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18.01.2013

08:41 Uhr

Geldpolitik

Japan vor neuer Geldschwemme

Japans Notenbank erwägt so viel Staatsanleihen zu kaufen, bis zwei Prozent Inflation erreicht sind. Laut eines Regierungsberaters soll sich der Yen-Kurs bei 100 einpendeln. Der Euro hält sich bei 1,34 Dollar.

Währungstafel in Tokio. AFP

Währungstafel in Tokio.

Tokio/FrankfurtJapans Notenbank erwägt Kreisen zufolge, ihrer lockeren Geldpolitik neue Dimensionen zu geben. Die Währungshüter würden auf ihrer zweitägigen Sitzung in der kommenden Woche prüfen, ob sie sich verpflichteten, so lange Staatsanleihen zu kaufen, bis das Inflationsziel von zwei Prozent in Sicht sei, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. In Erwägung werde auch gezogen, die Zinsen, die die Zentralbank auf die Reserveeinlagen von Banken zahlt, zu kassieren. Sollte die Bank of Japan (BOJ) hinter diesen Erwartungen zurückbleiben, dürfte dies für Enttäuschung bei Investoren sorgen.

Wie Notenbanken am Devisenmarkt intervenieren

Wie kann die japanische Zentralbank eingreifen?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden. Japan hat in diesem Fall also Yen in großen Mengen abgestoßen.

Welche Erfolgsaussichten hat der Eingriff?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Das ist dieses Mal nicht der Fall: Japan hat allein gehandelt. Die letzte gemeinsame Intervention gab es am 18. März, kurz nach der Atomkatastrophe von Fukushima, als die Bank of Japan (BOJ), die Europäische Zentralbank (EZB), die Federal Reserve (Fed) aus den USA und die anderen Notenbanken der sieben wichtigsten Industrieländer interveniert hatten, um den Höhenflug des Yen zu stoppen.

Kann die Zentralbank die Währung dauerhaft abwerten?

Ob das Ziel dauerhaft erreicht wird, ist keineswegs sicher. Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Falls nun etwa die Fed ihre Geldpolitik weiter lockern sollte, um die ebenfalls schwächelnde US-Wirtschaft in Gang zu bringen, dürfte der Dollar an Wert verlieren. Dann könnte Japan zu weiteren Interventionen gezwungen sein.

Welche Erfahrungen wurden in der Vergangenheit gemacht?

Zuletzt hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) während der europäischen Schuldenkrise 2010 versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro durch einen Eingriff am Devisenmarkt zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker werfen der SNB vor, dass der Alleingang nichts gebracht hat.

Droht auch Europa ein Eingriff?

Die EZB intervenierte zum ersten und - bis zur Japan-Entscheidung - einzigen Mal im Herbst 2000 an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cent.

Vize-Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura sagte Reuters, Regierung und Notenbank hätten sich bereits darauf geeinigt, das Inflationsziel auf zwei Prozent zu verdoppeln. Es sei noch unklar, ob die Notenbank künftig die Förderung des Jobmarktes in ihr Mandat aufnehme. Die neue Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte nach Machtübernahme den Druck auf die Währungshüter deutlich erhöht, die Geldpolitik weiter zu lockern. Erwartet wird auch, dass die Notenbank ihr bereits auf umgerechnet rund 900 Milliarden Euro (101 Billionen Yen) angewachsenes Programm zum Anleihe-Kauf und zur Kreditvergabe aufstockt. Koichi Hamada, ehemaliger Yale-Professor und Berater von Premier Abe, gab während einer Rede in Tokio eine Einschätzung ab, auf welchem Level sich der Yen einpendeln sollte: "Ich denke, 100 Yen für einen Dollar sind ein gutes Level für Japan, 110 Yen dagegen sind zu viel." Der Yen müsste auf ein Niveau zurückgebracht werden, mit dem die japanische Wirtschaft gut arbeiten könnte. Derzeit notiert der Dollar bei 90 Yen.

Devisen: Der Euro setzt Höhenflug fort

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Die europäische Währung steigt und steigt.

Währenddessen hält sich der Euro knapp unter der Marke von 1,34 US-Dollar und damit in der Nähe seines Elf-Monatshochs gehalten. Im frühen Handel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,3385 Dollar. Zu Beginn der Woche hatte der Euro bei 1,3404 Dollar den höchsten Stand seit Februar 2012 erreicht. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3368 (Mittwoch: 1,3277) Dollar festgesetzt.

Im frühen Handel rechnen Experten zunächst nicht mit viel Bewegung beim Kurs des Euro. Abgesehen von etwas besser als erwartet ausgefallen Konjunkturdaten aus China fehlen die Impulse. Erst am Nachmittag könnte die Veröffentlichung von US-Konjunkturdaten noch einmal für etwas mehr Bewegung sorgen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

18.01.2013, 10:17 Uhr

Also wer wirklich mal Inflation erleben will, der soll nach Japan fliegen und mit dem voellig ueberteuerten Taxi in das voellig ueberteuerte Hotel fahren und ein gerade noch finanzierbares, aber auch voellig ueberteuertes Junkfood konsumieren. But up to them - es gibt keine Inflation. Bernanke wird folgen ;-) Ja und unser... Egal wer, es gibt keine Inflation!

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