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05.09.2013

13:43 Uhr

Freigabe des Yuan

China probt die kapitalistische Revolution

VonFinn Mayer-Kuckuk

In Shanghai sollen die Banken des Landes mit freier Wirtschaft experimentieren können – wie im Sandkasten. Sogar der Yuan wird in der Sonderzone erstmals handelbar. Ein Test, hinter dem ein größerer Plan steckt.

Das Finanzzentrum Pudong in Shanghai: Hier soll das Experimentierlabor für einen freien Kapitalmarkt entstehen. dpa

Das Finanzzentrum Pudong in Shanghai: Hier soll das Experimentierlabor für einen freien Kapitalmarkt entstehen.

PekingDie Freigabe der Währung, freier Kapitalmarkt, moderne Finanzprodukte - für China war all das bisher zu kapitalistisch. Doch jetzt richtet die Führung des Landes ein Labor ein, in dem die Wirtschaft des Landes nach Herzenslust herumprobieren kann.

Geplant ist eine Freihandelszone in Shanghai, in der bisherige Regulierungen außer Kraft gesetzt sind. „Die Experimente sollen Finanzreformen inklusive Zinsliberalisierung und voller Konvertibilität für den Yuan umfassen“, sagt Ökonom Qu Hongbing von der Großbank HSBC, der mit den Plänen vertraut ist. „Das wird ein Turbolader für Chinas Finanzreformen.“

Die chinesische Regierung beginnt so ihren nächsten großen Versuch mit angewandtem Kapitalismus. Nachdem Industrie und Handel in China bereits weitgehend marktwirtschaftlich funktionieren, ist nun die Finanzindustrie dran. Und so wie die freie Produktion von Waren einst auf Sonderzonen wie Shenzhen beschränkt war, soll sich auch die Geldwirtschaft zunächst in abgezäunten Bereichen austoben, bevor Peking die Erfahrungen auf das ganze Land ausdehnt.

Mit Segen von ganz oben will Shanghai einen seiner Häfen zusammen mit Teilen des neuen Entwicklungsgebietes Pudong zu der neuen Freihandelszone zusammenbinden. Das Projekt soll am 27. September mit einer feierlichen Zeremonie beginnen, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Der eigentliche Freihandel beginnt frühestens im kommenden Jahr. Neben Finanzreformen ist auch die Einrichtung eines Umschlagplatzes für reale Waren geplant.

Dollar, Euro, Pfund - die Weltwährungen im Vergleich

1999

Anteil an weltweiten Währungsreserven:

Dollar: 66,4 Prozent
Euro: 22 Prozent
Yen: 7,1 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige*: 1,5 Prozent

*exklusive Schweizer Franken

Quelle: EZB, Juli 2013

2000

Dollar: 66,6 Prozent
Euro: 23,6 Prozent
Yen: 7,3 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

2001

Dollar: 63,5 Prozent
Euro: 25,5 Prozent
Yen: 6,8 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,1 Prozent

2002

Dollar: 62,1 Prozent
Euro: 27,7 Prozent
Yen: 5,5 Prozent
Pfund: 2,6 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

2003

Dollar: 64,7 Prozent
Euro: 25,8 Prozent
Yen: 4,8 Prozent
Pfund: 2,5 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2004

Dollar: 66,3 Prozent
Euro: 24,2 Prozent
Yen: 4,6 Prozent
Pfund: 2,8 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2005

Dollar: 64,3 Prozent
Euro: 25,9 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,7 Prozent

2006

Dollar: 65,1 Prozent
Euro: 25 Prozent
Yen: 4,2 Prozent
Pfund: 3,6 Prozent
Sonstige: 1,8 Prozent

2007

Dollar: 65,9 Prozent
Euro: 24,2 Prozent
Yen: 3,9 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2008

Dollar: 64,6 Prozent
Euro: 25,2 Prozent
Yen: 3,3 Prozent
Pfund: 4,5 Prozent
Sonstige: 2,2 Prozent

2009

Dollar: 63,4 Prozent
Euro: 25,9 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 4,3 Prozent
Sonstige: 3,1 Prozent

2010

Dollar: 62,1 Prozent
Euro: 25,8 Prozent
Yen: 3,5 Prozent
Pfund: 4,1 Prozent
Sonstige: 4,5 Prozent

2011

Dollar: 62,2 Prozent
Euro: 25,1 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 4 Prozent
Sonstige: 5,4 Prozent

2012

Dollar: 61,9 Prozent
Euro: 23,9 Prozent
Yen: 3,9 Prozent
Pfund: 4 Prozent
Sonstige: 6,1 Prozent

Ökonomen zufolge kommt das Projekt genau zur richtigen Zeit. Auch nach 35 Jahren von Öffnung von Reformen sind große Teile der chinesischen Wirtschaft noch streng reguliert. Das gesamte Finanzsystem befindet sich fest in staatlicher Hand: Alle Banken, Wertpapierfirmen und Versicherer gehören der Regierung. Die Spielregeln erlauben keine pfiffigen Finanzprodukte. Deshalb läuft ein Großteil der Finanzierung in China über Bankkredite. Die Zinsen dafür sind staatlich festgesetzt.

Um das Land herum erhebt sich unterdessen die „Chinesische Finanzmauer“. Kapital kommt weder herein noch hinaus, wenn keine Dokumente mit vielen roten Stempeln die Bezahlung einer realen Ware belegen. Die Währung ist daher nicht in das System internationaler Handelsstellen eingebunden - es gibt für sie keinen Marktpreis. Stattdessen legt die Zentralbank den Kurs mehr oder minder willkürlich fest.

Kommentare (6)

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Brasil

05.09.2013, 14:45 Uhr

Die freie Konvertierung des Renmimbi ist schon lange ueberfaellig und diese Postille soll nicht so tun, als ob das ein fehler waere. Ein fehler waere, wenn man den Dollar als leitwaehrung nicht zurueckdraengen wuerde zugunsten wertgedeckter Waehrungen! Nicht umsonst kauft China seit Jahren, und in letzter Zeit vermehrt Gold in gigantischen Mengen aus dem Markt!
Die Welt wird bald froh sein, dass Laender wie China, Russland und Brasilien endlich mal ernst machen mit der Alternative zu den Imperialisten!

Account gelöscht!

05.09.2013, 14:57 Uhr

Die Heidenbergschen Reformen in China -

und jetzt?

jos

Account gelöscht!

05.09.2013, 15:19 Uhr

"Die Spielregeln erlauben keine pfiffigen Finanzprodukte." Ja, es gab bis 2008 viele, die sich für besonders pfiffig hielten. Finanzprodukte sollen nicht "pfiffig" sein, sondern der Sorgfalt eines ehrbaren Kaufmanns entsprechen.

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