Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2011

10:00 Uhr

Goldkauf

Der Rausch nimmt kein Ende

VonRegine Palm

Die Schuldenkrise in vielen Staaten macht den Anlegern Angst. Immer mehr Investoren kaufen auf der Suche nach Sicherheit Gold - der Preis steigt und steigt. Die Mehrheit der Experten erwartet eine weitere Verteuerung des Edelmetalls.

Gold-Nuggets: Auch einige Zentralbanken stocken ihre Bestände auf. Getty Images

Gold-Nuggets: Auch einige Zentralbanken stocken ihre Bestände auf.

DÜSSELDORF. Der Gewinner des alten Jahres wird auch der Gewinner im neuen Jahr werden: Experten erwarten mehrheitlich, dass Gold seinen Rekordkurs im neuen Jahr fortsetzen wird. Doch die Preisprognosen driften auseinander.

"Die Anleger sind nach wie vor gut auf Gold zu sprechen", sagt Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Bis Ende 2011 sieht er den Preis ebenso wie die Commerzbank und die Helaba bei 1 500 Dollar. Die Schweizer Großbank UBS zählt Gold sogar zu den "Top-Picks" des Jahres und hat ihre Prognose noch einmal angehoben: Eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) werde in einem Jahr rund 1 550 (zuvor 1400) Dollar kosten. Noch optimistischer ist die US-Investmentbank Goldman Sachs: Mit Blick auf die niedrigen Zinsen könne der Goldpreis Ende 2011 bei 1 690 Dollar stehen.

Die Nachfrage der Anleger hat dem Goldpreis 2010 ein sattes Plus von fast 30 Prozent beschert. Anfang Dezember erreichte der Preis sein Rekordhoch bei rund 1431 Dollar. In Europa mussten Investoren für eine Feinunze Gold gestern 1 074 Euro zahlen - so viel wie nie zuvor.

Warum ist Gold bei den Investoren so begehrt? An erster Stelle ist es die Suche nach Sicherheit. So hat die Schuldenkrise in Griechenland zeitweise regelrechte Panikkäufe ausgelöst. Gesucht waren Münzen und Barren ebenso wie Anlageprodukte auf Gold.

Ende Juni erreichten die Bestände von börsennotierten Fonds, die mit Gold hinterlegt werden, beim Marktführer SPDR den Höchststand von 1 320 Tonnen. Große Abflüsse hat SPDR nach Aussage von LBBW-Analyst Proettel seither nicht - kaum verwunderlich, denn die Angst vor der Verschärfung der Schuldenkrise in der Euro-Zone ist ungebrochen.

Auch einige Zentralbanken stocken ihre Bestände auf

Und es gibt weitere Sorgen. "Gold ist für solche Investoren attraktiv, die verunsichert sind wegen des Inflationsrisikos, einer durch schwankende Ölpreise verursachten Instabilität, wegen der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte und der Ausfallrisiken von Staatsanleihen", sagt Bradley George, Chef des Rohstoff-Teams bei Investec Asset Management. George ist auch mit Blick auf die immer noch recht starke Schmucknachfrage fast ebenso optimistisch wie Goldman Sachs. Schon in den nächsten sechs Monaten werde Gold nahe 1 600 Dollar notieren. Das Rückschlagpotenzial sei begrenzt, der Preis werde langfristig nicht unter 1 100 Dollar fallen.

Eine solche Zuversicht stützt sich natürlich nicht allein auf die Nachfrage der Anleger. Bradley blickt auch auf das eher geringe Angebot. Zwar investiere die Goldindustrie in neue Bergwerke, gleichwohl werde dieses neue Angebot im Jahresvergleich relativ gering bleiben. Damit würde sich zumindest in Südafrika der Trend fortsetzen. Das Land war einst Spitzenreiter bei der Goldförderung, jetzt geht die Produktion seit Jahren zurück.

Hinzu kommt, dass die Notenbanken am Goldmarkt die Seite gewechselt haben. Jahrzehntelang haben sie viel Gold verkauft und damit teilweise auch den Preis des Edelmetalls gedrückt. Inzwischen geben die Zentralbanken immer weniger Gold ab. Zuletzt hat nur der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Bestände abgebaut. Einige Zentralbanken kaufen auch Gold, etwa die in China und Russland. Dies treibt den Preis weiter.

Kommentare (19)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Artur özkaplan

01.01.2011, 11:18 Uhr

Es ist fünf vor zwölf. Die Staaten werden sich über Geldmengenvermehrung ihrer Schulden entledigen. Diese Vermehrung ist einfach eine Plünderung der Ersparnisse sei Es konten oder Renten. Es ist eine perfide Enteignungsmethode mit der die Gläubiger sogar ohne Mitbeteiligung enteignet werden. Das ist das Schema in allen Rettungsaktionen die Stattfand wenn iMF Gelder zur "Rettung" gab.
Man hat nicht kapiert dass im Mai der Euro in etwas wie Drahme und Peseta oder Lire umgewandelt worden ist. Euro ist keine Hartewährung mehr. Es ist eher so dass die Deutschen nun die DM für Lire oder Drahme aufgegeben haben. Die Geldmengenvermehrung ist der Weg des kleinsten Widerstandes für Demokratien. Geldvermehrung ist eine Enteignung wehrt euch dagegen indem ihr Gold und Silber benutzt !!!

keeper

01.01.2011, 13:35 Uhr

Zitat:
"Die oft schon befürchtete blase bilde sich aber nicht. Dafür müsse Gold 2 000 Dollar und mehr kosten."
/Zitat.

und aus welchem Ärmel hat er sich diese Zahl "2000 USD" geschüttelt?

der Gegenwert des Goldes errechnet sich ja nicht aus den Erträgen, welche das Gold erwirtschaftet, sondern rein nach Angebot und Nachfrage. ... und da das Angebot rückläufig ist, würde der Goldpreis selbst bei stagnierender Nachfrage ohne die ganzen frischgedruckten Dollars stetig ansteigen...

Die Zahlen:
Goldförderung: 2350 t/p.a. entspricht ca 80 Mrd EUR. - dies entspricht in etwa der derzeitigen Neuverschuldung der USA pro Monat ...



manfred

01.01.2011, 16:43 Uhr

so ist das nun mal ,wenn der EURO mehr ist "wie eine währung".das heißt der EURO wurde und wird mißbraucht.noch ein grund mehr zum mißtrauen!warum sollte denn ohne euro europa scheitern?? wo doch mit EURO schwierigkeiten vorprogr.sind und ohne EURO nachkriegseuropa relativ gut lebte. einen bundesstaat will doch die mehrheit der europäer nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×