Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.05.2016

18:36 Uhr

EZB-Entscheidung

Tschüss, 500-Euro-Schein!

Die EZB-Währungshüter haben über die Zukunft der größten Euro-Banknote entschieden. Mit einer Abschaffung des Fünfhunderters soll Kriminellen das Handwerk erschwert werden. Ob das klappt, ist umstritten.

Für viele Bürger sind die Scheine inzwischen Freiheitssymbol. Nun sollen die lila Banknoten langsam aus dem Verkehr gezogen werden. dpa

500-Euro-Scheine

Für viele Bürger sind die Scheine inzwischen Freiheitssymbol. Nun sollen die lila Banknoten langsam aus dem Verkehr gezogen werden.

Frankfurt/MainSeit Wochen wird darüber diskutiert, nun geht alles ganz schnell: Das Ende des 500-Euro-Scheins ist besiegelt. An diesem Mittwoch verkündete die EZB die Entscheidung über die Zukunft der lila Banknote. Die Ausgabe der größten Euro-Banknote wird „gegen Ende 2018“ eingestellt.

Der Entscheidung geht ein langer Disput voraus. Schon seit Jahren haben die Finanzbeamten einiger EU-Staaten geklagt, dass der 500-Euro-Schein zur Finanzierung krimineller Machenschaften benutzt wird. In Großbritannien ist es Banken und Wechselstuben seit 2010 verboten, die lila Scheine an ihre Kunden zu bringen. Auch in Deutschland weigern sich viele Geschäfte, die großen Scheine anzunehmen.

Die Europäische Zentralbank beschäftigt sich seit Februar mit dem Schicksal der Banknote. Ihr Chef, Mario Draghi, hat den Schein öffentlich als „Instrument für illegale Aktivitäten” angeprangert. Befürworter seiner Abschaffung versprechen sich Erfolge bei der Bekämpfung von Terrorismus-Finanzierung und organisierter Kriminalität. Auch Schwarzarbeit soll so zurückgedrängt werden.

Doch es gibt auch Gegner – und diese kommen hauptsächlich aus Deutschland. Die Bundesbank beispielsweise dämpft die Erwartungen an die Abschaffung großer Banknoten oder Obergrenzen für Bargeldzahlungen, die ebenfalls diskutiert werden. „Es sind Zweifel angebracht, ob Terroristen und Kriminelle an illegalen Handlungen gehindert werden, weil es eine Obergrenze gibt oder die großen Stückelungen abgeschafft werden“, sagt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Sein Vorstandskollege, Carl-Ludwig Thiele, pflichtet ihm bei: „Was in diesem Zusammenhang bislang fehlt, ist eine wissenschaftliche, fundierte Evaluierung der Maßnahmen, die in anderen Ländern bereits umgesetzt wurden.“ Ihm sei nicht bekannt, dass in Ländern mit einer Bargeldobergrenze wie Italien oder Frankreich die Kriminalität entsprechend geringer wäre. Kriminelle könnten beispielsweise auf die Cyber-Währung Bitcoin ausweichen.

500-Euro-Schein: Warum uns der Fünfhunderter so bewegt

500-Euro-Schein

Warum uns der Fünfhunderter so bewegt

Heute berät die Europäische Zentralbank (EZB) über die Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Viele Sparer fürchten den Anfang vom Ende des Bargelds. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Zuletzt kritisierte auch der neue Ifo-Chef Clemens Fuest die Abschaffung der lila Banknote: „Die Abschaffung der 500-Euro-Scheine untergräbt das Vertrauen in die EZB”, so Fuest am Mittwoch in München. „Es muss der Eindruck entstehen, dass der Hauptgrund der Abschaffung das Ziel ist, die Zinsen weiter in den negativen Bereich zu bringen.” Für Banken und Sparkassen würde es erheblich teurer, viele kleine Scheine einzulagern. Aus seiner Sicht gebe es derzeit aus gesamtwirtschaftlicher Sicht keine überzeugenden Gründe, die Zinsen weiter zu senken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×