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01.06.2013

02:57 Uhr

Geldwäsche-Skandal

Liberty-Reserve-Coup war jahrelang vorbereitet

Die Zerschlagung der „Bank der Wahl für die Unterwelt“ kam für die breite Öffentlichkeit als Überraschung. Doch die US-Behörden wurden bereits vor Jahren auf den größten Geldwäsche-Ring der Geschichte aufmerksam.

Staatsanwalt Preet Bharara bei der Bekanntgabe des Coups am Mittwoch. Reuters

Staatsanwalt Preet Bharara bei der Bekanntgabe des Coups am Mittwoch.

San JoseDas Internet-Bezahlsystem Liberty Reserve hat sich schon seit mehreren Jahren im Visier der Ermittler befunden. Erstmals hätten im Jahr 2009 und 2010 Banken verdächtige Transaktionen gemeldet, erklärte der stellvertretende Direktorin der Antidrogenbehörde in Costa Rica, Bernardita Marin, am Freitag.

Daraufhin habe man Untersuchungen eingeleitet, die Staatsanwaltschaft ermittele seit 2011. In diesem Jahr hätten auch die USA Costa Rica über mögliche kriminelle Aktivitäten des Unternehmens informiert, das seinen Sitz in dem mittelamerikanischen Land hatte.

Wie das System Liberty Exchange funktionierte

Wie soll die Geldwäsche funktioniert haben?

Nutzer von Liberty Exchange konnten sich gegenseitig online Geld überweisen. Dabei durfte man auch jegliche falsche Angaben zur eigenen Person machen, vom Namen bis zur Adresse - denn Dokumente musste niemand vorzeigen. An der Tagesordnung waren Namen wie „Russia Hackers“ oder „Hacker Account“. Zudem wurden die Überweisungen in der hauseigenen Einheit „LR“ verschickt. Man konnte die Liberty-Reserve-Währung bei mehreren Wechseldiensten kaufen und wieder in offizielle Währungen umtauschen. Mit diesem zweistufigen System waren die Geldströme für Behörden nicht mehr nachzuverfolgen.

Wer waren die Kunden von Liberty Reserve?

Laut Anklage der US-Behörden wurde der Dienst genutzt, um zum Beispiel Einkünfte aus dem Drogenhandel, illegalem Glücksspiel oder Betrugsdelikten zu waschen - aber auch um kriminelle Geschäfte abzuwickeln, etwa wenn man einen Hacker für erbeutete Kreditkarten-Informationen bezahlen wollte. Die Ermittler gehen davon aus, dass so gut wie das gesamte Zahlungsvolumen von rund sechs Milliarden Dollar aus kriminell erworbenen Geldern bestand. Kunden, die durch das Vorgehen der Behörden rechtmäßige Einnahmen verloren haben sollten, wurden aufgerufen, sich zu melden.

Könnten die Geldwechsler einen Hinweis auf die Kunden liefern?

Kaum, denn die empfohlenen Wechseldienste mit Namen wie Swiftexchanger oder AsianaGold gehörten nach Erkenntnissen der Ermittler zum System von Liberty Reserve dazu. Sie waren in Ländern mit lascher Finanz-Aufsicht wie etwa Nigeria oder Vietnam angesiedelt. Die Domainnamen hätten den Betreibern von Liberty Reserve gehört.

Wie verdiente Liberty Reserve mit?

Der Bezahldienst nahm als Kommission ein Prozent des Überweisungsbetrags und erhob zusätzlich eine „Privatsphären-Gebühr“ von 75 US-Cent pro Zahlung. Dafür wurde die Kontonummer des Überweisenden bei Liberty Reserve unkenntlich gemacht.

Was ist der Unterschied zu anderen digitalen Währungen wie Bitcoin?

Auch der Bitcoin ist eine unregulierte künstliche Digitalwährung. Sie wird aber in einem komplizierten und rechenaufwendigen Prozess erstellt, außerdem ist das Bitcoin-Volumen drastisch eingeschränkt, was die Währung unattraktiv für Geldwäsche macht.

Liberty Reserve steht im Mittelpunkt eines der größten Geldwäsche-Skandale der Geschichte. Rund sechs Milliarden Dollar aus dunklen Kanälen und kriminellen Machenschaften weltweit sollen über das System in den Wirtschaftskreislauf geflossen sein. Der Gründer Arthur Budovsky sowie mehrere mutmaßliche Komplizen wurden festgenommen.

Nachdem die Behörden am Mittwoch vom Coup berichtet hatten, sind Online-Währungen unter Druck geraten. Am Freitag hat die größte Börse für die Internetwährung Bitcoin ihre Bestimmungen verschärft. Kunden von Mt. Gox müssen sich ab sofort ausweisen, wenn sie Geld in Bitcoins umtauschen wollen. Einlagen und Abhebungen bleiben weiterhin anonym möglich.

Bei Liberty Reserve war Anonymität oberstes Gebot – selbst wenn ein Nutzer als Verwendungszweck „Für Kokain“ angegeben hatte, oder seine Adresse als „Gefälschte Haupstraße“ war, war ein Umtausch problemlos möglich.

