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06.02.2012

15:59 Uhr

Gemeinschaftswährung

Drohende Griechenland-Pleite belastet Euro

Die EU-Schuldenkrise hat den Euro am Montag belastet. Immer mehr Investoren stellen sich auf eine griechische Staatspleite ein. Die Gemeinschaftswährung fiel angesichts dessen bis auf 1,3028 Dollar.

Immer mehr Investoren rechnen mit der Staatspleite Griechenlands. dpa

Immer mehr Investoren rechnen mit der Staatspleite Griechenlands.

FrankfurtEntnervt vom Gezerre um die griechischen Schulden haben Investoren am Montag den Euro verkauft. Am Rentenmarkt legten sich auf Sicherheit bedachte Anleger Bundesanleihen ins Depot. Zwar hoffe das Gros der Investoren nach wie vor auf eine Einigung Athens mit seinen Gläubigern, sagten Händler. Das Lager derjenigen, die sich auf eine Staatspleite einstellten, wachse aber.

„Eigentlich kann man im Moment nichts tun außer die Schlagzeilen zu lesen und abzuwarten“, sagte ein Händler. „Man hat den Eindruck, man verfolgt einen rein verbalen Schlagabtausch, aber nichts geht vorwärts. Also machen auch die meisten Investoren nichts, sondern halten sich einfach raus.“ Am Wochenende hatten sich die griechischen Parteien zwar auf einen Sparplan geeinigt. Die Zustimmung zu wichtigen Forderungen der Geldgeber EU, EZB und IWF steht allerdings noch aus. Dabei geht es unter anderem um den Mindestlohn und um Hilfen für den angeschlagenen Bankensektor. Aus EU-Kreisen hieß es, das klamme Mittelmeerland hätte den Bedingungen des Kreditprogramms schon am Wochenende zustimmen müssen, um sich die dringend benötigte nächste Kreditzahlung zu sichern. Auch die Einigung mit den privaten Gläubigern - ebenfalls eine Bedingung für die Auszahlung des Geldes - steht weiter aus. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker brachte erstmals die Möglichkeit einer Staatspleite ins Spiel.

„Somit stellt sich für griechische Politiker jetzt die Frage 'Selbstmord aus Angst vor dem Tod' zu begehen oder wie die griechischen Helden, Schmerz mannhaft zu ertragen“, sagte der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. „Man sollte sich ein Beispiel an Odysseus nehmen. Dann klappt das auch mit Griechenland.“ Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3028 (spätes Vorwochengeschäft: 1,3145) Dollar. Zehnjährige Bundesanleihen stiegen in der Spitze um 73 Ticks auf 101,28 Zähler. Relativ stabil hielten sich die Renditesätze für Italien. Zehnjährige Papiere rentierten mit 5,69 (Freitagabend: 5,704) Prozent und blieben damit unter der psychologisch wichtigen Marke von sechs Prozent. Händler führten das vor allem auf die geringen Volumina zurück.

Etwas Entspannung war auch mit Blick auf Portugal zu beobachten: Die Rendite für portugiesische Zehnjährige ging leicht zurück auf 13,84 (14,16) Prozent. Vor einer Woche war der Satz bis auf 19,6 Prozent nach oben geschnellt, bröckelte dann aber sukzessive wieder ab. Viele Experten gehen davon aus, dass Portugal nach Griechenland der nächste Kandidat für ein zweites Rettungspaket werden könnte.

Von

rtr

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