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19.04.2012

10:50 Uhr

Experten-Streit

Was aus dem Euro wird

Die Experten streiten über die Zukunft des Euros. Während einer das Auseinanderbrechen prophezeit, glaubt ein anderer, Europa gehe gestärkt aus der Krise hervor. Nur in einem Punkt sind die Experten einig.

Spanien in der Klemme: Für das angeschlagene Euroland wird es immer teurer, Kapital aufzunehmen. dpa

Spanien in der Klemme: Für das angeschlagene Euroland wird es immer teurer, Kapital aufzunehmen.

Kaum eine Frage ist unter Anlagestrategen so umstritten: Was wird aus dem Euro? Wie weit die Meinungen auseinandergehen zeigen zwei fast zeitgleich veröffentlichte Kommentare hochrangiger Experten.

Da wäre zum einen Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco. Er geht davon aus, dass die Euro-Staaten die Schuldenkrise überwinden und gestärkt daraus hervorgehen werden. „Die gestärkte Euro-Zone ist wahrscheinlicher als eine fragmentierte“, sagte Pimco-Chef der Financial Times. Voraussetzung sei jedoch, dass die Politik ihre Erstarrung überwinde und handele. Die Notenbanken hätten mit ihren Maßnahmen Brücken gebaut. „Aber diese muss die Politik nun nutzen, sonst enden sie im Nirgendwo“, sagte El-Erian. Er schlug eine europäische Solidaritätsabgabe nach deutschem Vorbild vor.

Zu einer komplett anderen Einschätzung kommt Mark Burgess, Leiter Anlagestrategie bei Threadneedle Investments. Seiner Meinung nach wird die Euro-Zone auseinanderfallen. „Unser Szenario in der Endphase geht von einer Reihe von Austritten aus“, sagte Mark Burgess, Leiter Anlagestrategie bei Threadneedle, bei einer Pressekonferenz in London.

Griechenland werde bereits im kommenden Jahr die Euro-Zone verlassen. Mehr Staaten dürften folgen, weil die von Deutschland „diktierten“ Sparhaushalte sich als zu rigoros in der Umsetzung erweisen würden.

„Griechenland hat zwei Alternativen. Die eine ist furchtbar und läuft darauf hinaus, die Vorgaben aus Deutschland zu befolgen. Oder: Es ist furchtbar und wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand“, sagte Burgess. „Ich glaube, sie werden sich für Letzteres entscheiden“

Das Ausscheiden Griechenlands sei zwar noch nicht das Ende der Gemeinschaftswährung. Sollten aber Italien oder Spanien austreten, dann wäre der Euro zum Scheitern verurteilt, führte Burgess aus.

So weit wird es nach Meinung von El-Erian nicht kommen. Staaten wie Italien und Spanien hätten kein ernstes Solvenzproblem wie etwa das kleinere Griechenland. Allerdings räumt der Pimco-Chef ein, dass beide Staaten ein Wachstumsproblem hätten, das sie in den Griff bekommen müssen.

Zweifel an der Standhaftigkeit Frankreichs teilt Pimco nicht. „Wir glauben nicht, dass Frankreich ins Zentrum der Euro-Krise rutscht“, sagte El-Erian. Länder wie Frankreich hätten keine akuten Probleme, sollten über die Zeit aber Strukturreformen angehen, die Länder wie Deutschland bereits hinter sich hätten. „Dafür haben sie aber noch Zeit.“

Spielt El-Erian die Krise herunter? Malt Burgess zu schwarz? Welcher der beiden Experten die besseren Argumenten hat, wird sich erst im Nachhinein sagen lassen. In einem Punkt sind die Experten allerdings einig: Die Euro-Zone steht am Scheideweg – und die Zukunft wird sich in Spanien und Italien entscheiden.

Kommentare (14)

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Daemlak

19.04.2012, 11:15 Uhr

Pimco hat zu viele Staatsanleihen aus der Eurozone. Deshalb trommeln die für die Transferunion und den Eurosoli. Das wird politisch in Deutschland auf Dauer nicht möglich sein. Da wird das Volk nicht mitmachen!
Insofern ist der Euro zum Scheitern verurteilt: Ein überhebliches, größenwahnsinniges "politische Projekt" fliegt gerade in die Luft. Und mit ihm der deutsche Wohlstand, denn ohne deutschem(!) Staatsbankrott kommt Deutschland nicht mehr aus diesem Sumpf raus. Diejenigen, die etwas zu verlieren haben, wissen es längst. Die anderen dämmern bei DSDS und ähnlichen kulturellen Highlights, oder flachdummen Talksshows im Staatsfunk blödsinnig dahin. Die Willensfanatiker trommeln weiterhin für dieses Projekt und rufen nach den Wunderwaffen. Die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten.

Politikverdrossen

19.04.2012, 11:29 Uhr

Pimco und Threadneedle sind sich offenbar einig, dass dass der Euro nur über inflationäre Geldpolitik der EZB, gigantische Transfers und durch Wachstum in den PIIGS (woher auch immer) gerettet werden kann.

Dann gehen die Einschätzungen aber auseinander: Pimco glaubt die EZB und die Deutsche Politik werden völlig kapitulieren, Thradneedle glaubt, der Widerstand der Bevölkerung (wohlgemerkt in Griechenland, nicht in Dtl.!) wird zu groß.

Wie dem auch sei: der Euro war ein Fehler, seine Rettung war ein Fehler, und die weiteren Rettungsversuche werden ganz Europa noch erheblichen Wohlstand kosten. Und: So gut wie das EWS wird der Euro niemals funktionieren. Brief & Siegel!

JayJay

19.04.2012, 11:32 Uhr

Daran liegts, die sitzen auf jede Menge PIIGS-Anleihen, nachdem sie komplett aus den amerikanischen Schrottanleihen letztes jahr ausgestiegen sind. Das man dann alles schön redet ist, wie bei normalen Börsenzockern normal, die reden auch ihre Verluste immer schön, nur um sich nicht zuzugeben das man falsch liegt.

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