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05.11.2014

14:21 Uhr

Gold- und Silberpreise stürzen ab

„Spekulative Goldkäufer sollten aussteigen“

VonNiklas Dopheide

Der Preisverfall bei Gold und Silber hält an. Experten rechnen damit, dass die Kurse für die beiden Edelmetalle noch weiter fallen. Doch die Ursachen haben auch positive Aspekte.

Goldbarren: Auch die sinkende Nachfrage nach physischem Gold aus Asien drückt auf den aktuellen Goldpreis. dpa

Goldbarren: Auch die sinkende Nachfrage nach physischem Gold aus Asien drückt auf den aktuellen Goldpreis.

DüsseldorfSeit Monaten kennen die Preise für die wichtigsten Edelmetalle nur eine Richtung: abwärts. Gold und Silber fielen im Oktober dieses Jahres auf ein neues Viereinhalb Jahrestief. Der Goldpreis fiel Anfang November sogar unter die Stabilitätsmarke von 1200 US-Dollar je Feinunze (rund 31 Gramm) und steht aktuell bei rund 1145 Dollar. Als Stabilitätsmarke wird der Bereich um 1200 US-Dollar bezeichnet, weil der Goldpreis nach Kursverlusten in den letzten Jahren zuvor immer wieder an dieser Marke nach oben abprallte, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank im Interview mit Handelsblatt Online.

Die Aussichten für das gelbe Edelmetall bleiben weiterhin schlecht. Michael Haigh, Rohstoffanalyst von Société Générale hält laut Bloomberg Interview auch ein Preisverfall bis hin zu 1000 US-Dollar je Feinunze für möglich. Haigh war einer der Analysten, die auch den starken Kursverlust im letzten Jahr richtig prognostiziert hatten.
Diese Prognose teilen die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs, die einen Kurs von 1050 US-Dollar pro Unze für realistisch halten. Weinberg hält einen solchen Preis kurzfristig auch für möglich, aber nicht über einen längeren Zeitraum hinweg. „Auf lange Sicht werden die Goldpreise vermutlich wieder steigen“, so der Commerzbanker.
Bei Silber zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. BNP Paribas sieht bei einem aktuellen Kurs von gut 15 US-Dollar einen charttechnischen Abwärtstrend, der einen Preisverfall bis 14,63 US-Dollar zur Folge haben könnte. Erst durch einen Anstieg über 17 US-Dollar könnte sich die Situation ändern. Gold und Platin sind laut BNP Paribas ebenfalls im Abwärts- bzw. Seitwärtstrend.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Die Gründe für die Preisentwicklung an den Edelmetallmärkten sehen Analysten vor allem im starken Dollar. Der Ausstieg der Federal Reserve aus dem Quantitative Easing Programm, dem milliardenschweren Rückkaufprogramm von US-Anleihen, und die Erwartungen steigender Zinsen jenseits des Atlantiks stärken den Greenback.
„Mit steigenden Zinsen in den USA erhöhen sich die Opportunitätskosten für eine Anlage in Gold, weil Gold eine zinslose Anlageform ist“, kommentiert Weinberg das Geschehen. Mit Opportunitätskosten bezeichnet man entgangene Erlöse, die Anleger mit anderen Anlageformen hätten erzielen können. Einig sind sich Analysten auch über eine andere Ursache. Der wirtschaftliche Optimismus in den USA, der durch aktuelle Zahlen zur Konjunktur und Inflationsentwicklung bestärkt wird, führt dazu, dass die US-Anleger keinen „sicheren Hafen“ benötigen, erklärte Weinberg. Auch Michael Haigh teilt diese Ansicht und erklärte im Bloomberg Interview, dass die aktuell sinkenden Ölpreise darauf hindeuten, dass die Inflation nicht steigen wird. Zudem sei die zuletzt sehr starke physische Nachfrage aus Asien zurückgegangen, was den Preis zusätzlich belastet. Die Nachfrage aus Asien hatte in den vergangenen Jahren die Preisrückgänge abgeschwächt. Für die Preisentwicklung bei Silber sieht Weinberg die gleichen Gründe. Schließlich werde Silber oft als der „kleine Bruder“ von Gold bezeichnet.

Kommentare (20)

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Herr Theo Gantenbein

05.11.2014, 14:48 Uhr

Wenn die Papiergold-Zocker aussteigen ist das genau der richtige Moment um physisch einzusteigen.

Am besten anonym gekauft und privat aufbewahrt. Denn in der Krise (die mit absoluter Sicherheit kommen wird), konfisziert der Moloch Staat schon mal gerne Schließfächer...

Herr Norman Fischer

05.11.2014, 14:52 Uhr

" In japanischen Yen oder in Euro umgerechnet, ist der Goldpreis seit Jahresanfang sogar leicht gestiegen. Denn in diesen Regionen wird offenbar noch ein sicherer Hafen gesucht."

Das eine (der Währungskurs) hat mit dem anderen (der Nachfrage nach Gold) nicht unbedingt was zu tun. Von einem Blatt mit diesem Namen hätte ich mehr Kompetenz erwartet.

Carl Icahn Jr.

05.11.2014, 15:08 Uhr

Teilweise richtig. Man(n) stelle sich nur mal vor, der Euro steigt in ein paar Jahren wieder gegen den US$ an. Klar, steigt dann auch i.d.R. wieder der Goldkurs in US$. Aber über die €/US$-Parität verändert sich für mich als €-Investor und Goldfreund dann auch nichts.

Ich jedenfalls sehe momentan daher auch keine Eile meinen ohnehin schon reichlich vorhandenen Goldschatz (um das Vermögen abzusichern) weiter aufzustocken/auszubauen. Zwischen 25.000 bis 28.000 € denke ich vielleicht darüber nach, mir ein paar weitere Kilos von dem gelben Zeug wieder zuzulegen, ohne Zeitnot. Das Zeug wird ja auch nie mehr verkauft, sondern vererbt und nur im äußersten Notfall liquidiert.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.

Carl Icahn Jr.
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

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