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12.12.2014

18:37 Uhr

Fass ohne Boden

Ölpreis fällt unter 60 Dollar

Der Ölpreis ist der Preis für WTI unter 60 Dollar gerutscht. Das Überangebot sorgt für Druck. Heute kommt eine pessimistische Prognose hinzu. Ein bekannter Investor sieht beste Chancen für Rohstoff-Investments.

Sinkender Ölpreis belastet den Dax extrem

Video: Sinkender Ölpreis belastet den Dax extrem

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SingapurDie Talfahrt der Ölpreise setzt sich ungebremst fort. Am Freitag kostete US-Rohöl bereits unter 59 Dollar je Barrel (159 Liter), so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Zum Vortag brach der Preis um 1,44 Dollar ein. Auch Nordsee-Öl verbilligte sich deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Freitag 62,46 Dollar und damit 1,22 Dollar weniger als am Vortag.

Seit dem Sommer sind die Ölpreise um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Vor allem die Aussicht auf ein starkes Überangebot im kommenden Jahr belastet die Märkte. Die Produktion von US-Schieferöl ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, und die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich bisher nicht auf eine Produktionskürzung verständigt. Wichtige Produzenten wie Saudi-Arabien wollen anscheinend mit einer stabilen Produktion ihre Marktanteile verteidigen.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Analyst Phil Flynn von der Price Futures Group in Chicago rechnet mit einem anhaltenden Preiskrieg der Anbieter, die ihre Marktanteile mit allen Mitteln verteidigen wollen. „Nach dem Fall der Marke von 60 Dollar liegt die nächste Unterstützung bei 58 Dollar“, schrieb er in einem Kommentar.

Nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die Ölpreise auch im kommenden Jahr unter Druck stehen. Die Nachfrage wachse nicht so stark wie bisher angenommen, erklärte die IEA am Freitag. Dennoch lasse der Förderboom vor allem in den USA nicht nach. Dadurch stiegen weltweit die Lagerbestände, die Ölpreise sackten weiter ab. Vor allem werde mit einem geringeren Eigenbedarf in Öl-Exportländern wie Russland gerechnet. Zugleich sei vorerst kein Ende des Produktionsanstiegs gerade aus Schiefergas-Vorkommen in den USA abzusehen. Es werde einige Zeit dauern, bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht seien.

Noch sei es zu früh, dass die niedrigen Ölpreise ernsthaft den Förderboom in den USA ausbremsten, erklärte die IAE weiter. Konkret sagte der Energieberater der westlichen Industrieländer für 2015 ein Nachfragewachstum von 900.000 Barrel pro Tag voraus - 230.000 weniger als bisher erwartet.

Kommentare (1)

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Herr Teito Klein

12.12.2014, 18:09 Uhr

Der Ölpreis fällt und fällt
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Und die Spekulanten jammern.
Auch einige Erdölproduzierenden Länder jammern.
Um rund 40 Prozent sind die Rohölpreise seit Sommer eingebrochen.

Denn klar erkennbar geraten diejenigen Staaten, deren Volkswirtschaft vor allem vom Ölexport abhängt, in erhebliche Turbulenzen. Venezuela schaut wegen seines nahezu unverkäuflichen, weil zu teuer produzierten Öls bereits in den Abgrund. Im Iran prangert Präsident Rohani verzweifelt eine vermeintliche Verschwörung gegen sein Land an. Wirklich gefährlich wird der niedrige Ölpreis durch die massiven Auswirkungen auf Russland. Präsident Putin hat in all den Jahren seiner Macht nicht dafür gesorgt, dass die russische Ökonomie effektiv umgestellt wird: weg vom bloßen Öl- und Gasexport hin zu einer breiter aufgestellten Wirtschaftstätigkeit.

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