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18.11.2014

17:11 Uhr

Gold-Initiative

Die goldene Hintertür der Notenbank

VonHolger Alich

Sie ist eine Hoffnung aller Goldanleger: Die Initiative, über die die Schweizer Ende November abstimmen. Sie soll die Notenbank zwingen, 20 Prozent ihrer Reserven in Gold zu halten. Doch die Preis-Party könnte ausfallen.

Leuchtposter-Werbung mit den Aufschriften "Gold und Franken erhalten!" und "Volksvermögen schützen!" für das Volksbegehren in der Schweiz. Am 30. November sind fünf Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, darüber abzustimmen, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Goldreserven auf 20 Prozent aller Aktiva fast verdreifachen sowie sämtliche Goldbestände im Ausland heimholen muss und künftig kein Gold mehr verkaufen darf. dpa

Leuchtposter-Werbung mit den Aufschriften "Gold und Franken erhalten!" und "Volksvermögen schützen!" für das Volksbegehren in der Schweiz. Am 30. November sind fünf Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, darüber abzustimmen, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Goldreserven auf 20 Prozent aller Aktiva fast verdreifachen sowie sämtliche Goldbestände im Ausland heimholen muss und künftig kein Gold mehr verkaufen darf.

ZürichDie Welt scheint immer unsicherer zu werden: Der Ukraine-Konflikt schwelt vor sich hin, IS-Terror bedroht die zivilisierte Welt. Und nur die größten Optimisten glauben, dass die Staatschulden-Krise der Eurozone wirklich unter Kontrolle ist. Eigentlich sind das alles Argumente, auf Nummer sicher zu gehen; sprich, Gold zu kaufen. Doch seit Monaten kennt der Preis nur eine Richtung – nach unten. Mittlerweile notiert eine Feinunze (31,1 Gramm) bei nur noch 1200 US-Dollar. Mitte 2011 lag der Preis bei 1900 US-Dollar.

Rettung für Goldfans scheint aus der Schweiz zu kommen. Am 30. November stimmen die Eidgenossen über eine brisante Volksinitiative ab. Sie verlangt, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) mindestens 20 Prozent ihrer Reserven in Gold anlegen muss. Derzeit sind es rund acht Prozent. Und: Nie mehr soll die Notenbank ein Gramm Gold verkaufen dürfen.

Fünf Jahre soll die Notenbank Zeit bekommen, ihre Bilanz anzupassen , die derzeit rund 500 Milliarden Franken umfasst. „Stimmen die Schweizer der Volksinitiative zu, blieben der Nationalbank theoretisch zwei Möglichkeiten (…)“, schreibt Sören Hettler von der DZ Bank in einer Studie. „Um einen regelkonformen Goldanteil zu erreichen, müsste die SNB entweder ihren Goldbestand um 65 Milliarden Franken ausweiten (also mehr als verdoppeln) oder ihre Aktivseite, die zu einem Großteil aus Fremdwährungsreserven besteht, um 325 Milliarden Franken reduzieren.“

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Eine Bilanzschrumpfung – etwa durch Verkauf von Währungsreserven wie Euro-Papieren – kommt aber derzeit nicht in Frage. Denn durch Verkäufe von Euro-Beständen würde die Notenbank den Franken unter neuen Aufwertungsdruck setzen und die Kurs-Grenze von 1,20 Franken je Euro gefährden. Am Ende müsste die Notenbank dann wohl ihre Kursgrenze aufgeben – womit der Franken durch die Decke und die Schweizer Export-Wirtschaft in Folge dessen in die Knie gehen dürfte.

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„Damit bliebe für die Währungshüter also nur der Ankauf von Gold“, folgert der DZ-Experte. 65 Milliarden Franken entsprächen zu aktuellen Preisen rund 1700 Tonnen Gold, das zu kaufen wäre.
„Für Goldspekulanten kann es fast nichts Besseres geben, als zu wissen, dass jemand für rund 70 Milliarden Franken Gold kaufen muss und dieses danach nie mehr auf den Markt bringen kann“, sagt daher Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, zur „Sonntagszeitung“.

Kommentare (9)

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Herr Fritz Yoski

18.11.2014, 17:19 Uhr

Papier Gold mieten?
„Die SNB könnten Gold von Gegenparteien vor den monatlichen Bilanz-Stichttagen mieten, und es gegen Währungsreserven am nächsten Tag zurück tauschen“, erklärten die Deutsche-Bank-Analysten.
Wieso sollte die SNB Papiergold mieten, das koennen die auch selbst drucken.

Account gelöscht!

18.11.2014, 17:35 Uhr

Die Initiative einen festen Anteil am Volksvermögen in Gold zu halten, ist Blödsinn.

Damit wird es unmöglich, dem Euro in seiner Schwäche mit weiteren Ankäufen nach Drucken von Sfr entgegen zu treten.

Also wird der Sfr weiter steigen, ist nicht mehr aufzuhalten - und ruiniert die schweizerische Wirtschaft.

Das ist einfach zu verstehen, aber offenbar gibt es immer - selbst in der sonst so vernünftigen Schweiz - ein paar Nichtversteher, denen Konsequenzen ihres Handelns egal sind. Müssen Politiker sein, meist Sozialisten.

Herr x y

18.11.2014, 17:56 Uhr

Es gibt keinen Goldpreis, der auf dem Markt durch Angebot und Nachfrage zustande kommt. Das Londoner Goldfixing ist genau das, was der Name sagt, nämlich gefixt. In der Gaunersprache heißt das: manipuliert.

China schert sich den Teufel um den gefixten Goldpreis und kauft direkt, d.h. völlig intransparent.

Tatsachen sind indessen:

1- der Goldpreis wird durch exzessiven Handel mit Papiergold gedrückt, denn die Rückkehr zu einem noch so milden Goldstandard, wie es die Schweiz gerade versucht, wäre das Ende des gegenwärtigen Finanzsystems.

2- das meiste Gold ist bereits gefördert. Die noch ausbeutbaren Lager sind begrenzt.

3- der gegenwärtige Goldpreis ist für einen Großteil der Minen nicht mehr kostendeckend. Das heißt, daß die Produktion zurückgefahren wird. Schon jetzt ist der physische Markt ausgetrocknet. Versuchen Sie mal, 100 kg Gold zur Auslieferung zu kaufen. Da können Sie warten wie für einen Trabi in der Ostzone selig.

4- Für Platin gilt ähnliches beim gegenwärtigen Preis. Sechs Wochen Lieferfrist, um wenigstens einige Kilo vom größten europäischen Händler zu bekommen! Wehe, wenn die Autoindustrie nicht mehr genug bekommt.

Man muß keineswegs ein Untergangsprophet sein, um zu ahnen, daß es so nicht weitergehen kann. Selbst Sig. Draghi scheint inzwischen äußerst nachdenklich geworden zu sein, weil seine Medizin nicht mehr wirken wiil.

Frohe Weihnachten, jedenfalls.

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