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05.01.2006

12:47 Uhr

Experten erwarten Kursanstieg

Euro-Aspiranten locken die Anleger

VonReinold Vetter

Die Währungen der neuen EU-Staaten in Zentraleuropa versprechen für dieses Jahr erhebliches Kurspotenzial. „Eine freundliche Tendenz des polnischen Zloty gegenüber dem Euro sollte besonders stark im ersten Halbjahr ausgeprägt sein“, sagt Harwig Wild von Metzler Financial Markets.

WARSCHAU. Ähnlich wie die Analysten der Deutschen Bank erwartet Wild auch eine Aufwertung der tschechischen und der slowakischen Krone. Alle drei Währungen hatten bereits in den letzten Wochen neue Höchststände erreicht.

Der slowakischen Krone half besonders der Beitritt des Landes zum europäischen Wechselkursmechanismus II im November. Der Zloty wurde nicht zuletzt durch die Konvertierung polnischer Fremdwährungserlöse aus Anleihenemissionen auf dem Eurobondmarkt gestützt.

Aus der Reihe tanzt allerdings der ungarische Forint. „Sowohl der Forint als auch die Anleihenrenditen können 2006 weiter unter Druck geraten“, prognostiziert die Deutsche Bank. Der ungarischen Währung könnte vor allem die absehbare Verschärfung des „Zwillingsdefizits“ gefährlich werden. So wird sich das Defizit im Staatshaushalt in diesem Jahr auf mindestens acht Prozent erhöhen. Das Defizit in der Leistungsbilanz wird auf dem Niveau von acht bis neun Prozent bleiben. Deshalb hat die Agentur Fitch das Länder-Rating für Ungarn von „A-„ auf „BBB+“ gesenkt. Im Vorfeld der Wahlen 2006 ist nicht zu erwarten, dass die sozialliberale Regierung in Budapest ihre unsolide Finanzpolitik korrigieren wird.

Dabei verfügt Ungarn ähnliche wie die anderen zentraleuropäischen Staaten über gute wirtschaftliche Voraussetzungen. In allen vier Ländern wird sich das hohe Wirtschaftswachstum zwischen vier und sechs Prozent fortsetzen. Die Inflation ist überall weitgehend unter Kontrolle, was die Gefahr von Kapitalmarktkrisen einschließlich Währungsturbulenzen mindert. Die Produkte dieser Länder werden zunehmend konkurrenzfähig auf westlichen Märkten, der starke Zufluss ausländischer Direktinvestitionen hält an. Ebenso fließen verstärkt EU-Hilfsmittel nach Zentraleuropa. All das sind Faktoren, die auch zur Stärkung der Währungen beitragen.

Aber nicht nur in Ungarn lauern Gefahrenquellen, die die Währungsstabilität bedrohen können. Auch in der Tschechischen Republik und in der Slowakei stehen 2006 Wahlen an. Bekanntlich sind Regierungsparteien im Vorfeld von Wahlen immer bereit, Wahlgeschenke zu verteilen, um ihre Chancen bei den Wählern zu erhöhen. Siegreiche Parteien gehen nach den Wahlen als erstes daran, teure Wahlversprechen einzulösen. All das sorgt für unsolides staatliches Finanzgebaren. Neben Ungarn hat auch die Slowakei weiterhin mit einem hohen Defizit in der Leistungsbilanz zu kämpfen.

Die Analysen der WestLB und andere Experten gehen davon aus, dass Ungarn wohl erst in den Jahren 2012/13 der Euro-Zone beitreten wird. Auch in Polen dürfte sich die bisher für 2009/2010 anvisierte Übernahme des Euros weiter nach hinten verschieben, weil die neue nationalkonservative Regierung wenig Interesse daran hat. Auch Tschechien legt keine große Eile an den Tag und geht von frühestens 2010 aus. Musterknabe dagegen ist die Slowakei. Nach ihrem Beitritt zum EWS II peilt sie die Übernahme des Euros am 1.1.2009 an.

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