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23.01.2015

13:40 Uhr

EZB-Entscheid drückt Kurs

Euro auf dem Weg zur Dollar-Parität

Die Geldflut der EZB drückt den Euro rasant in den Keller. Die Gemeinschaftswährung fällt am Freitag kurzzeitig unter die Marke von 1,12 Dollar. Und Experten sehen noch kein Ende der Talfahrt.

Euro 23.01. Chart

Der Kurs des Euro am 23. Januar.

Frankfurt/AthenTalfahrt bis zur Dollar-Parität? Die massive Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro am Freitag weiter unter Druck gesetzt. Am Morgen nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), mehr als eine Billion Euro in die Hand zu nehmen, um die Wirtschaft im Euroraum anzuschieben, fiel die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,1159 US-Dollar.

Das neuerliche Kurstief ist der Höhepunkt einer drastischen Abwertung, die mit der Entkopplung des Franken vom Euro begann und mit der Ankündigung des billionenschweren Kaufs von Staatsanleihen gestern seine Fortsetzung fand. Allein am Donnerstag hatte der Euro in der Spitze um drei Cent nachgegeben. Die EZB hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag noch auf 1,1618 Dollar festgesetzt.

Auch die Rendite von Bundesanleihen bricht ein. Zehnjährige Papiere rentieren zeitweise nur noch mit 0,36 Prozent, acht Basispunkte unter Vortag. Bereits gestern ging es acht Basispunkte abwärts. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen fiel um neun Basispunkte auf 1,45 Prozent, entsprechende spanische Bonds rentierten mit 1,29 Prozent zehn Basispunkte niedriger. Die Rendite zehnjähriger griechischer Bonds lag zuletzt mit 8,25 Prozent 32 Basispunkte unter Vortag.

Der Dax notiert knapp zwei Prozent im Plus bei einem Allzeithoch von 10.655 Punkten. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisiert den Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). „Der Ankauf von Staatsanleihen ist in der Währungsunion kein Instrument wie jedes andere. Es birgt Risiken“. Die Währungshüter hatten in einem historischen Schritt beschlossen, ab März in den Großankauf von Staatsanleihen einzusteigen. Die EZB will dazu von März 2015 bis zum September 2016 jeden Monat Staats- und Unternehmensanleihen im Gesamtwert von 60 Milliarden Euro kaufen.

„Nun hat auch die europäische Geldpolitik mit einem großen Anleiheprogramm unerforschtes Gelände betreten“, kommentierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank die Entscheidung. „Ob eine solche Art der Geldpolitik erfolgreich ist bei der Wiederbelebung des Wachstums, ist gänzlich unbekannt.“

Was die EZB beschlossen hat

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro.

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Kauftempo

60 Milliarden Euro je Monat.

Was wird gekauft

Unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von zwei bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen.

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

Das EZB-Programm entspricht einem Volumen von 1,14 Billionen Euro – in etwa elf Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes der Euro-Zone. Die Euro-Schwäche der vergangenen Wochen dürfte nun erst einmal anhalten, prognostiziert Kazuyuki Takami von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ in Singapur. Auch Notierungen knapp über einem Dollar seien im Laufe des Jahres nicht auszuschließen.

Kommentare (38)

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Herr Uwe Warschkow

23.01.2015, 10:54 Uhr

Im Augenblick verliert der Euro einen Cent pro Tag.Also müssten wir in 12 Tagen die Parität sehen.Ist das so schwer auszurechnen?

Herr Daniel Huber

23.01.2015, 10:55 Uhr

Wenn es nicht mal die Schweiz als reichstes Land Europas schafft, sich an die Währungsunion anzukoppeln, weil ihr der Euro zu teuer wurde (Stützungskäufe durch die Schweizer Nationalbank) und jetzt alternativlos aussteigt, wie sollen es dann je die Südländer schaffen.
Die Schweiz kann rechnen und hat das Vertrauen in den Euro definitiv verloren.
Die Schweiz ist auch deshalb ausgestiegen, weil sie nicht mehr erwartet, das der Euro je wieder eine starke und stabile Währung wird.
Zitat René Zeyer: "Die Verantwortungslosigkeit der Europäischen Zentralbank wird höchstens noch von der Verantwortungslosigkeit der europäischen Politiker übertroffen!" ?

Die Wahrheit, warum die Schweiz ausstieg, hier im Interview:
https://www.youtube.com/watch?v=krMt-uE384c

Account gelöscht!

23.01.2015, 10:56 Uhr

Euro auf dem Weg zur Dollar-Parität

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Noch im Jahr 2015 wird man für einen US-DOLLAR...

gleich 1,10 EURO bekommen !

DRAGHIS Anleihenkauf werden erst recht noch mehr ...

EU-ARBEITSLOSIGKEIT hervor bringen...

weil immer mehr Gelder in Spekulativer Aktienhandel gezockt

wird...

das jammern dass der DAX noch nicht bei 20.000 Punkte steht

geht weiter...

nur dem EU-ARBEITSLOSER oder EU-OBDACHLOSER ist es nicht heiter








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