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13.06.2015

10:29 Uhr

Gold in der Krise

Wenn selbst die Münzsammler nicht mehr kaufen

Selbst die treusten Fans des Edelmetalls bleiben nun bei Goldkäufen zurückhaltend. Experten sprechen von einer „kompletten Kapitulation“. Doch einige Banken haben noch Hoffnung.

Goldbarren und Goldmünzen bei einem Goldhändler in München dpa

Gold

Goldbarren und Goldmünzen bei einem Goldhändler in München

Münzsammler haben sich bisher als treue Goldfans erwiesen. Selbst in den vergangenen Jahren, als der Preis für das Edelmetall sank und sank, blieben Goldmünzen vergleichsweise gefragt. Doch nun verschmähen selbst die treuen Anhänger den glänzenden Rohstoff – und zwar international.

Beim Bullion Trading LLC-Shop in New York brachen die Absätze mit Münzen aus Edelmetallen im Mai um 35 Prozent ein, wie deren Eigentümer Isaac Kahan zu berichten weiß. Auch die weltweit größte zentrale Münze, US Mint, hat im Mai den schwächsten Absatz der Goldmünzen „American Eagle“ seit acht Jahren verzeichnet. Ähnliche Signale kommen aus Australien, dem weltweit zweitgrößten Produzenten von Goldmünzen. Einer Prognose von TD Securities wird die Nachfrage für Edelmetallmünzen weltweit voraussichtlich auf den niedrigsten Stand seit 2008 fallen.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

„Viele Münzkäufer waren stets geradezu fanatische Anhänger von Gold als Investment. Wenn selbst die jetzt wegbleiben, dann muss sie etwas vom Glauben abgebracht haben“, sagt der Marktstratege Phil Streible von RJO Futures in Chicago, der sich seit 15 Jahren mit der Goldpreisentwicklung auseinandersetzt. Sein Fazit: „Die Nachfrage für sämtliche Arten physischen Goldes ist angeschlagen.“

Der Goldpreis ist bereits seit etwa zwei Jahren in einem Bärenmarkt gefangen. Sorgen um eine stärkere Inflation haben sich im Laufe dieser Zeit als übertrieben erwiesen, der Dollar ist wieder erstarkt - vor allem aber haben die Aktienkurse in den USA Rekordniveaus erreicht.

Bestätigt wird das einbrechende Interesse am gelben Edelmetall von den schwindenden Zuflüssen in mit Gold unterlegten ETFs, die auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen sind. Überdies lässt die Nachfrage für Gold zur Verwendung in der Schmuckindustrie zunehmend nach – im ersten Quartal um fünf Prozent, wie das World Gold Council im Mai mitteilte. Insbesondere verlaufe das Goldgeschäft im Nahen Osten und in China zurückhaltend.

„Was wir beobachten kommt einer kompletten Kapitulation gleich“, sagt der leitende Investmentstratege Rob Haworth von US Bank Wealth Management in Seattle. Er ist nach eigenen Angaben bei Rohstoffen einschließlich Gold derzeit untergewichtet. „Die physische Nachfrage ist sehr schwach und das lässt uns weiter fallende Notierungen erwarten“, sagt er weiter.

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