Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.06.2015

10:39 Uhr

Gemeinschaftswährung trotzt Griechen-Krise

Die wundersame Entwicklung des Euro

Krise? Welche Krise? Trotz anhaltender Griechenland-Sorgen zeigt sich der Euro stabil und steht sogar vor einem weiteren Monatsplus gegenüber dem Dollar. Experten rätseln, warum das so ist – und warnen.

„Kein zweites Griechenland“

Junckers und Draghis Rettungsplan für Europa

„Kein zweites Griechenland“: Junckers und Draghis Rettungsplan für Europa

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Bei einem Blick auf den Euro käme derzeit niemand auf die Idee, dass er in seiner Existenz gefährdet ist. Während das Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion näher zu rücken scheint, steht die Gemeinschaftswährung vor ihrem zweiten Monatsplus gegenüber dem Dollar seit einem Jahr.

Strategen nennen mehrere Gründe für die Widerstandsfähigkeit des Euro. Einerseits seien da die Vermögensverwalter, die sich von Anleihen und Aktien trennen und dabei Euro-Absicherungen aufgeben. Andererseits seien viele immer noch optimistisch, dass Griechenland mit seinen Gläubigern eine Einigung in letzter Minute erzielt.

Auf längere Sicht bietet sich allerdings ein weniger rosiges Bild. Optionen zum Schutz gegen eine Abwertung des Euro sind so teuer wie zuletzt 2012. Ein Ausscheiden Griechenlands würde den Euroraum in unbekanntes Terrain befördern und möglicherweise die gesamte Währungsunion gefährden.

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

„Das Risiko eines Austritts Griechenlands ist nicht wirklich eingepreist“, sagte Eimear Daly, Devisenstratege bei Standard Chartered in London. „Der Markt ist es leid, auf diese Schlagzeilen hin zu handeln, und dann ist da noch die Frage: 'Wie wettet man auf einen Euro ohne Griechenland?'“

Die große Sorge der Europäischen Union im Hinblick auf einen Austritt Griechenlands: die Möglichkeit einer Ansteckung und die Frage, ob andere Länder sich veranlasst fühlen könnten, ihren eigenen Platz in der Währungsunion zu überdenken. Es könnte sich herausstellen, dass der Euro als politisches Projekt „mit Sicherheit umkehrbar ist“, sagte Neil Jones von der Mizuho Bank in London.

Der Euro hat in diesem Monat mit seinen ergebnislosen Krisengesprächen immer wieder aufgewertet. In der vergangenen Woche legte die Gemeinschaftswährung an drei von fünf Handelstagen zu und lag zum Wochenschluss mit 1,1352 Dollar 8,5 Prozent über einem im März erreichten Zwölf-Jahres-Tief. Am Montagmorgen verbesserte sich der Euro zum Dollar weiter und notierte 0,2 Prozent im Plus bei 1,1379 Dollar je Euro.

„Der Nachrichtenstrom aus Griechenland und Brüssel hat praktisch keinen Einfluss auf den Euro“, sagte Ulrich Leuchtmann, leitender Devisenstrategie bei der Commerzbank in Frankfurt. „Was immer man von der Möglichkeit eines griechischen Austritts hält – diese Wahrscheinlichkeit hat sich in der vergangenen Woche verändert. Dennoch ist der Euro diesen Änderungen gegenüber immun.“

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Doro Mann

22.06.2015, 12:01 Uhr

Ich habe auch von einem Experten gehört, dass nach einem Grexit der Osterhase nicht mehr kommen würde.

Herr Vitto Queri

22.06.2015, 12:56 Uhr

>>Krise? Welche Krise? Trotz anhaltender Griechenland-Sorgen zeigt sich der Euro stabil und steht sogar vor einem weiteren Monatsplus gegenüber dem Dollar. >>

Griechenland ist der Anfang vom Ende des Spaltpilzes € !

€ ist das Schlimmste, was man den Europäern nach dem 2 WK angetan hat.

Herr Stephen Back

22.06.2015, 13:36 Uhr

Jeder weiss bezw. ahnt, dass der € nur deshalb stabil ist, weil die EZB interveniert.
Draghi hat wiederholt gesagt, dass der € unter seiner Regie nicht untergehen wird.
Immerhin die EZB ist nunmal die einzige aktionsfähige EU-Institution die eingreifen
kann. Demgegenüber steht Onkel Juncker bezw. die zerstrittenen EU-Politiker die
selbst durch bzankrotte Griechen manövriert werden können. Fazit: Vorsicht vor
dem "stabilen" €, eine stabile Währung erfordert beeindruckende Politiker und
keine europäischen Weicheier!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×