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22.01.2013

20:44 Uhr

Expertenumfrage

Palladium ist das neue Gold

Nach Ansicht von Experten wird sich Palladium stärker verteuern als etwa Gold. Dazu sollen vor allem Streiks in Südafrika und die Nachfrage aus der Industrie beitragen. Langfristig dürfte das Edelmetall knapp werden.

Feinpalladiumbarren: Unter anderem die Nachfrage von Autoherstellern treibt den Preis. Werkfoto

Feinpalladiumbarren: Unter anderem die Nachfrage von Autoherstellern treibt den Preis.

Der Preis für Palladium wird in diesem Jahr Experten zufolge kräftiger zulegen als der Gold- oder Platinpreis und Rekordwerte erreichen. Vor allem die erwarteten Lieferengpässe wegen Streiks in Südafrika und die anziehende Weltkonjunktur dürften den Wert des in der Industrie verwendeten Edelmetalls steigern.

Im Jahresdurchschnitt rechnen 37 Analysten, Händler und Fondsmanager für 2013 mit einem Palladiumpreis von 745 Dollar pro Feinunze, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Reuters-Umfrage hervorgeht. Das wären 16 Prozent mehr als der Durchschnittspreis von 641 Dollar pro Feinunze vom vergangenen Jahr und läge noch über dem bisherigen Rekordwert von 730 Dollar im Jahr 2011.

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Für 2014 rechnen die Experten sogar mit einem Anstieg auf durchschnittlich 820 Dollar pro Feinunze. Im Schlussquartal 2012 trieb vor allem die Erwartung einer starken Nachfrage von Autoherstellern aus den USA und China den Preis für Palladium so stark in die Höhe wie seit zwei Jahren nicht mehr. Palladium wird unter anderem in Katalysatoren verbaut.

Preistreibend dürften sich zudem auswirken, dass Russland weniger Palladium anbieten werde sowie befürchtete Streiks von südafrikanischen Bergwerksarbeitern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Palladium-Versorgung langfristig knapp werde, sei sehr hoch, sagte Analyst Daniel Brebner von der Deutschen Bank.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Beim Platinpreis rechnen die Befragten 2013 mit einem Durchschnittspreis von 1700 Dollar pro Feinunze - ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Schnitt von 2012. Platin wird stärker in Dieselmotoren verwendet, deren Absatz unter der Autokrise in Europa leiden dürfte.

Für Gold rechnen die 37 Experten mit einem durchschnittlichen Preis von 1775 Dollar je Feinunze, ein Plus von 6,4 Prozent im Vergleich zum Durchschnittswert 2012. Die Befragten erwarten 2014 einen wenig veränderten Preis von 1780 Dollar pro Feinunze.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Rechner

22.01.2013, 21:19 Uhr

Sowohl bei Palladium wie auch bei Platin ist das Verhältnis zwischen gehorteten Beständen und tatsächlichem Verbrauch wesentlich günstiger als bei Gold.

Wer also unbedingt meint aus Gründen der "Versicherung", des "Werterhalts" oder welcher Rationalisierung auch immer ertraglose Anlageklassen zu seinem Portfolio hinzufügen zu müssen sollte Palladium oder Platin wählen, und nicht Gold.

Account gelöscht!

22.01.2013, 22:15 Uhr

ich denke, dass man PGMs garnicht mit Gold vergleichen kann, weil PGMs vor allem Industriewerkstoffe sind, und folglich sehr konjunkturabhängig.

Eigentlich sind PGMs schon faszinierend: Man muss am meisten Erdmasse umbundeln (Abraum), es gibt nur wenige nennenswerte Orte wo PGMs vorkommen (z.B. Bushveld, Norilsk, Montana/Ontario), und bei heutigen Technologiestand sind wir richtig abhängig davon.

PGMs sind eher eine Wette auf die Automobilabsatz, bzw. einen weltweiten Konjunkturaufschwung (inkl. anderer kapitalintensiven Sachen), oder auch ein Lieferengpass bei den 2 1/2 Fördergebieten (z.B. die Russen irgendetwas vergurken, Südafrika streikt, Eskom mal wieder einen Stromausfall verursacht,...)

Gold ist einfach nur eine (allgemein/weltweit akzeptierte) Ersatzwährung bzw. wer mit Inflation rechnet.

Account gelöscht!

23.01.2013, 00:05 Uhr

Rechner, genau das ist der Vorteil, dass Gold eben nicht "gebraucht" und verbraucht wird. Damit ist es nicht Konjunkturabhängig. Schauen Sie an, was das Platin bei Beginn der Krise gemacht hat. Es ist (!im Verhältnis zum Gold!) deutlich zurück geblieben. Gold ist ein Geldmetall. Ich weiß, das verstehen Sie nicht, weil Sie keine Ahnung über die 7000 Jahre alte Geschichte vom Gold haben. Haben Sie ja schon öfters durchblicken lassen. Fazit: Gerade Goldinvestoren freuen sich, dass Gold eben kein Industriemetall ist. Sie haben keine Ahnung, wollen aber mitreden. Tipp: Nutzen Sie Ihren Rechner auf dem Kopf, schalten Sie ihn ein und fangen erst mal an Literatur darüber zu lesen.

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