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12.03.2014

12:39 Uhr

Frucht vor neuer Protestwelle

Türkische Lira fällt nach erneuten Unruhen

Nach erneuten Protesten am Dienstag fällt die türkische Landeswährung auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen. Auslöser war der Tod eines 15-Jährigen, der bei den Gezi-Protesten im vergangenen Jahr verletzt wurde.

Der Tod eines 15-Jährigen löst erneute Proteste in Istanbul aus. dpa

Der Tod eines 15-Jährigen löst erneute Proteste in Istanbul aus.

FrankfurtDie Furcht vor einer neuen Protestwelle in der Türkei hat die Landeswährung am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen gedrückt. Ein Dollar verteuerte sich bis auf 2,2590 Lira nach 2,2460 Lira im Schlussgeschäft vom Dienstag. Die Börse in Istanbul notierte 1,1 Prozent schwächer. Nach dem Tod des 15-jährigen Berkin Elvan, der im Sommer vergangenen Jahres bei einer Straßenschlacht von Polizei und Regierungsgegnern zwischen die Fronten geraten war, kam es zu Auseinandersetzungen in einigen türkischen Städten.

Türkischer Premier Erdogan kämpft an mehreren Fronten

Korruptionsaffäre

Die Türkei wird seit Mitte Dezember 2013 von einem Korruptionsskandal erschüttert. Die Ermittlungen erstreckten sich auch auf die Familien von Ministern. Es folgte eine „Säuberungswelle“ in Polizei und Justiz, bei der Hunderte Beamte zwangsversetzt wurden.

Proteste

Die Protestbewegung gegen die Regierung dauert im Sommer 2013 wochenlang an. Im Mai räumen Polizisten mit einem brutalen Einsatz ein Protestcamp im Istanbuler Gezi-Park. Es folgen weitere Zusammenstöße auch in anderen Städten. Es gibt Festnahmen und Tote.

Ergenekon-Prozess

Ein Geheimbund namens „Ergenekon“ soll versucht haben, die islamisch-konservative Regierung zu stürzen. Viele der mehr als 270 Beschuldigten müssen für Jahrzehnte ins Gefängnis - darunter Militärs, Politiker, Journalisten und Akademiker.

Alkoholgesetz

Ein umstrittenes Alkoholgesetz tritt im September 2013 in Kraft. Unter anderem ist der Verkauf von Alkohol nach 22.00 Uhr verboten. Die Regierung beschränkt zudem die Werbung für Alkohol. Der Widerstand gegen das Gesetz kommt von Türken, die Erdogan eine Islamisierung des Landes vorwerfen.

Wohnen

Erdogans Kritik an gemeinsamen Studentenheimen für Frauen und Männer löst Ende 2013 Kritik aus. Regierungspolitiker kündigen laut Medienberichten an, gegen gemischte Häuser vorzugehen. Oppositionelle kritisieren eine Einmischung in Privatangelegenheiten.

Der Junge war am 16. Juni vermutlich von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen worden und ins Koma gefallen. Anfang der Woche erlag er seinen schweren Verletzungen. Berkin Elvan ist das sechste Tote der landesweiten Protesten im Mai und Juni, die sich an Erdogans Plänen für den Bau eines Einkaufszentrums auf dem Gelände des Gezi-Parkes in Istanbul entzündet hatten.

Von

rtr

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