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11.10.2016

17:35 Uhr

Folge des Brexit-Votums

Die Pfund-Schwäche ist nicht zu stoppen

Nach dem „flash crash“ Ende vergangener Woche bleibt die britische Währung weiterhin auf Talfahrt. Während Experten auf der Insel den Rückgang begrüßen, schrauben Analysten ihre Prognosen weiter nach unten.

Die britische Währung verliert seit dem EU-Referendum an Wert. AFP/Getty Images

Zehn-Pfund-Note

Die britische Währung verliert seit dem EU-Referendum an Wert.

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Brexit-Pläne

Derber Absturz: Britisches Pfund auf tiefsten Stand seit 1985

Brexit-Pläne: Derber Absturz: Britisches Pfund auf tiefsten Stand seit 1985

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Das britische Pfund ist bereits den vierten Tag in Folge gefallen und notiert gegenüber dem Dollar bei 1,2205. Auch gegenüber dem Euro ist die Währung deutlich abgesackt und liegt bei rund 1,103. Am Freitag hatte ein so genannter „flash crash“ beim Pfund Sterling Anlegern einen Schrecken eingejagt. Innerhalb weniger Sekunden brach die Währung auf einigen Handelsplattformen um zehn Prozent von 1,2600 Dollar auf rund 1,14 Dollar ein, den niedrigsten Stand seit 1985. Der Absturz wurde Börsianern zufolge durch einen automatischen Handel über Computer ausgelöst.

Mehrere Banken haben seit dem überraschenden Kurssturz ihre längerfristigen Prognosen für das Pfund gesenkt, darunter ING, JP Morgan und Julius Bär. „Ich glaube, wir müssen uns auf eine anhaltende Schwäche beim Pfund einstellen“, sagte der Chefwährungsstratege von Morgan Stanley in London, Hans Redeker. Es sei nicht auszuschließen, dass der Pfund-Kurs bis auf 1,20 Dollar weiter falle. „In die Nähe von 1,15 bis 1,18 Dollar werden wir aber nicht kommen“, fügte Allianz-Fondsmanager Brian Tomlinson hinzu.

Hintergrund für den Sturz sind die Aussagen von Premierminister Theresa May zum Thema Brexit. Sie konnte keine Klarheit schaffen, wie Großbritannien die Europäische Union verlassen will.

Größte Banken im Devisenhandel (2016)

Platz 10

Morgan Stanley

2016: Rang 10

2015: Rang 13

Quelle: Euromoney, Mai 2016

Platz 9

XTX Markets

2016: Rang 9

2015: nicht im Ranking vertreten

Platz 8

HSBC

2016: Rang 8

2015: Rang 7

Platz 7

Goldman Sachs

2016: Rang 7

2015: Rang 9

Platz 6

Barclays

2016: Rang 6

2015: Rang 3

Platz 5

Bank of America Merrill Lynch

2016: Rang 5

2015: Rang 6

Platz 4

Deutsche Bank

2016: Rang 4

2015: Rang 2

Platz 2

JP Morgan

2016: Rang 3

2015: Rang 4

Platz 3

UBS

2016: Rang 2

2015: Rang 5

Platz 1

Citigroup

2016: Rang 1

2015: Rang 1

Nach Ansicht von Petr Krpata, ein in London ansässiger Devisenstratege bei ING, sei es aufgrund des großen Risikos durch den Brexit jetzt viel schwieriger geworden zu prognostizieren, wie weit das Pfund noch fallen könnte. Obwohl aus fundamentaler Sicht das Pfund ultra-billig sei, könnten die politische Unsicherheit zu einer weiteren Talfahrt führen. ING sieht die britische Währung zum Jahresende auf 1,22 Dollar fallen, was dem aktuellen Stand entsprechen würde. Zuvor lautete die Prognose 1,25 Dollar. Nach Daten der Finanzagentur Bloomberg ist das Pfund im Vergleich von 32 Hauptwährungen die mit der bisher schlechtesten Performance in diesem Jahr.

Der britische Brexitminister David Davis und Mervn King, ehemaliger Chef der Bank of England, hingegen begrüßten den Kursverfall. Dieser sei ein „willkommener Wechsel“ für die Wirtschaft, sagte King gegenüber Sky News. Davis brach sogar mit der Übereinkunft der Regierung, die Pfund-Schwäche nicht zu kommentieren. Seiner Meinung nach stehe beim schwachen Pfund den Risiken auch eine große Zahl an Chancen gegenüber.

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Ein Computerprogramm hat offenbar den Kursrutsch beim Pfund Sterling ausgelöst. Es wirkt wie ein Menetekel: Die Aussichten für die britische Währung sind ohnehin nicht sehr positiv. Steht sie bald auf Parität zum Euro?

Ein schwächeres Pfund dürfte den Tourismus, die Exporte und die Erlöse beflügeln, die Firmen außerhalb des Landes erzielen. Auf der anderen Seite dürften die Kosten für Importe steigen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

11.10.2016, 15:25 Uhr

Besser kann es doch für England nicht laufen. Mit dem Brexit kann die Politik in England die Gesetze für ihre Wirtschaft wettbewerbsfähiger Gestalten. Das Pfund wird mit der Abwertung auch wettbewerbsfähiger und mit dem Bau der marktfähigen Kernkraft schafft England auch den nötigen Vorschub für eine anziehende Inlandsnachfrage und hilft so nebenbei auch, dass der Wirtschaftsstandort England in Zukunft über ausreichend und billigen Strom/Energie verfügt.
Eine bessere politische Strategie kann man nicht machen.
Weiterhin baut England seine Wirtschaftsbeziehung nach China und den Rest der Welt weiter aus.

Herr Tom Schmidt

11.10.2016, 15:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr richard roehl

11.10.2016, 16:20 Uhr

Wurde uns nicht im Zuge des €-Niedergangs gegen den US$ in 2012 vom HBO und Ökonomenmainstream gesagt, dass uns nichts besseres passieren kann? Also müssen die Briten jetzt doch in der besten aller Welten leben. Doch hier im Artikel klingt so ein Weltuntergangston heraus. Die Systemschreiber backen sich also die Welt ala Puippi Langstrumpf, wie es gerade passt

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