Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2014

12:01 Uhr

Finanzmärkte

Die große Krise im Devisenhandel

Unter Devisenhändlern herrscht Untergangsstimmung. Erträge schrumpfen und der Manipulationsskandal frisst sich durch die Branche. Mehr als elf Banken haben bereits Händler gefeuert. Die einst stolze Sparte klagt.

Dollar für Euro: Billiges Zentralbank-Geld und rekordniedrige Zinsen in der ganzen Welt bremsen den Devisenhandel aus. ap

Dollar für Euro: Billiges Zentralbank-Geld und rekordniedrige Zinsen in der ganzen Welt bremsen den Devisenhandel aus.

New YorkDie fetten Jahre für Devisenhändlern sind vorbei. Der April machte die Hoffnungen auf ertragreiche Handelsbilanzen zunichte. Der Global Currency Managers Index, der laut Parker Global die besten 14 Fonds im Bereich Devisen abbildet, verzeichnete im vergangenen Monat ein Minus von 1,5 Prozent. Das war nicht nur der höchste Rückgang seit Juli, sondern auch deutlich schlechter als das Plus von 0,8 Prozent aus dem März.

Die Volatilität, die Investoren und Händler normalerweise zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen können, ist auf das Niveau von vor der Finanzkrise zurückgefallen - ausgebremst durch billiges Zentralbank-Geld und durch rekordniedrige Zinsen in der ganzen Welt.

„Bis wir uns von dieser weltweiten Zentralbank-Politik der Null-Prozent-Zinsen wegbewegen, werden wir das haben, was wir haben - nämlich eine bizarre Preisentwicklung an den Finanzmärkten, Devisen eingeschlossen“, erklärte David Kotok, Chairman und Investmentchef bei Cumberland Advisors. Seine Firma verwaltet ein Vermögen von rund zwei Milliarden Dollar. Die Händler „haben keine Handelsspannen und Volatilität, von denen sie profitieren können“.

Derzeit gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich an der Lage etwas ändern wird. Fed-Chefin Janet Yellen hatte vergangene Woche diejenigen enttäuscht, die darauf hoffen, dass die Fed ihre Konjunkturmaßnahmen schneller zurückfahren wird oder ein Signal dazu gibt, wann die Zinsen steigen. Die Notenbank beließ ihren Leitzins nahe null und bekräftigte, dass der Satz für eine „beträchtliche Zeit“' nach dem Ende ihres Bondkauf-Programms auf dem Niveau bleiben werde.

Weltweite Währungsreserven

2004

Gesamt: 2,655 Billionen

US Dollar: 1,739 Billionen (65,45 %)
Britisches Pfund: 0,093 Billionen (3,50 %)
Yen: 0,114 Billionen (4,29 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,15 %)
Euro: 0,655 Billionen (24,67 %)

2005

Gesamt: 2,844 Billionen

US Dollar: 1,891 Billionen (66,49 %)
Britisches Pfund: 0,107 Billionen (3,76 %)
Yen: 0,113 Billionen (3,97 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,14 %)
Euro: 0,679 Billionen (23,87 %)

2006

Gesamt: 3,315 Billionen

US Dollar: 2,158 Billionen (65,10 %)
Britisches Pfund: 0,15 Billionen (4,52 %)
Yen: 0,115 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,18 %)
Euro: 0,827 Billionen (24,95 %)

2007

Gesamt: 4,119 Billionen

US Dollar: 2,631 Billionen (63,87 %)
Britisches Pfund: 0,199 Billionen (4,83 %)
Yen: 0,131 Billionen (3,18 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,076 Billionen (26,12 %)

2008

Gesamt: 4,21 Billionen

US Dollar: 2,685 Billionen (63,78 %)
Britisches Pfund: 0,178 Billionen (4,23 %)
Yen: 0,146 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,14 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,104 Billionen (26,22 %)

2009

Gesamt: 4,59 Billionen

US Dollar: 2,848 Billionen (62,05 %)
Britisches Pfund: 0,195 Billionen (4,25 %)
Yen: 0,133 Billionen (2,90 %)
Schweizer Franken: 0,005 Billionen (0,11 %)
Euro: 1,27 Billionen (27,67 %)

2010

Gesamt: 5,163 Billionen

US Dollar: 3,193 Billionen (61,84 %)
Britisches Pfund: 0,203 Billionen (3,93 %)
Yen: 0,189 Billionen (3,66 %)
Schweizer Franken: 0,007 Billionen (0,14 %)
Euro: 1,343 Billionen (26,01 %)

2011

Gesamt: 5,652 Billionen

US Dollar: 3,525 Billionen (62,37 %)
Britisches Pfund: 0,217 Billionen (3,84 %)
Yen: 0,204 Billionen (3,61 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,07 %)
Euro: 1,394 Billionen (24,66 %)

2012

Gesamt: 6,085 Billionen

US Dollar: 3,715 Billionen (61,05 %)
Britisches Pfund: 0,245 Billionen (4,03 %)
Yen: 0,248 Billionen (4,08 %)
Schweizer Franken: 0,018 Billionen (0,30 %)
Euro: 1,477 Billionen (24,27 %)

2013 (Q3)

Gesamt: 6,191 Billionen

US Dollar: 3,803 Billionen (61,43 %)
Britisches Pfund: 0,242 Billionen (3,91 %)
Yen: 0,239 Billionen (3,86 %)
Schweizer Franken: 0,017 Billionen (0,27 %)
Euro: 1,496 Billionen (24,16 %)

Gleichzeitig gehen die Händler davon aus, dass weder die Europäische Zentralbank noch die Bank of Japan dazu bereit sind, ihre Geldpolitik zu verändern. „Diese ruhige Zeiten könnten sogar länger andauern, als der Markt erwartet - was noch mehr schlechte Nachrichten bedeuten könnte“, sagte Olivier Korber, Devisen-Stratege bei Société Générale SA in Paris. Angesichts der niedrigen Volatilität und eines fehlenden Trends sei es sehr schwer, Geld an den Devisenmärkten zu verdienen. „Mit Zentralbanken, die so berechenbar sind, haben wir nicht die richtigen Zutaten, die notwendig sind.“ Auf dem Devisenmarkt werden 5,3 Milliarden Dollar pro Tag bewegt.

Auch die Deutsche Bank AG, der weltweit größte Händler von Devisen mit Sitz in Frankfurt, machte die niedrige Volatilität bei der Bilanzvorlage am 29. April dafür verantwortlich, dass die Erlöse aus dem Devisengeschäft im ersten Quartal signifikant gesunken waren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×