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18.04.2014

13:25 Uhr

Geldpolitik

Draghis Worte machen Euro nur stärker

Erst am Wochenende hat Mario Draghi ein weiteres Mal betont, dass die EZB die Geldpolitik lockern könnte. Doch Worte allein reichen offenbar nicht. Der Euro zeigt sich unbeeindruckt und steigt seit Wochen kontinuierlich.

Bei Optionshändlern ist Pessimismus in Bezug auf den Euro so selten wie seit November 2009 nicht mehr. dpa

Bei Optionshändlern ist Pessimismus in Bezug auf den Euro so selten wie seit November 2009 nicht mehr.

FrankfurtMit seiner Andeutung, dass die EZB die Geldpolitik lockern könnte, um den Anstieg des Euro zu dämpfen, bekräftigte Mario Draghi am Wochenende eine Position, die er seit Wochen einnimmt. Doch die Gemeinschaftswährung zeigt sich unbeeindruckt von seinen wiederholten Kommentaren und steigt seit Anfang März. Bei Optionshändlern ist Pessimismus in Bezug auf den Euro so selten wie seit November 2009 nicht mehr.

Die Herausforderung für Draghi besteht darin, die Gewinne des Euro zu begrenzen, die die Inflation auf ein Viertel des EZB-Ziels abgeschwächt haben. Ein ähnliches Szenario kündigte in Japan in den 1990er Jahren eine Phase sehr flauen Wachstums an. Händler versuchen abzuschätzen, ob die Notenbank bereit ist, Draghis Worten ausreichend Feuerkraft folgen zu lassen, um die seit 20 Monaten anhaltende Rally der Gemeinschaftswährung zu beenden.

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

„Die EZB wird wohl mit solchen Kommentaren weiter machen, aber Worte kosten nichts”, sagt Athanasios Vamvakidis, Leiter G10-Devisenstrategie bei Bank of America in London. „Der Markt wird Maßnahmen sehen wollen, bevor sich der Euro erheblich abschwächt.”

Vamvakidis erwartet einen Rückgang des Euro unter 1,35 Dollar in den „nächsten Monaten”, angetrieben von der Verbesserung der US-Konjunkturlage, welche es der Federal Reserve ermöglichen wird, ihr Programm der quantitativen Lockerung zurückzufahren. Die Medianschätzung in einer Bloomberg-Umfrage unter Strategen lag bei einem Rückgang auf 1,36 Dollar bis 30. Juni und 1,30 Dollar bis Jahresende. Zuletzt notierte der Euro bei 1,3795 Dollar.

Draghi sagte gegenüber Journalisten auf der Tagung des Internationalen Währungsfonds in Washington am 12. April, der Wechselkursanstieg erfordere “weitere geldpolitische Anreize.” Zwar ist der Euro im Londoner Handel am Montag um 0,5 Prozent gefallen, der größte Rückgang seit dem 19. März, er notiert aber immer noch 0,6 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Gestützt wird die Gemeinschaftswährung von Spekulationen, dass die Fed das Tempo möglicher Zinserhöhungen nicht vorantreiben wird sowie vom Appetit der Investoren auf höher verzinsliche Vermögenswerte. So war die griechische Euro-Bondemission, die vergangene Woche das Ende des vierjährigen Exil des Landes von den internationalen Bondmärkten markierte, überzeichnet.

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