müller

25.08.2015, 12:15 Uhr

Bildlich gesprochen:
Wenn alle in Treibsand versinken bleibt der, der am wenigsten schnell sinkt trotzdem nicht oben. Er scheint nur relativ die besten Chancen zu haben.

Herr x y

25.08.2015, 12:24 Uhr

Wer ein Wasserbett hat, der weiß Bescheid. Wenn einer sich ins Bett wirft, wird der andere rauskatapultiert. ;))

Herr Tom Schmidt

25.08.2015, 12:25 Uhr

Die Frage ist doch, wenn jetzt plötzlich der Dollar nicht mehr der sichere Hafen ist, woran das liegt. Bisher schien das Gespann USA-China mit ihren Verbindungen ja wie das Wachstumsmodell schlechthin.

Jetzt wackelt China und die Frage ist, wieviel der USA-Wirtschaftsleistung damit eng verbunden ist. Ausserdem kracht es ja auch in den ganzen Schwellen- 3.Weltländern (auch alles potentielle Wachstumsmärkte aus Sicht der Finanzindustrie), einen Überblick darüber bekommt man durch die Medien aber nicht wirklich.

Von da her, kann es sein, dass der sichere Hafen (begrenztes Geld-drucken) im Zweifelsfall nur noch im Euro besteht, so lange die Deutschen das bremsen wie sie es nur hinbekommen (auch wenn Draghi dagegen vorgeht wie er kann).

Auch die Frage wie China die Stützung seiner Märkte finanziert, ist in dem Zusammenhang wichtig, verkaufen die Dollar oder Euro (oder bald anders herum?)

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