Von

ap

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

01.06.2013, 15:07 Uhr

Liebe JournalistInnen, hier handelt es sich um ein alternatives Bezahlsystem ohne staatliche Totalkontrolle, dh. außerhalb der Staats-Geldmonopolisten und ihrer im großen Stil geldwäschenden Bankenmafia. Das kann und darf natürlich auf Dauer nicht geduldet werden! Konkurrenz belebt, nein falsch, verdirbt das Geschäft - das ist das Credo dieser Gruppe.

Wenn es um den Titel "Bank der Unterwelt" und um Geldwäsche geht, dann dürfte die HSBC der Gewinner sind, dicht gefolgt von den anderen Geldwäsche-Großbanken (insbesondere für Drogengeld und Waffengeschäfte). Das ist übrigens keine "Verschwörungstheorie" sondern eine gerichtlich festgestellte Tatsache. Die Bank wurde dabei "hart" verurteilt zu Strafzahlungen im Portokassenbereich (relativ zur Bankgröße). Andersgesagt, die Aktionäre (darunter viele ahnungslose Kleinaktionäre) wurden hart finanziell bestraft, dafür sind die verantwortlichen Manager und deren Strippenzieher jetzt von jeglicher Strafe freigestellt und müssen sich vor keinen künftigen Verfahren, gar strafrechtlicher Natur fürchten. Das nennt man, glaube ich "Rechts-Sicherheit"!! Diese Leute sind sicher vorm Recht.

www_mmnews_de

01.06.2013, 18:07 Uhr

Liberty Reserve Aus: Droht nun die globale Enteignung?

Nach Zypern und dem bekannten Online Bezahldienst Liberty Reserve (ähnlich wie PayPal) geht die orwell'sche Enteignung in die nächste Runde. Mit der Schließung von LR wurden eine Millionen Kunden ausgeraubt. Was droht als Nächstes?

Dabei geben die Mainstreammedien unumwunden zu was den Eliten bei Liberty Reserve tatsächlich ein Dorn im Auge war: nämlich die Tatsache dass LR keiner staatlichen Regulierung (und somit Kontrolle) unterlag. Der vorgeschobene Vorwand der Geldwäsche ist an Chuzpe echt nicht zu überbieten!

Sind es doch gerade die weltweiten Großbanken, die aktiv Geldwäsche betreiben und sowohl aktiv als auch passiv in illegale Geschäfte jedweder Art verwickelt sind.

Die Geldschöpfung aus dem Nichts und die Frechheit, dafür auch noch Zinsen zu verlangen, bleibt als der wahre größte Finanzskandal natürlich weiterhin ungestraft.

Dabei kann heute Jeder ganz leicht nachvollziehen, dass dieses Schneeballsystem nur einseitig funktioniert: das Vermögen von unten nach oben zu transferieren.

Das Schuldgeldsystem, welches uns Menschen zu Sklaven in Knechtschaft gemacht und nachweislich weltweit Kriege mit Hunderten Millionen Toten sowie Hunger und Armut verursacht hat ist das größte Verbrechen dieser Banken und den dahinter stehenden Eigentümern in unserer Menschheitsgeschichte.

Manipulation und Einstimmung der Massen

Die Menschen sollen durch diese Aktionen gezielt dahingehend programmiert werden, dass alternative Zahlungsmodalitäten generell dubios bzw. alles was nicht irgendwie staatlich kontrolliert ist automatisch kriminell sein muss. Diese Gehrinwäsche übernehmen die kontrollierten Massenmedien, die wie Prostituierte auf Befehl ihrer Zuhälter (Banker und Regierung) dann heischend und mit großem Tamtam die Trommel rühren und sich dabei auch keineswegs schämen sich lächerlicher Klischees zu bedienen. ("Würde Al Capone heute leben, würde er so sein Geld verstecken.")

artur_budovsky@yahoo.com

02.06.2013, 22:34 Uhr

Wenn heute Liberty Reserve von den Behörden (denen der USA, wessen sonst?) geschlossen wird und die sogenannten "Hintermänner" verhaftet werden, wird sich morgen ein Ersatz für dieses System etablieren! Warum? Weil es dafür eine Nachfrage gibt! Wo Licht ist, ist auch Schatten! Dies war immer so und wird auch immer so sein! Dort wo die Staaten zu weit und zu drastisch in die Freiheiten ihrer Bürger eingreifen, werden diese immer nach Freiräumen und Auswegen suchen. Das Internet garantiert ihnen hierfür - zumindest derzeit noch - einen Platz. Diskussionen über Urheberrechte, Drogenfreigaben und soziale Ungerechtigkeit sind Indikatoren hierfür. Liberty Reserve zeigt, wie groß das Bedürfnis der Menschheit auf ein Recht nach Selbstbestimmung ist. Free the internet! Knowlegde is free! We are anonymous! We are legion! We do not forgive! We do not forget! Expect us!

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