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15.04.2011

16:56 Uhr

Gold und Silber

Anleger verlassen sich auf Edelmetalle

Krieg in Lybien, für Irland ein schlechtes Rating - von den schlechten Nachrichten rund um den Globus profitieren die Edelmetalle. Kupfer hingegen wird von Chinas Inflation ausgebremst.

Es bleibt bei Rekordpreisen für Gold. Quelle: dpa

Es bleibt bei Rekordpreisen für Gold.

Frankfurt Das anhaltende Sicherheitsbedürfnis von Anlegern hat den Goldpreis am Freitag erneut auf ein Rekordhoch getrieben. Die Feinunze des Edelmetalls verteuerte sich um bis zu 0,4 Prozent auf 1479,01 Dollar. Der Silberpreis legte um bis zu 1,3 Prozent auf 42,62 Dollar je Feinunze zu und erreichte damit ein neues 31-Jahres-Hoch.

"Gold und Silber profitierten im Gegensatz zu den anderen Rohstoffen von der negativen Nachrichtenlage", erläuterte LBBW-Rohstoffanalyst Sven Streitmayer. Mit der Heraufstufung des Atomunfalls in Japan auf das Niveau von Tschernobyl, den erneuten Diskussionen über die Stabilität des Euro-Systems und weltweit steigenden Inflationszahlen seien im Grunde alle Zutaten für eine verstärkte Edelmetall-Nachfrage zusammengekommen.

Eine erneute Herabstufung der Bonitätseinschätzung Irlands, in diesem Fall durch die Ratingagentur Moody's, rückte die Schuldenprobleme in einigen Ländern der Euro-Zone wieder in den Fokus. "Der Markt reagiert, um sich vor dieser Art von Risiken zu schützen", sagte Analyst Daniel Brebner von der Deutschen Bank. "Und Gold wird als ein Weg dafür betrachtet."

Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis in Dollar bereits um vier Prozent gestiegen. Da gleichzeitig der Euro kräftig aufwertete, fällt die Bilanz für Edelmetall-Investoren in der Euro-Zone jedoch negativ aus. Am Freitag kostete die Feinunze Gold 1022 Euro, rund 3,5 Prozent weniger als zum Handelsschluss zum Jahresende 2010.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

An den Märkten für Industriemetalle und Öl standen Konjunkturdaten aus China im Blickpunkt. Die Volksrepublik ist weltgrößter Kupferverbraucher und die Nummer zwei beim Ölverbrauch. Während das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit 9,7 Prozent stärker als erwartet zulegte, erzielte das Land keine Erfolge im Kampf gegen die Inflation. Die Teuerungsrate war im März mit 5,4 Prozent so hoch wie seit Juli 2008 nicht mehr.

Analysten erwarten deshalb eine weitere Straffung der Geldpolitik durch die chinesische Notenbank, was die Nachfrage nach Rohstoffen dämpfen könnte. US-Öl der Sorte WTI verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 107,63 Dollar. Nordseeöl der Sorte Brent wurde mit 121,90 Dollar 0,1 Prozent billiger gehandelt. Die Tonne Kupfer kostete mit 9375 Dollar 0,4 Prozent weniger. Die Notierung war bereits am Donnerstag in Erwartung der hohen Inflation in China um 1,1 Prozent abgerutscht.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Schutz

15.04.2011, 17:23 Uhr

Silber und Gold - ein guter Schutz vor dem nun kommenden Fiat-Money Kollaps.
Und ein guter Schutz vor gierigen Politikern und Bankstern !

Manu

15.04.2011, 17:33 Uhr

Unser Fiat-Money System geht dem Ende zu.......
Wohl dem der rechtzeitig dafür vorgesorgt hat....
Die Masse natürlich wieder mal nicht.....

Kai

15.04.2011, 21:31 Uhr

@Schutz + @Manu
Und ihr werdet euch am Kopf kratzen, wenn ihr merkt, dass die Preismanipulationen bei Wertpapieren nicht enden, sondern auch mit Vorliebe bei Rohstoffen durchgeführt werden.
Und ihr bleibt auf euren ach so tollen Absicherungen sitzen und könnt diese vielleicht mal vererben.

Und sehr geehrter Manu,
zu Ihren anderen Beiträgen - speziell zu Erdbeben - wird sich zeigen, ob Sie sich überhaupt nochmal melden sollten im Handelsblatt. Zwar bin ich auch der Überzeugung, dass Erdbeben künstlich erzeugt werden können, wie auch das Wetter, aber Sie haben gleich Ort und Zeit für ein Gebiet genannt. Da bin ich der Meinung, dass Sie sich zu weit rauslegen. Sie könnten langfristig rechthaben, aber völlig egal wann es passiert, wenn es nicht - wie von Ihnen vorhergesagt - im Mai passiert, haben Sie sich in Zukunft zu zügeln. Sie wird dann eh keiner mehr ernstnehmen. Und sollten Sie rechthaben, werden sicher millionen Leser gespannt auf die Herleitung Ihrer Erwartungen sein.

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