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27.11.2013

14:08 Uhr

Gold und Silber

Aufsicht vermutet Insidergeschäfte

Libor und Euribor sind offensichtlich nicht die einzigen Benchmark-Prozesse, bei denen es Verdacht auf Insidergeschäfte gibt. Die Finanzaufsicht BaFin nimmt jetzt auch den Gold- und Silberhandel unter die Lupe.

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Gold in Not?

Preis fällt: Gold in Not?

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BerlinNeben dem Zins-Skandal und möglichen Manipulationen am Währungsmarkt prüfen die Finanzaufsichtsbehörden auch das Vorgehen bei der Preisfestlegung für Gold und Silber. In diese Prüfungen sind nach einem Bericht des „Wall Street Journal Deutschland“ eine Hand voll europäischer Banken einbezogen, die traditionell die Richtwerte für die Edelmetallpreise festlegen, darunter auch die Deutsche Bank. Der deutsche Branchenprimus wollte den Bericht am Mittwoch nicht kommentieren.

„Die Bafin schaut sich neben (den Referenzzinssätzen) Libor und Euribor auch andere Benchmark-Prozesse wie das Gold- und Silberpreisfixing bei einzelnen Banken an“, erklärte ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bonn. Die Untersuchungen dauerten an. Zum Stand der Untersuchungen und zu den betroffenen Banken könne sich die Behörde mit Blick auf die Verschwiegenheitspflicht nicht äußern.

Die Aufsichtsbehörden untersuchen derzeit wichtige Vorgangsweisen zur Preisermittlung unter anderem bei Edelmetallen, Währungen und Zinsen. Es müsse dabei nicht zwangsläufig ein Manipulationsverdacht im Raum stehen, hieß es in Finanzkreisen. Ausgangspunkt für die Überprüfungen ist der Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Mitarbeiter verschiedener Banken sollen sich abgesprochen haben, um die Entwicklung von Zinssätzen wie Libor und Euribor zu beeinflussen. Gegen mehr als ein Dutzend Institute wird ermittelt. Die EU-Kommission will nach rund zweijährigen Ermittlungen nun rasch Strafen festlegen. Wie aus Kommissionskreisen verlautet, wollen die europäischen Wettbewerbshüter noch vor Weihnachten Geldbußen gegen Großbanken - darunter die Deutsche Bank - verhängen. Dabei soll es jeweils um Summen im dreistelligen Millionenbereich gehen. Die Deutsche Bank hatte in ihrem jüngsten Quartalsbericht eingeräumt, dass die Untersuchungen zu „hohen Geldstrafen“ führen könnten.

Nach Angaben des „Wall Street Journals“ prüft auch die Finanzaufsicht in Großbritannien die Vorgänge rund um die Preisermittlung für Gold und Silber. Die Preise für die beiden Edelmetalle werden täglich in London festgelegt.

Beim Goldfixing sind neben der Deutschen Bank auch die britische Barclays, Bank of Nova Scotia, HSBC und Société Générale dabei. Die Deutsche Bank ist auch beim Silberfixing vertreten. Die zweimal täglich gemäß Angebot und Nachfrage festgelegten Preise sind in dem Multi-Milliarden-Markt Richtschnur für zahlreiche Marktteilnehmer wie Edelmetallhändler, Rohstoffunternehmen, Finanzinstitute und Zentralbanken.

Die Goldpreise schwankten in den vergangenen Jahren stark. In diesem Jahr waren sie scharf eingebrochen. Ende Juni fiel der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) auf etwa 1180 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Sommer 2010. Ende 2011 hatte der Goldpreis noch bei über 1900 Dollar gelegen. Derzeit bewegt sich der Goldpreis für eine Feinunze um die 1250 Dollar.

Von

dpa

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

27.11.2013, 07:44 Uhr

"Die deutsche Finanzaufsicht BaFin prüft einem Medienbericht zufolge, ob im Metallhandel Missbrauch mit Insiderwissen betrieben wurde."

Tsts, immer diese Verschwörungstheoretiker in den Aufsichtsbehörden.

manduvel

27.11.2013, 07:54 Uhr

Ach ?

FanVonFamilie

27.11.2013, 07:58 Uhr

Wer´s immer noch nicht begriffen hat - hier mal im Klartext: Wir werden 24 h am Tag und das schon seit hunderten von Jahren, auf allen Ebenen belogen und betrogen !!!

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