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05.08.2012

09:20 Uhr

Gabor Vogel

„Rohstoffpreise steigen in den nächsten beiden Jahren“

VonRegine Palm

Anleger werden künftig weiter verstärkt auf Sachwerte setzen. Davon ist auch Gabor Vogel überzeugt. Der Rohstoffexperte der DZ Bank sieht vor allem die Preise für Öl und Metalle in den nächsten Monaten steigen.

Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. Pressefoto

Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank.

Herr Vogel, Krise und kein Ende in Europa. Viele Anleger flüchten in Sachwerte - auch in Rohstoffe. Macht das überhaupt Sinn?

Sollte dem Markt weitere Liquidität zugeführt werden, steigen die Preissteigerungserwartung und auch die Sachwertorientierung der Anleger. In Europa wächst zudem der Druck in Richtung Monetisierung der Schulden. Auf eine darauf wahrscheinlich folgende inflationäre Entwicklung werden Anleger verstärkt auf Sachwerte setzen. Edelmetalle, allen voran Gold, könnten dann spürbar profitieren.

Die meisten Rohstoffe haben schlecht abgeschnitten. Ist der Superzyklus zu Ende?

Superzyklus bedeutet nicht, dass die Preise Jahr für Jahr im zweistelligen Prozentbereich steigen. Die fundamentale Superzyklus-Ausgangslage ist aber weiter intakt. Große strukturelle und vor allem nachhaltige Angebotsüberhänge sehen wir bei wichtigen Rohstoffen, wie Öl und Kupfer, nicht. Damit ist eine wichtige Bedingung für den laufenden Superzyklus erfüllt.

Was erwarten Sie für die nächsten Monate und Jahre?

In den nächsten Monaten werden die Schuldenkrise im Euro-Raum und die Dollar-Stärke weiter für eine ausgeprägte Unsicherheit unter den Rohstoffanlegern sorgen. Mittlerweile ist die weltweite Konjunkturskepsis bereits ausreichend im Rohstoffmarkt reflektiert. Da wir weder mit einer "harten" konjunkturellen Landung in China noch mit einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone rechnen, erwarten wir in den nächsten beiden Jahren steigende Rohstoffpreise.

Immer wieder kommen Schwellenländer wie China und Indien ins Spiel. Warum?

Die Schwellenländer haben den Rohstoffboom ausgelöst. Auf den dynamisch wachsenden Rohstoffhunger dieser Länder war die Angebotsseite schlicht nicht vorbereitet. Sowohl der infrastrukturelle Nachholbedarf als auch der laufende Urbanisierungsprozess stellen dabei Grundpfeiler der Rohstoffnachfrage dar. Zudem wird sich die verbessernde Einkommenssituation positiv auswirken, was bereits an der dynamischen Gold- und Silberschmucknachfrage Chinas abgelesen werden kann.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Welche Rohstoffe werden dadurch am stärksten profitieren?

Grundsätzlich profitiert die gesamte Anlageklasse, wobei die Energieträger und Industriemetalle die stärksten Gewinner sind. Der Anteil der chinesischen Nachfrage ist bei den Industriemetallen mittlerweile auf fast 50 Prozent der weltweiten Nachfrage angestiegen. Wegen der hohen Nachfragekonzentration wirkt sich die Konjunkturentwicklung in China besonders positiv auf die Notierungen von Aluminium und Co. aus. Aber auch bei den Energieträgern ist die asiatische Nachfrage die am schnellsten wachsende, so dass insbesondere der Wirtschaftsschmierstoff Rohöl profitiert.

Welchen Rat geben Sie einem Anleger?

Bleiben Sie motiviert, interessiert und aufmerksam. Der Superzyklus ist keine nach oben gerichtete Kurs-Einbahnstraße, gelegentlich ist mit Gegenverkehr zu rechnen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

05.08.2012, 10:09 Uhr

"Da wir weder mit einer "harten" konjunkturellen Landung in China noch mit einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone rechnen, erwarten wir in den nächsten beiden Jahren steigende Rohstoffpreise."

Wenn ich so etwas von sog. Experten lese, weiss ich dass genau das Gegenteil geschehen wird. die Euro-Zone ist längst zerbrochen, wird aber küntslich am Leben erhalten während die Staatsheinis dumm grinsen.

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