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08.10.2012

10:11 Uhr

Goldexperte im Interview

„Schuldenabbau durch Enteignung der Sparer“

VonJörg Hackhausen

Der Goldpreis kann schon bald bis auf 2.500 Dollar steigen, sagt Erich Meier. Im Interview spricht der Rohstoff-Kenner und Fondsmanager über die Gründe für die Rally, die Gefahr von Inflation und Bürgerkriegen.

"Gold ist eine Währung", sagt der Schweizer Goldexperte Erich Meier.

"Gold ist eine Währung", sagt der Schweizer Goldexperte Erich Meier.

Herr Meier, die Notenbanken bekämpfen die Schuldenkrise, indem sie immer mehr Geld drucken. Finden Sie das richtig?

Wenn die Notenbanken die Welt nicht mit Geld überflutet hätten, dann hätten wir es jetzt weltweit mit einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent zu tun. Wir hätten wahrscheinlich in einigen Ländern Bürgerkrieg. So haben wir wenigstens eine Chance, einigermaßen glimpflich aus der Krise zu kommen.

Und wie?

Durch Inflation. Man wird versuchen, auf lange Sicht etwas mehr Inflation zuzulassen und gleichzeitig die Zinsen künstlich niedrig zu halten. Das Ergebnis sind negative Realzinsen. Dadurch fällt es den Staaten leichter, sich zu entschulden, umgekehrt verlieren Ersparnisse an Wert. Anders ausgedrückt: Schuldenabbau durch die Enteignung der Sparer. Das ist so gewollt.

Werden das die Anleger mitmachen? Wenn die Inflation anzieht, werden sie mehr Zinsen verlangen.

Dagegen kann sich der Staat etwas einfallen lassen, etwa Zinsobergrenzen. Die USA haben dies nach dem Zweiten Weltkrieg schon einmal praktiziert und die Zinsen auf ein bestimmtes Niveau festgelegt. Eine andere Variante wäre, Vermögende per Gesetz zum Kauf von Zwangsanleihen zu bringen. Wobei ich solche Überlegungen schockierend finde. Als freier Bürger hoffe ich, dass es nicht so weit kommt.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Als Schweizer wird Sie das nicht betreffen.

Da bin ich mir gar nicht mehr so sicher. Die Schweiz liegt mitten in Europa. Zudem haben sich unsere Politiker in den letzten Jahren dem internationalen Druck ohne großen Widerstand gebeugt.

In Deutschland fürchten viele Menschen, dass sich Inflation nicht kontrollieren lässt. Wenn eine Spirale der Inflation in Gang kommt, kann das schwerwiegende Folgen haben.

Das ist verständlich. Die Deutschen haben noch die Erfahrungen der Weimarer Republik im Kopf.

Damals führte die massive Ausweitung der Geldmenge zu Hyperinflation. Kann sich die Geschichte wiederholen?

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich ein solches Szenario wiederholen kann, wahrscheinlich ist es aber in den nächsten Jahren nicht. Die Voraussetzungen sind heute ganz andere. Der wichtigste Unterschied: Wir leben heute in einer Gesellschaft mit einer alternden Bevölkerung. Das wirkt generell deflationär.

Warum das?

Wenn Sie älter werden, konsumieren sie weniger. Sie geben weniger Geld aus. Sie ziehen vom Haus in eine Wohnung, von der Wohnung ins Altersheim und vom Altersheim in den Sarg. Das wirkt nicht gerade preistreibend. Das Risiko einer Hyperinflation schätze ich für die nächsten fünf bis zehn Jahre als gering ein.

Kommentare (25)

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08.10.2012, 10:18 Uhr

Na, da bin ich ja zufrieden, dass ich schon seit Jahren mehr Gold als Körpergewicht im Tresor meines Vertrauens gebunkert hab !

Kostolany

08.10.2012, 10:30 Uhr

Der Wert des Goldes ist nur virtuell im Kopf der
Goldbesitzer verdrahtet.
Industriell völlig überflüssig.
Am Ende kommt es aber auf die Meinung der Investoren über den Wert des Goldes an oder daß die Produzenten allen glauben machen können, daß es einen besonderen Wert besitzt.

Ohweiohweiohwei

08.10.2012, 10:37 Uhr

Goldaktien sind wohl die schlechteste Investition von allen Anlagemöglichkeiten. Dann doch lieber Staatsanleihen oder Devisen, die kann man unendlich nachdrucken!Gold wird in 20 Jahren restlos aus der Erde geholt sein. Dann sind alle Gold-Minengesellschaften pleite! Gold und Silber = nur physisch kaufen!!!

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