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20.07.2015

17:40 Uhr

Geldpolitik der FED

Zinswende in den USA wird immer wahrscheinlicher

Experten beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende im Herbst inzwischen mit über 50 Prozent. Die nächste Sitzung des entscheidenden Gremiums findet kommende Woche statt.

Fed-Chefin Yellen will die Geldpolitik noch in diesem Jahr straffen. Doch der Zeitpunkt bleibt offen. ap

Zehn-Dollar-Schein

Fed-Chefin Yellen will die Geldpolitik noch in diesem Jahr straffen. Doch der Zeitpunkt bleibt offen.

FrankfurtEine Zinsanhebung im Herbst durch die US-Notenbank Fed scheint immer wahrscheinlicher. Der Präsident der regionalen Notenbank des US-Bundesstaats St. Louis, James Bullard, bekräftigte entsprechende Erwartungen am Montag.

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende im September 2015 liege derzeit bei über 50 Prozent, sagte er in einem Interview mit dem US-Fernsehsender Fox. Die Entscheidung über die Zinspolitik obliegt dem Offenmarktausschuss der Fed, dem „Federal Open Market Committee“ (FOMC). Die nächste Sitzung ist für kommende Woche veranschlagt.

„Nächste Woche dürfte ein bisschen früh sein“, sagte Bullard. Er bezeichnete es als „vernünftig“, den Leitzins von der Nulllinie wegzubringen und ihn dann Stück für Stück anzuheben.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Der Nullzins sei eine Notfallmaßnahme, obwohl die US-Wirtschaft in keinem Notfallmodus sei. Bereits seit siebeneinhalb Jahren liegt der US-Leitzins als Folge der globalen Finanzkrise in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent und damit auf einem Rekordtief. Eine Rede der Fed-Chefin Janet Yellen in der vergangenen Woche ist weitgehend so interpretiert worden, dass eine Zinswende im September wahrscheinlich ist.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

20.07.2015, 19:05 Uhr

Klar war das immer schon seit ein paar Monaten, eigentlich seit Anfang des Jahres, denn es geht vor allem darum, Initiative und Handlungsfähigkeit zu belegen, die der Fed schon lange abhanden gekommen schien.
Die Lage entsprechend darzustellen, ist in USA angesichts der Möglichkeiten mit Zahlen umzugehen, nicht so schwer.

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