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31.10.2014

10:58 Uhr

Gold als Alternative

Die AfD kauft Gold – zurecht?

Der Goldpreis stürzte im vergangenen Jahr ab, dieses Jahr geht es kaum voran. Spekulanten steigen auf der Suche nach mehr Rendite aus. Was motiviert Goldfans wie die AfD, jetzt beim Edelmetall einzusteigen?

Goldbarren unterschiedlicher Größe: Ist Gold jetzt eine gute Alternative? dpa

Goldbarren unterschiedlicher Größe: Ist Gold jetzt eine gute Alternative?

New YorkDie Alternative für Deutschland hat mit ihrem Einstieg in den Goldhandel für viel Wirbel gesorgt. Parteichef Bernd Lucke machte zuletzt in der Talkshow „Hart aber fair“ unverhohlen Werbung für das Edelmetall - und erntete dafür viel Kritik. Wer einen Blick auf den Goldchart wirft und sich unter Marktexperten umhört, stellt sich indes fast zwangsläufig die Frage, ob der Münz- und Barrenkauf, den die rechtskonservativen D-Mark-Anhänger anbieten, derzeit eine gute Idee ist.

Nachdem der Goldpreis im letzten Jahr um mehr als 400 Dollar abgestürzt war, ging es 2014 zunächst wieder mühsam bergauf. Doch im Oktober büßte das Edelmetall seine Gewinne wieder ein und stand zuletzt bei etwa 1200 Dollar. Der kleine Bruder Silber geriet noch heftiger unter die Räder und fiel auf den tiefsten Stand seit März 2010. „Spekulanten steigen aus und schauen sich nach renditestärkeren Alternativen um“, sagt Analyst Jasper Lawler vom Handelshaus CMC Markets. Anders als viele Wertpapiere werfen Edelmetalle keine Zinsen ab.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Deshalb liegt ein Grund für die trüben Perspektiven beim Edelmetall in der Aussicht auf steigende Leitzinsen in den USA. Am Mittwoch beschloss die US-Notenbank Fed bereits, das milliardenschwere Anleihekaufprogramm zu beenden, mit dem sie die Konjunktur zwei Jahre lang gestützt hatte. Sollte die Wirtschaft ihre aktuelle Fitness behaupten, könnte auch die Zinspolitik bald gestrafft werden. „Die Fed dürfte die Zinsen früher anheben als allgemein erwartet, möglicherweise bereits im März“, sagt US-Chefökonom Paul Ashworth vom Analysehaus Capital Economics.

Steigende Leitzinsen - das bedeutet weniger billiges Geld und damit tendenziell weniger Inflationsgefahr. Gold verliert dadurch an Attraktivität, denn es ist besonders als Wertspeicher bei ausufernder Teuerung gefragt. Zudem wird das Edelmetall vorwiegend in Dollar gehandelt und verteuert sich entsprechend, wenn die US-Währung aufwertet. Genau das ist momentan der Fall. Weil Amerika wirtschaftlich besser in Form ist als beispielsweise die Eurozone, setzen die Finanzmärkte auf den Dollar statt auf den Euro.

Eine Hoffnung für Goldfans gibt es allerdings. Wenn der US-Notenbank der reibungslose Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik misslingt, könnte es zu Turbulenzen an den Märkten kommen, die das Edelmetall als Antikrisenwährung profitieren lassen. „Wir haben noch nie Erfahrungen mit einer vergleichbaren Situation gemacht“, sagte der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Denkfabrik Council of Foreign Relations in New York - und empfahl, sich mit Gold abzusichern.

Finanzberater empfehlen das Edelmetall wegen seiner hohen Schwankungsanfälligkeit ohnehin nur als Beimischung im Portfolio. Bei der AfD scheint der Goldverkauf unterdessen allen Widrigkeiten zum Trotz zumindest gut angelaufen zu sein. AfD-Sprecher Christian Lüth sagte Anfang Oktober, die Partei habe in den ersten 48 Stunden bereits Münzen und Barren für mehr als 210.000 Euro verkauft.

Von

dpa

Kommentare (25)

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Herr Thomas Albers

31.10.2014, 11:11 Uhr

"Eine Hoffnung für Goldfans gibt es allerdings. Wenn der US-Notenbank der reibungslose Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik misslingt, könnte es zu Turbulenzen an den Märkten kommen, die das Edelmetall als Antikrisenwährung profitieren lassen. "

Ich würde als Hauptargument ein Aufflammen der Euro-Krise anführen. Allerdings nicht als Argument in Gold einzusteigen, sondern seine Edelmetall-"Versicherung" über Gebühr aufzulösen.

Ein anderes Argument ist das Schweizer Goldreferendum - ich kann mir allerdings nicht so recht vorstellen, dass man hierfür Mehrheiten findet.

G. Nampf

31.10.2014, 11:14 Uhr

"Anders als viele Wertpapiere werfen Edelmetalle keine Zinsen ab."

Selbst wenn man wie ich sehr skeptisch gegenüber Gold ist:

Anders als "Wert"papiere kannn man Gold nicht per Tastendruck aus dem Portfolio löschen.

Herr wulff baer

31.10.2014, 11:18 Uhr

Käufer von physischem Gold sind Hellseher, denn sie wissen, dass Gold jeden wertlosen Papierkram überleben wird.

Vielen Dank auch jetzt wieder an unsere Londoner Finanzganoven für die prompte Goldpreis-Manipulation nach unten.

Jetzt kaufen wir wahren Goldcracks kräftig nach.

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