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16.01.2008

18:07 Uhr

Gemeinschaftswährung schwächelt

Konjunkturängste erreichen Euro

Die Angst vor einem Konjunkturabschwung hat am Mittwoch auch den Euro erreicht. Nach pessimistische Aussagen von EZB-Ratsmitglied Yves Mersch büßte die Gemeinschaftswährung binnen weniger Minuten einen US-Cent ein.

HB FRANKFURT. Die Angst vor einem Konjunkturabschwung hat am Mittwoch auch den Euro erreicht. Die Gemeinschaftswährung büßte binnen weniger Minuten einen US-Cent auf knapp 1,46 Dollar ein. Auslöser waren Händlern zufolge pessimistische Aussagen von EZB-Ratsmitglied Yves Mersch zu den Konjunkturaussichten in der Euro-Zone. „Da kommen dann noch technische Faktoren dazu, da der Euro zuletzt die 1,49 Dollar nicht knacken konnte“, sagte ein Händler. Mersch hatte laut Bloomberg erklärt, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Wachstumsprognose für 2008 senken und die Abwärtsrisiken für das Wachstum in der Euro-Zone hätten sich verstärkt.

„Der Handel ist sehr nervös“, erklärte Händler Uwe Janz von MM Warburg. „Mersch hörte sich nicht so hawkish wie Trichet an, deshalb haben einige das als Entschuldigung genommen, Euro zu verkaufen.“ Trichet hatte zuletzt erklärt, dass sich die EZB eher um die Inflation als eine mögliche Konjunkturflaute sorge. Händler warnten aber davor die Kursbewegung überzubewerten.

„An der fundamentalen Einschätzung hinsichtlich der US-Konjunktur hat sich nicht viel geändert“, erklärte ein Händler. Allerdings bewerteten die Märkte am Mittwochabend die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung in den USA von 75 Basispunkten Ende des Monats etwas geringer als noch am Morgen. Stattdessen nahm die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung von einem halben Prozentpunkt auf dann 3,75 Prozent auf 58 Prozent von knapp über 50 Prozent am Morgen zu. Dazu trugen Händlern zufolge die US-Konjunkturdaten bei. Die Verbraucherpreise waren in etwa wie erwartet, die Industrieproduktion aber sogar besser als prognostiziert ausgefallen.

Dies stützte am Nachmittag auch den Dollar zum Yen. Die US-Währung erholte sich auf über 107 Yen von zeitweise weniger als 106 Yen. Auch zum Schweizer Franken holte der Dollar auf rund 1,10 Franken auf, nachdem er am Morgen mit 1,0839 Franken noch ein Rekordtief aufgestellt hatte. Auch der Euro ließ zum Yen und Franken Federn. Im Referenzkursverfahren der Banken (EuroFX) rutschte die Gemeinschaftswährung auf 156,78 (Vortag 160,23) Yen und auf 1,6131 (1,6218) Franken.

Die wachsende Risikoscheu der Anleger und die Mersch-Aussagen am Nachmittag gaben den Staatsanleihen weiter Auftrieb. Der Bund-Future notierte am Abend mit 116,24 Punkten 43 Ticks höher als am Vorabend. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel erstmals seit März vorigen Jahres wieder unter vier Prozent notierte am Abend bei 3,974 Prozent.



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