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22.06.2017

19:45 Uhr

Flashcrash bei Digitalwährung

Warum Ethereum von 300 auf 13 Dollar stürzt

VonFelix Holtermann

Ethereum gilt als Angreifer der bekannten Digitalwährung Bitcoin. Nun erlebt Ethereum eine Kursachterbahn: Binnen Minuten stürzt der Kurs von 300 auf 13 Dollar ab – und erholte sich ebenso schnell. Was dahintersteckt.

Digitale Währungen werden zunehmend auch zum Zocken benutzt. AP

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Digitale Währungen werden zunehmend auch zum Zocken benutzt.

DüsseldorfDigitales Geld: War das früher nur ein Thema für Nerds und Computerfreaks, so entdecken heute immer mehr Privatanleger die sogenannten Kryptowährungen. Das hat Folgen. Digitalwährungen kommen aus der Hacker-Ecke heraus, verlieren ihr negatives Image zumindest zum Teil. Es bringt aber auch eine Gefahr: Die großen Kursgewinne der Vergangenheit (allein der Marktführer Bitcoin stieg dieses Jahr von 1000 auf 3000 Dollar) verführen zum Zocken. Und wie an der Börse können Anleger auch mit Digitalwährungen sehr viel reales Geld verlieren. Bei Ethereum, der zweitgrößten Netzwährung, ist genau das jetzt passiert.

Am Mittwoch gegen 20.30 Uhr kam es zu einem bisher nicht gesehenen Kurssturz: Der Wert eines Ethereum, abgekürzt Ether, stürzte von rund 317 Dollar auf 13 Dollar ab – ein Kursverfall von rund 96 Prozent. Zahlreiche große Börsen setzten den Handel kurzzeitig aus, darunter der Marktplatz GDAX, der zum US-Marktführer Coinbase gehört. „Wir untersuchen derzeit Schwierigkeiten beim Einloggen auf GDAX.com, außerdem den Grund für die rapiden Preisbewegungen beim Ethereum-Dollar-Auftragsbuch“, teilte die Börse mit. „Der Handel von Ethereum zu Dollar ist ausgesetzt, während wir den Vorfall untersuchen.“

Schneller als gedacht wurde der Handel wieder freigegeben. Der Ethereum-Kurs erholte sich innerhalb weniger Minuten und stieg wieder auf knapp 300 Dollar. Am Donnerstagmittag notierte ein Ether sogar bei 332 Dollar. Der Kurssturz war dermaßen schnell wieder vorüber, dass er in den Charts der großen Kursseiten, etwa bei Coinmarketcap, gar nicht auftaucht.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Also nichts passiert, Schwamm drüber? Mitnichten. Im Netz machen Anleger ihrem Ärger Luft, die in wenigen Minuten Hunderte oder Tausende Dollar verloren haben. Wie konnte es zu dem Absturz kommen? Derzeit werden unter Beobachtern zwei Theorien gehandelt.

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Möglich ist, dass ein sogenannter Glitch, eine Fehlfunktion in der Programmierung einer Handelsplattform, zum Kursabsturz geführt hat. In diesem Fall wären Tausende Orderpositionen zum falschen Preis verkauft worden. Ein solcher Fall gilt aber als unwahrscheinlich: Zwar würde die betroffene Börse ihn wohl nicht melden, schon allein, um die eigene Reputation zu wahren, jedoch sollte ein veritabler Proteststurm betroffener Nutzer folgen. Dieser ist bis jetzt ausgeblieben.

Handelsplattformen für Bitcoins, Ethereum und Co. funktionieren bis auf wenige Ausnahmen als Marktplätze, bringen also Verkäufer und Käufer zusammen (ähnlich wie zum Beispiel Ebay), handeln aber nicht selbst mit den Digitalwährungen (im Unterschied etwa zum Onlinehändler Amazon). In sozialen Netzwerken äußerten einige Nutzer den Verdacht, dass hinter dem Absturz kriminelle Machenschaften stecken. Das hat die Handelsplattform GDAX dementiert – und klargemacht, dass die umstrittenen Geschäfte nicht rückabgewickelt werden.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

23.06.2017, 18:39 Uhr

"Laut Beobachtern wirft das blauäugige Setzen von Stop-Loss-Positionen und das anschließende Klagen über verlorenes Geld unter Usern aber ein Schlaglicht auf einen Trend: Immer mehr Privatanleger sind in den vergangenen Monaten in den Markt für Digitalwährungen eingestiegen, haben sich mit Bitcoins, Ethereum und Co. eingedeckt. Aber nicht aus dem Glauben an die Technik heraus, aus dem Wunsch, eine globale Alternativwährung aufzubauen, sondern vor allem, um schnelle Spekulationsgewinne zu machen."

Wenn Gier Hirn frisst, ist Mitleid mit den Betroffenen im Falle des Eintretens unerfreulicher Konsequenzen unangebracht.

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