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13.04.2013

10:05 Uhr

Gold unter 1.500 Dollar

„Der Preis fiel wie ein Messer durch Butter“

Der Goldpreis ist am Freitag kräftig eingebrochen und erstmals seit 2011 unter die Marke von 1.500 Dollar gefallen. Analysten sprechen von einem atemberaubenden Preisverfall während der Markt über die Ursachen streitet.

Goldbarren in verschiedenen Größen. Der Goldpreis ist um mehr als fünf Prozent gefallen. dpa

Goldbarren in verschiedenen Größen. Der Goldpreis ist um mehr als fünf Prozent gefallen.

New YorkDer Goldpreis hat am Freitag mehr als fünf Prozent an Wert eingebüßt. Das Edelmetall fiel zum ersten Mal seit Juli 2011 unter die Marke von 1.500 Dollar. Mit einem Minus von sechs Prozent war es der größte Wochenverlust für den Goldpreis seit Dezember 2011. Zum Handelsschluss lag der Preis bei nur noch 1.478 Dollar pro Feinunze.

Die Verkäufe beschleunigten sich am Freitag nach unterwartet schlechten Einzelhandelsdaten aus den USA. Für die Aktienmärkte und den Goldpreis ging es bergab, der Dollar legte zu.

Weiterhin belasteten Gerüchte über einen möglichen Goldverkauf der zyprischen Zentralbank. Das Euro-Land steht möglicherweise vor einem Verkauf von Goldreserven. Dessen Notenbank verwaltet laut Angaben des World Gold Council Goldbestände im Umfang von 13,9 Tonnen.

Die Entscheidung über Goldverkäufe werde von der Notenbank getroffen, sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am Freitag nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Dublin. Es komme indes darauf an, führte Draghi weiter aus, dass eventuelle Erlöse aus dem Goldverkauf zu allererst zur Deckung möglicher Verluste der Notenbank aus ihren ELA genannten Notfall-Liquiditätshilfen für die Geschäftsbanken herangezogen würden.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

„Das Ausmaß der Verkäufe war absolut atemberaubend. Es gab keinerlei Unterstützung von unten, der Preis fiel wie ein Messer durch Butter“, kommentiert Robin Bhar, Analyst bei Societe Generale, den Preisverfall.

Der Goldpreis ist nach dem Kurssturz vom Freitag von seinem Allzeithoch rund 23 Prozent entfernt. Im September 2011 erreichte der Goldpreis sein Rekordhoch von 1.920,30 Dollar.

Doch war es das nun mit der zwölf Jahre andauernden Gold-Rally? Diese Frage ist am Markt hoch umstritten.

Genauso wie die möglichen Gründe für den Preisverfall. Zum einen verweisen einige auf mögliche Goldverkäufe der zyprischen Zentralbank, die anderen auf einen dank anziehender US-Konjunktur erstarkten Dollar. Dieses Argument scheint angesichts der zuletzt schlecht ausgefallenen Konjunkturdaten wenig stichhaltig.

Wieder andere begründen die Goldverkäufe mit dem lockeren Geld der Notenbanken: Diese würden in der Krise immer einspringen und den Markt stützen. Fed, Bank of Japan und EZB würden ein Sicherheitsnetz bilden – wozu also noch Gold als „sicheren Hafen“ kaufen? Andererseits weckt die Geldflut der Notenbanken bei einigen Anlegern die Angst vor Inflation. Es gibt somit Argumente für und gegen Gold. Welche Richtung das Edelmetall letztendlich einschlägt, bleibt damit spannend.

Kommentare (69)

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Gast

13.04.2013, 10:15 Uhr

"Analysten" denen ich schon länger folge, haben dies kommen sehen. Ein bisschen jetzt und dann auf nächste Woche warten, 1300 sind möglich.

MagicB

13.04.2013, 10:35 Uhr

ist alles relativ einfach zu verstehen.Die freundlichen Herren von Goldmann wissen dadurch, das ihre Schergen überall an den zentralen Stellen des Weltfinanzsystems plaziert sind natürlich rechtzeitig von den geplanten Notverkäufen der zyrischen Notenbank.Schnell werden die Analysten verlanlasst ,eine entsprechende Verkaufsempfehlung für Gold zu schreiben-Unterstützungen im Chart,die jahrelang gehalten haben werden plötzlich im Nu durchstossen.Der Preisverfall beschleunigt sich und die Zyprioten werden gezwungen, zu langjährigen Tiefstkursen zu verkaufen.Kaum ist dies geschehen ,werden wir überraschenderweise eine Kaufemphelung für das Gold durch GS und Herrn Soros sehen.Wo die verkauften Goldbestände gelanded sind kann sich jeder denken.

gulli@utanet.at

13.04.2013, 10:42 Uhr

Hoffentlich! Wertbeständiges wird billiger. Welch ein Segen. Man kann mit weniger bunt bedruckten Zettelchen mehr einkaufen. Wir sollten für Goldman Sucks ein paar Unzen mitkaufen. Daaaaannnkkkkkeeeee!
Viele von meinem Bekannten wollten Edelmetalle kaufen. Diese sind der Meinung, dass diese zu teuer sind. Jetzt werde ich sie ermuten sofort zu investieren. Weg mit der Kohle von den Banken!!!!!!

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