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26.07.2012

15:50 Uhr

Goldmarkt

Verunsicherte Investoren treiben Goldpreis

VonRegine Palm

Dollarpreis steigt, Goldpreis sinkt - so lautet die Regel. Doch sie gilt nicht mehr. Gold und Dollar steigen gleichzeitig. Die Verunsicherung der Investoren setzt hergebrachte Mechanismen kurzerhand außer Kraft.

Unsichere europäische Investoren setzen weiterhin auf Gold. dpa

Unsichere europäische Investoren setzen weiterhin auf Gold.

DüsseldorfAm Goldmarkt sind die sonst üblichen Regeln zurzeit außer Kraft gesetzt. Steigt der Kurs des amerikanischen Dollars, bremst dies normalerweise den Goldpreis. Aktuell profitiert der Dollar besonders von der Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Euros, dennoch steigt in Europa auch der Goldpreis.

„Der normale Zusammenhang ist gestört", sagt Gabor Vogel, Edelmetallexperte der DZ Bank. „Grund dafür ist die hohe Unsicherheit in Europa. Die europäischen Anleger suchen Sicherheit in physischen Goldanlagen." Dies spiegelt sich in der Preisentwicklung auf Euro-Basis wider. Seit etwa einem Jahr schwanken die Notierungen in Europa um 1300 Euro und liegen mit aktuell gut 1320 Euro nur wenig unter dem bisherigen Rekordhoch.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Anfang September vergangenen Jahres hatte eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) rund 1354 Euro gekostet, so viel wie nie zuvor. Noch vor rund einem Jahr notierte die Unze Gold gerade einmal bei gut 1000 Euro. Die europäischen Investoren schneiden damit zurzeit besser ab als die Anleger im US-Dollar-Raum.

Auf Dollar-Basis hatte Gold seinen Rekord Anfang September 2011 bei 1920 Dollar erreicht; gestern hat der Preis die psychologisch wichtige Marke von 1600 Dollar zurückerobert. Doch Euro-Gold hat auf Jahresbasis rund sieben Prozent zugelegt, während Gold in Dollar nahezu unverändert bis leichter handelt.

Die größten Goldnachfrager

Welche Region sind die größten Nachfrager?

Zwischen 1980 und 2010 hat sich die weltweite Gold-Nachfrage von Europa und Nordamerika nach Ostasien und Indien verschoben. 1980 kam aus Nordamerika und Europa noch 68 Prozent der Nachfrage, 2010 waren es noch 27 Prozent. Die Ostasiaten und Inder steigerten sich dagegen von 14 auf 58 Prozent.

Was wird nachgefragt?

Der Großteil der Nachfrage lag 1980 noch im Investmentbereich, Goldschmuck spielte damals eine geringere Rolle. Bis zum Jahr 2000 machten Investments einen immer geringeren Teil der Nachfrage aus, die Bedeutung von Schmuck dagegen stieg. Nach 2000 wandelte sich das Verhältnis wieder. Seitdem machen Investitionen knapp 40 Prozent der Gesamtnachfrage aus.

Wer kauft Goldschmuck?

Die West-Ost-Verlagerung zwischen 1980 und 2010 zeigt sich besonders stark beim Goldschmuck. 1980 kamen lediglich 22 Prozent der Nachfrager aus Indien und Asien, 2010 waren es 66 Prozent.

Wer sind die Gold-Investoren?

Zwischen 2000 und 2010 ist der Anteil der Europäer und Nordamerikaner unter den Investment-Nachfragern von unter zehn auf über 40 Prozent angestiegen.

Woher kommen die Technologie-Nachfrager?

Die Goldnachfrage in der Technologie-Branche wird zunehmend von Ostasien getragen. Sie stieg zwischen 1970 und 2010 von 17 auf 67 Prozent.

„Ausschließlicher Treiber war der Euro, der sich gegenüber dem Dollar um sieben Prozent abschwächte", sagt Mark Augustynak, Seniorhändler Edelmetalle bei der Royal Bank of Scotland (RBS) in London. Für das zweite Halbjahr erwartet die RBS einen erneut steigenden Goldpreis. „Bei einer weiteren Schwäche des Euros ist ein Preis in der Nähe des Allzeithochs auf Euro-Basis wahrscheinlich", sagt Augustynak.

Kommentare (13)

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Arbeiter

26.07.2012, 18:50 Uhr

„Bei einer weiteren Schwäche des Euros ist ein Preis in der Nähe des Allzeithochs auf Euro-Basis wahrscheinlich"

Den Satz sollten sich einige Goldliebhaber besser mal einrahmen. Übersetzt heißt das : Nur wenn der Euro immer weniger wert werden sollte, wird der Goldpreis in Euro steigen. Oder anders ausgedrückt: Reale Gewinne mit Gold in Zukunft? HA HA HA HA HA HA HA?

Die Gold-Party ist vorbei. Wer nicht dabei war, hat eben Pech gehabt.

Ohweiohweiohwei

26.07.2012, 18:58 Uhr

Der Goldpreis wird in Kürze nach oben manipuliert. Aber nur damit Indien nicht so viel Gold für die Hochzeitssaison kaufen kann. Banken möchten nicht das Gold gekauft wird, weil sie erstens nicht viel daran verdienen und zweitens ihre eigenen Produkte verkaufen müssen.

michi

26.07.2012, 19:22 Uhr

Jedes Kleinkind weiss, das der Goldmarkt manipuliert ist.

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