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08.02.2016

13:55 Uhr

Gold, Eisenerz, Öl

Afrikas Rohstoff-Dilemma

Nach dem drastischen Verfall der Rohstoffpreise erwarten Experten ein schmerzvolles Jahr für Afrikas Bergbausektor. Auch ausländische Investoren sind betroffen. Doch die sehen die Krise auch als Chance.

Gold, Eisenerz, Öl, Kohle, Platin, Silber und Kupfer: Afrika ist reich an Bodenschätzen. Doch die Kurse sind im Keller und das belastet die Bergbauindustrie sehr. dpa

Goldmine in Afrika

Gold, Eisenerz, Öl, Kohle, Platin, Silber und Kupfer: Afrika ist reich an Bodenschätzen. Doch die Kurse sind im Keller und das belastet die Bergbauindustrie sehr.

KapstadtEinst waren sie wortwörtlich Boden-Schätze: Gold, Eisenerz, Öl, Kohle, Platin, Silber und Kupfer. Doch nun sind die Kurse im Keller, die Rohstoffe viel weniger wert. Experten rechnen mit einem weiteren schmerzvollen Jahr für den afrikanischen Bergbau.

Sparmaßnahmen werden auf der Tagesordnung stehen, warnt die Unternehmensberatung Deloitte in ihrer Konjunkturprognose für 2016. Firmen müssten ihre Kosten bis an die Schmerzgrenze minimieren, um profitabel zu bleiben. Zahlreiche Fusionen und Unternehmenskäufe stünden bevor.

Wie man den Gürtel enger schnallt, wird auch auf der „Mining Indaba“ ein Thema sein. Die mit 7000 Teilnehmern weltweit größte Konferenz der Bergbauindustrie beginnt am Montag im südafrikanischen Kapstadt.

Die niedrigen Preise treffen Afrikas Volkswirtschaften und Bergbauunternehmen hart, denn etwa 30 Prozent der weltweiten Mineralreserven befinden sich nach Angaben der afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) auf dem Kontinent. Afrika mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern ist für ein Zehntel der globalen Ölproduktion und zwei Drittel aller abgebauten Diamanten verantwortlich.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Auch ausländische Investoren sind massiv von dem Preisverfall betroffen. Immerhin war Afrika mit Direktinvestitionen von rund 45 Milliarden Euro nach Angaben der Unternehmensberatung Ernst & Young 2015 das zweitgrößte Investitionsziel der Welt. Der Großteil der Summe floss in den Bergbausektor. Das könnte sich jedoch ändern.

„Investoren werden ihre Optionen über die nächsten Jahre extrem vorsichtig abwägen“, sagt Ross Harvey, Bergbauexperte des Südafrikanischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (SAIIA). Die besten Aussichten auf Anlagen aus dem Ausland hätten gut verwaltete Projekte, die nahe an Produktionsstätten liegen und gesunde Kapitalflüsse vorweisen könnten. Die Chancen für Länder, die für Korruption, schlechte Arbeitspraktiken oder fehlende Umweltschutzmaßnahmen bekannt seien, stünden hingegen schlecht.

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