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15.12.2014

15:41 Uhr

Folgen des Ölpreis-Rutsches

Die Pleitegeier kreisen über Venezuela

Venezuela erwirtschaftet 96 Prozent seiner Einnahmen mit Erdöl. Der Ölpreis-Rutsch schadet dem Land erheblich. Eine deutsche Abwertung der venezolanischen Währung wird erwartet. Die Pleitegeier kreisen über dem Land.

Förderanlagen fuer Rohöl im venezolanischen Cabimas: Die Wirtschaft des Landes ist abhängig von dem Rohstoff. ap

Förderanlagen fuer Rohöl im venezolanischen Cabimas: Die Wirtschaft des Landes ist abhängig von dem Rohstoff.

FrankfurtDer rasante Ölpreis-Verfall treibt Venezuela immer dichter an den finanziellen Abgrund. Zahlreiche Anleger spekulieren auf eine bevorstehende Staatspleite, obwohl das südamerikanische Land Ökonomen zufolge durchaus noch Möglichkeiten hat, das Schlimmste zu vermeiden.

Notwendig seien vor allem Reformen, um die heimische Konjunktur anzukurbeln, sagt Alberto Abes, Co-Chefvolkswirt der Bank of America Merrill Lynch. Er rechnet für 2015 immerhin mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent, nach einem Minus von 3,3 Prozent im laufenden Jahr. Venezolanischen Oppositionspolitikern zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt in den ersten drei Quartalen des Jahres allerdings um 4,2 Prozent geschrumpft.

Eine weitere Option sei die Abwertung der Landeswährung Bolivar, fügt Abes hinzu. Dadurch könne die Regierung unter Präsident Nicolas Maduro für die gleiche Summe an Devisen-Einnahmen einen größeren Teil des Haushalts finanzieren. Bis zum Jahresende sagen die Merrill-Experten einen Anstieg des offiziellen Dollar-Kurses auf 13 Bolivar von derzeit etwa 6,30 Bolivar voraus. Bis Ende kommenden Jahres werde der Kurs auf 30 Bolivar steigen, um sich 2016 noch einmal auf bis zu 66 Bolivar zu verdoppeln. Inoffiziell kostet die US-Währung der Website DolarToday.com zufolge bereits jetzt etwa 180 Bolivar.

Anderer Börsianer verweisen darauf, dass Venezuela Staatseigentum verkaufen und Subventionen kürzen könne, um den Haushalt zu entlasten. Investoren bezweifeln dennoch, dass Venezuela seine Probleme schnell in den Griff bekommt. Aus diesem Grund werfen sie die Anleihen des Landes aus ihren Depots. Dies treibt die Rendite der 2027 auslaufenden Bonds auf derzeit knapp 24 Prozent. Vor Beginn des Ölpreis-Verfalls im Sommer lag sie gerade einmal halb so hoch.

Gleichzeitig steigen die Prämien für Kreditausfall-Versicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS). Für die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets venezolanischer Anleihen müssen Anleger dem Datenanbieter Markit zufolge derzeit eine Anzahlung von etwa 5,9 Millionen Dollar leisten. Hinzu kommen dann bei CDS mit einer Laufzeit bis Ende 2019 Zahlungen von 500.000 Dollar jährlich. CDS-Anbieter verlangen Vorauszahlungen üblicherweise nur für Anleihen von Staaten oder Unternehmen, die als Pleitekandidaten gelten.

Venezuela erwirtschaftet 96 Prozent seiner Deviseneinnahmen mit dem Export von Erdöl. Mit dem Geld finanziert die Regierung unter anderem ihre milliardenschweren Sozialprogramme. Wegen eines Überangebotes ist der Weltmarktpreis für diesen Rohstoff seit dem Sommer um mehr als 40 Prozent gefallen. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee ist mit 60,28 Dollar so billig wie zuletzt im Juli 2009.

Von

rtr

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