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28.06.2017

17:32 Uhr

Folgen der Draghi-Rede

Euro antwortet auf Zickzackkurs mit Jahreshoch

Der Euro legte am Mittwoch einen Zickzackkurs hin. Schuld daran ist ein Streit über die Frage, wie eine Rede von EZB-Chef Mario Draghi zu interpretieren ist. Am Nachmittag erreichte er den höchsten Stand seit einem Jahr.

Der EZB-Präsident gab sich auf der alljährlichen Notenbankkonferenz zuversichtlich für das Wachstum im Euroraum. Reuters

Mario Draghi

Der EZB-Präsident gab sich auf der alljährlichen Notenbankkonferenz zuversichtlich für das Wachstum im Euroraum.

FrankfurtDer Euro ist am Mittwoch auf den höchsten Stand seit gut einem Jahr gestiegen. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,1391 US-Dollar, so viel wie seit dem Brexit-Votum vor rund zwölf Monaten nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1375 (Dienstag: 1,1278) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8791 (0,8867) Euro.

Seit Dienstagmorgen hat der Euro zum amerikanischen Dollar fast zwei Cent an Wert gewonnen. Auslöser waren Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi, die auf eine weniger lockere Geldpolitik schließen lassen. Draghi hatte sich zuversichtlich für das Wirtschaftswachstum im Euroraum und – wenn auch in geringerem Ausmaß – für die Inflationsentwicklung gezeigt. „Die Äußerungen Draghis waren ein sehr eleganter Weg, den geldpolitischen Exit in Aussicht zu stellen“, sagte Andrew Bosomworth, Investmentchef für Deutschland beim Vermögensverwalter Pimco, am Mittwoch.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Für Aufregung sorgte jedoch eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach wurden Draghis Äußerungen aus Sicht der EZB missverstanden. Die scharfen Marktreaktionen wären demzufolge übertrieben gewesen. Der Euro reagierte zunächst mit deutlichen Verlusten auf die Meldung, erholte sich jedoch bis zum späten Nachmittag wieder.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,88525 (0,88370) britische Pfund, 127,53 (126,16) japanische Yen und 1,0913 (1,0883) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1248,00 (1249,55) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 35 512,00 (35 635,00) Euro.

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