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13.06.2013

12:00 Uhr

Geldflut

Japans gefährliches Spiel

VonJörg Hackhausen

Japan hat sich auf ein heikles Experiment eingelassen. Mit Geld aus der Notenpresse will es einen Aufschwung erzwingen. Nun werden die Risiken offenbar. Die Börse stürzt ab. Und das ist nicht einmal das größte Problem.

Der Nikkei ist am Donnerstag an der Börse in Tokio um mehr als sechs Prozent gefallen. Reuters

Der Nikkei ist am Donnerstag an der Börse in Tokio um mehr als sechs Prozent gefallen.

An der Börse in Tokio wird der Ausnahmezustand zum Alltag. Die Kurse befinden sich seit zwei Wochen im freien Fall. Der Leitindex Nikkei ist um mehr als 3.000 unter 13.000 Yen gefallen. Am Donnerstag ging es erneut um sechs Prozent abwärts.

Nach der rasanten Rally in den Monaten zuvor erscheint das noch verkraftbar. Doch es geht um mehr als nur ein paar Aktienkurse an der japanische Börse: Sollte das Vertrauen in das neue japanische Wirtschaftswunder schwinden, droht ein viel größerer Crash. Die Erschütterung wäre weltweit zu spüren.

Anfangs sah alles so gut aus: Die Japaner wählten einen Mann, der ihnen versprach, das Land zu alter Größe zurückzuführen: Shinzo Abe. Im Dezember übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten. Er machte sich sofort ans Werk, kündigte an, dass er die Wirtschaft um jeden Preis anschieben will. Koste es, was es wolle. Die Menschen, die lange nichts anderes als Krise und Rezession zu hören bekommen hatten, waren begeistert. Kein anderes Industrieland hatte in den vergangenen zwei Jahrzehnten so hohe Schulden aufgetürmt, in keinem anderen blieb das Wachstum so schwach, keines erlebte Deflation über so lange Zeit.

Weltbörsen 2013: Die Gewinner und Verlierer

Nikkei

+ 27,8 Prozent seit Jahresanfang

Quelle: Reuters, Stand: 13.06.2103

Dow Jones

+ 14,5 Prozent

S&P 500

+ 13,0 Prozent

MSCI World

+ 9,8 Prozent

SMI (Schweiz)

+ 9,1 Prozent

Dax

+ 7 Prozent

FTSE 100

+ 6,8 Prozent

Euro Stoxx 50

+1,1 Prozent

MIB (Italien)

- 1,5 Prozent

BSE Sensex (Indien)

- 2,0 Prozent

SSE (China)

- 2,6 Prozent

Hang Seng (Hongkong)

- 5,8 Prozent

RTS (Russland)

-16,9 Prozent

Bovespa (Brasilien)

- 19,5 Prozent

In dieser Situation waren die Japaner bereit, sich auf eine gefährliches Wagnis einzulassen – das größte geldpolitische Experiment unserer Zeit. Abe lässt so viel Geld drucken, dass es selbst den Währungshütern der US-Notenbank schwindelig wird, insgesamt umgerechnet eine Billion Euro in den nächsten zwei Jahren. Er macht mehr Schulden, um mehr Geld für milliardenschwere Konjunkturpakete ausgeben zu können. Schulden gegen Schulden. Feuer gegen Feuer.

Man könnte auch sagen: Abe verhält sich wie jemand, der bei voller Fahrt auf ein Hindernis zurast, und, statt zu bremsen, voll auf das Gaspedal tritt. Entweder ist er schnell genug, um gerade so davonzukommen. Oder der Zusammenprall wird umso heftiger. Der Rest der Welt schaut zu, staunend und entsetzt zugleich.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

13.06.2013, 12:15 Uhr

"Der japanische Staat könnte bald komplett darauf angewiesen sein, sich von der eigenen Notenbank aushalten zu lassen."
"Sollte das japanische Experiment scheitern, wären die Folgen im Finanzsystem weltweit zu spüren"

Was heißt hier sollte? Dieses "Experiment" (eigentlich kalkulierter Wahnsinn) MUSS scheitern. Woher kommt Wachstum? Woher kommt Wohlstand? Woher Geldwert? Wenn man es sich genauer überlegt ist es ein Mysterium. Sicher ist aberes kann nicht mit bunten Zetteln mit Zahlen darauf herbei manipuliert werden. Dieser "Versuch" wird zum Systemzusammenbruch führen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Account gelöscht!

13.06.2013, 12:25 Uhr

Mit Gelddrucken alleine läßt sich nichts lösen.Wenn´s so wäre,hätte die DDR nur Geld drucken müssen,so einfach ist es leider nicht.

jolirouge

13.06.2013, 12:26 Uhr

Es werden hier sicher wieder viele Kommentarren antworten, die sich für ihre ständigen Forderungen einer strikten Geldpolitik feiern werden... Das Problem liegt hier m.M. nach aber nicht in der lockeren Geldpolitik, sondern in der lähmenden Deflation der Vergangenen Jahre. Es zeigt sich wie schwierig der Kampf dagegen ist, wenn erstmal aufgetreten. Man hat es vermutlich akzeptiert, weil es die heimischen Investoren über jahrzehnte in Staatsanleihen getrieben hat aber gerade daraus ergiebt sich das Dilemma wie der Artikel gut beschreibt. Die panische Angst vom "Helikopter Ben" bezügl. einer Deflation sind aus meiner Sicht mehr als gerechtfertigt.

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